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Was tun mit den offenen Ferien-Guthaben?

Können die Mitarbeiter ihren Ferienanspruch ins nächste Jahr nehmen? Oder darf das Unternehmen sie auszahlen? Solche Fragen stellen sich in diesen Tagen besonders heftig.

Ferien sind eine unklare Sache. Es gibt sie, und jeder Mitarbeiter hat ein Recht darauf – insofern ist das Gesetz eindeutig. Aber wann jemand wie viel nehmen kann, steht nirgends so genau.

Und folglich sind sich Chefs und Angestellte am Ende des Jahres oft im Unklaren: Die Leute schleppen noch einen Berg Ferientage herum, aber keiner weiss so recht, was er jetzt noch damit anfangen soll.

Das führt zu diversen Fragen.

1. Muss man die Ferien im laufenden Jahr nehmen?

Da sind Gesetz und Gerichtspraxis recht vage: «Die Ferien sind in der Regel im Verlauf des betreffenden Dienstjahres zu gewähren», steht wörtlich im Obligationenrecht.

«In der Regel?» Das heisst: Eigentlich sollte man den Urlaub noch im laufenden Jahr einziehen – aber Ausnahmen sind möglich. Wer will, kann also durchaus einige Tage ins nächste Jahr herüberziehen.

Streng genommen gäbe es allerdings eine Obergrenze. Diese wird gesetzt durch einen anderen – oft vergessenen – Punkt im Obligationenrecht: «Wenigstens zwei Ferienwochen müssen zusammenhängen», steht da. Wenn ein Angestellter am Ende des Jahres also noch über zwei Wochen zugute hat, dann hat er – bei einem Standard von vier Wochen – nicht mal den vorgeschriebenen Zwei-Wochen-Block bezogen. Also lief etwas falsch im Unternehmen.

2. Können die Ferienansprüche verjähren, wenn man sie zu lange vor sich herschiebt?

Da muss man in der Tat aufpassen: Nach fünf Jahren ist der Anspruch auf die Frei-Tage verwirkt. Die Verjährungsfrist der Tage, die ein Mitarbeiter für 2014 noch zugute hat, beginnt am 1. Januar 2015 zu laufen. Oder anders: Er hat die Ferien noch bis Ende 2019 zugute.

3. Können Ferienansprüche auch einfach ausbezahlt werden?

Nein – das ist ein heikler Punkt, der vielen gar nicht bewusst ist. Hier ist das Gesetz sehr klar: «Die Ferien dürfen während der Dauer des Arbeitsverhältnisses nicht durch Geldleistungen oder andere Vergünstigungen abgegolten werden.»

Die Idee dahinter: Ferien sind nicht einfach ein sozialpartnerschaftliches Arrangement oder ein netter «Fringe Benefit», sondern sie haben vor allem einen gesundheitlichen Sinn: Sie dienen zur Erholung der Arbeitnehmer. Das lässt sich nicht mit Geld ersetzen.

4. Kann mich der Chef jetzt noch in Urlaub schicken, um die überfälligen Tage abzutragen?

Eigentlich schon, aber… Entgegen der gängigen Meinung entscheidet letztlich die Firma, wann jemand frei hat. «Der Arbeitgeber bestimmt den Zeitpunkt der Ferien», steht im Obligationenrecht. Doch dann folgt umgehend eine Einschränkung: Die Firma «nimmt dabei auf die Wünsche des Arbeitnehmers soweit Rücksicht, als dies mit den Interessen des Betriebes oder Haushaltes vereinbar ist.»

Somit ist zum Beispiel klar, dass ein Unternehmen Betriebsferien festlegen, über die Weihnachts-Tage schliessen und die Angestellten in die Ferien schicken kann.

Es gibt allerdings Einschränkungen: In der Gerichtspraxis hat sich erwiesen, dass ein Arbeitnehmer es nicht unbedingt akzeptieren muss, wenn er kurzfristig in die Ferien geschickt wird. Die Firma hat die Pflicht, die Urlaubszeiten früh genug festzulegen, so dass den Angestellten «eine vernünftige Ferienplanung ermöglicht wird», wie das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco es ausdrückt. In der Regel bedeutet dies eine Frist von drei Monaten.

«Eine kurzfristige Verschiebung einmal festgelegter Ferien müssen sich die Arbeitnehmenden nur in Notfällen gefallen lassen», schreibt die zuständige Bundesstelle.

Letztlich geht es also darum, dass man die beidseitigen Interessen im Betrieb abwägt. Oder anders: Am besten, man redet miteinander und sucht einen gutschweizerischen Kompromiss.

5. Was passiert mit den Ferientagen, wenn man gekündigt hat?

Das Gesetz macht hier keinen Unterschied: Auch dann können überzählige Tage nicht einfach ausbezahlt werden – die Leute sollen ihre Ferien beziehen.

Es gibt allerdings Ausnahmesituationen, in denen sich Schweizer Gerichte schon für eine Auszahlung ausgesprochen haben. Zum Beispiel, wenn ein Mitarbeiter noch sehr viele Ferientage zugute hat, aber die Kündigungsfrist sehr kurz ist – dann kann der Angestellte auf eine Auszahlung drängen.

Nur lassen sich hier keine festen Regeln ableiten. Im Streitfall achten die Gerichte zum Beispiel darauf, ob ein Arbeitnehmer bald wieder eine neue Stelle antritt (so dass der Ferienbezug wichtiger ist), oder aber ob er danach in einer offenen beruflichen Situation ist (so dass es ihm weniger an freier Zeit als an Geld mangeln dürfte).


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