75 Jahre Konjunkturforschung an der ETH Zürich: Die Auf und Abs der Wirtschaft

Seit 75 Jahren fühlt die KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich den Unternehmen den Puls. Das Fundament dafür, die Unternehmensbefragungen, sind auch heute noch ein wichtiger Pfeiler unserer Arbeit, um den Zustand der Schweizer Wirtschaft zu analysieren und kommentieren.

Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre zeigte, dass die offiziell erhobenen Daten in der Schweiz nicht ausreichten, um eine gute Beurteilung der wirtschaftlichen Lage abzugeben. Und der drohende 2. Weltkrieg liess die Unternehmen auf eine unsichere Zukunft schauen. Der Bedarf an Beratung und eines besseren Überblicks der Schweizer Konjunktur war gross. Dies führte am 16. Mai 1938 zur Gründung der Konjunkturforschungsstelle, geleitet von Eugen Böhler (†). Bereits ein Jahr zuvor hatte dieser regelmässige Treffen mit Unternehmen organisiert, in denen über Wirtschafts- und Regierungsthemen gesprochen wurde. Dieser «Erfahrungsaustauschgruppe für Konjunkturbeobachtung», kurz ERFA, gehörten rund 30 Unternehmen an. Aus diesen Treffen heraus entwickelte Böhler ab 1955 an der Konjunkturforschungsstelle die ersten schriftlichen Unternehmensbefragungen – das Fundament der KOF. Im Laufe der Zeit wurden die Umfragen auf immer mehr Branchen und Unternehmen ausgeweitet.

Der Konjunkturartikel

1968 dann ein weiterer wichtiger Schritt für die KOF: Sie wurde beauftragt, die Grundlagen für eine Konjunktur- und Wachstumspolitik des Bundes zu formulieren und einen Vorschlag für einen entsprechenden Artikel in der Bundesverfassung zu erarbeiten. Der Gesetzesvorschlag des damaligen Leiters Hans Würgler scheiterte 1975 am Ständemehr – es fehlten 50 Stimmen in Appenzell-Innerrhoden. Der überarbeitete Entwurf wurde dann aber in der Abstimmung von 1978 angenommen und ist bis heute als Artikel 100 «Konjunkturpolitik» Bestandteil der Bundesverfassung.

In den folgenden Jahren wurde die Arbeit mit statistischen Methoden und Modellen immer wichtiger – auch hier ging die KOF mit der Zeit und entwickelte ein Modell für die Prognose der Schweizer Konjunktur. Zudem gewann die internationale Vernetzung an Bedeutung, wie die grössere Bekanntheit der KOF auf internationalem Forscherparkett – hier hat die KOF in den vergangenen Jahren viel erreicht.

Fundament steht seit 75 Jahren

Auch 2013 sind die Unternehmensbefragungen das Fundament der KOF. Regelmässig befragt die KOF über 11.000 Unternehmen zur ihrer Einschätzung von Geschäftslage und –erwartungen sowie 6.500 Betriebe zu ihren Innovationsaktivitäten und zum Strukturwandel in der Schweiz. Mit diesen Befragungen können wir der Wirtschaft den Puls fühlen, d.h. wir erkennen den Zustand der Wirtschaft sehr schnell. Die Angaben der Unternehmen helfen uns, bessere Einschätzungen für die Zukunft zu machen und wirtschaftspolitische Empfehlungen gegenüber der Politik auszusprechen. Zudem basieren viele Forschungsprojekte auf den Ergebnissen der Unternehmensbefragungen. Und selbst die Erfahrungsaustauschgruppe für Konjunkturbeobachtung wird heute noch als KOF Wirtschaftsforum weitergeführt.

Weitere Informationen zum Jubiläum der KOF finden Sie unter: www.kof.ethz.ch/de/75-jahre-kof

Auch Ihr Unternehmen kann dazu beitragen, die Wirtschaftsbeobachtung und -prognose zu verbessern. Sie können sich auf der Internetseite der KOF zu den Umfragen anmelden und Ihre Einschätzungen und Erwartungen angeben. Mit jedem weiterem Teilnehmer verbessert sich die Befragungsbasis: www.kof.ethz.ch/de/umfragen

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