Studie

Der digitale Graben

Schweizer Firmen haben die Bedeutung der digitalen Transformation erkannt. Doch bei der Umsetzung herrscht Nachholbedarf, wie eine Studie der Hochschule für Wirtschaft Zürich zeigt.

Digitalisierung ist aus dem Geschäftsleben nicht mehr wegzudenken. Nicht nur geschäftliche Abläufe wie Bestellungen und Buchhaltung werden hauptsächlich am Computer erledigt. Auch die Kundenkontakte erfolgen vermehrt übers Internet, von der Anfrage per E-Mail bis hin zur Reklamation auf der Facebook-Seite.

Diese digitale Transformation, also der Wechsel von herkömmlichen «analogen» Abläufen hin zu digitalen Prozessen, wird sich in den nächsten Jahren verstärken. Das gilt nicht nur in der globalen Wirtschaft, sondern auch für die Schweiz.

 

Die Bedeutung ist erkannt

Die Bedeutung dieser Entwicklung haben auch Schweizer Firmen erkannt. Das zeigt die Studie «Digital Switzerland 2015» des Center for Digital Business der HWZ (Hochschule für Wirtschaft Zürich) unter 463 Teilnehmern. Fast drei Viertel der Befragten rechnen damit, dass die Digitalisierung in den nächsten fünf Jahren grosse Auswirkungen auf die eigene Branche haben wird. Damit rechnen – wenig erstaunlich – am ehesten Teilnehmer aus der ICT-Branche, die sich ohnehin in einem ständigen technischen Wandel befindet.

Fast gleich viele Firmen rechnen damit, dass die Digitalisierung in ihrer Branche an Bedeutung gewinnen wird. Und immerhin etwas mehr als die Hälfte der Befragten gehen davon aus, dass die digitale Transformation bis in zwei Jahren entscheidend für den Erfolg des Unternehmens sein wird.

 

Bei der Umsetzung haperts

In nicht einmal zwei Jahren wird es also in gewissen Branchen entscheidend sein, dass Prozesse digital abgewickelt werden können, also beispielsweise Bestellungen oder Kundendienstanfragen übers Internet erfolgen. Doch gleichzeitig ist erst ein Viertel der befragten Firmen heute schon so weit. Über die Hälfte der Unternehmen gehören dagegen zu den «digitalen Dinosauriern», die weder interne Abläufe noch das Kundenerlebnis ausreichend digitalisiert haben.

Natürlich ist die Bedeutung der Digitalisierung je nach Branche unterschiedlich. Doch ignorieren kann diese Entwicklung keine Branche. Wir haben uns längst daran gewöhnt, Konsumgüter wie Lebensmittel, Elektronikartikel oder Bücher im Online-Shop zu kaufen und Rechnungen via E-Banking zu bezahlen. Weshalb sollten wir also nicht auch den Maler übers Web anfragen oder den Tisch im Restaurant übers Smartphone reservieren?

Die Gründe für den Rückstand auf den digitalen Fahrplan sind einerseits technischer Natur, andererseits fehlen die Ressourcen. Fast die Hälfte der Befragten gaben an, dass die IT-Infrastruktur nicht gerüstet sei und die finanziellen Mittel fehlten. Ebenso mangelt es am internen Fachwissen, sowohl bei den Mitarbeitern als auch auf der Führungsebene. Etwas mehr als die Hälfte der Firmen wollen deshalb vermehrt entsprechende Fachleute einstellen. Damit liesse sich der Rückstand auf die Entwicklung in einer Branche, dieser «digitale Graben», wohl überbrücken.

 

Digitalisierung erweitert den Horizont

Lange Zeit galten Informatik und Telekommunikation als Mittel zur Optimierung bestehender Prozesse mit dem Zweck, die Produktivität zu steigern und gleichzeitig die Kosten zu senken. Diese Aspekte spielen bei der digitalen Transformation immer noch eine Rolle, sind aber nicht mehr der Haupttreiber für die Digitalisierung.

An erster und zweiter Stelle stehen heute der Ausbau der Wertschöpfung und die Verbesserung des Kundenerlebnisses, etwa auf neuen Kanäle wie Online-Shop oder Social Media. Die Firmen haben also die Chance erkannt, welche die Digitalisierung für den Ausbau des Produkte- oder Dienstleistungsangebots bietet. Jetzt gilt es aber auch, das Potenzial in der eigenen Firma auszuloten und die Umsetzung zügig anzugehen.

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