13 Tricks, um verbal die Oberhand zu wahren

Schlagfertigkeit mit Methode

Plötzlich ist es da: dieses Gefühl, jetzt müsste man ganz bestimmte Worte sagen. Auch in mobil-flexiblen Arbeitswelten mit neuen Kooperationsmodellen ist es nützlich, schlagfertig zu sein. Wir zeigen Ihnen die 13 besten Grundtechniken, damit Sie im digitalen Sitzungszimmer gewappnet sind. Denn Schlagfertigkeit ist lernbar.

Der Drucker streikt. Ein Projektkollege hilft Ihnen via Videochat. Es lag an irgendeiner Kleinigkeit. «Gratis-Tipp: Nächstes Mal vorher Gehirn einschalten», sagt er grinsend. Jeder kennt diese hilflose Wut, die aufsteigt, weil die dringend benötigte Antwort nicht einfällt.

Denn kommen die Worte zu spät, sind sie nicht mehr viel wert. Hier hilft nur schnelles Reagieren: Schlagfertigkeit. Mit ihr wehren Sie sich gegen bissige Kommentare und meistern peinliche Situationen – auch im digitalen Sitzungszimmer mit neuen (sozialen) Medien.

Rhetorik-Profi Pöhm: «Gesprochen fast immer besser»

Doch eine geschriebene schlagfertige Antwort – in einem Chat oder E-Mail – wirkt nicht immer genauso gut wie diejenige, die in der echten Situation gesprochen wurde. «Es gibt Antworten, die wirken gelesen besser, als wenn man sie frei spricht – und umgekehrt», erklärt der Rhetorik-Trainer Matthias Pöhm.

Der Profi für Schlagfertigkeit nennt ein echtes Beispiel, das sich sehr gut liest, aber live nicht so gut ankam: Ein Teilnehmer hält in einem Rhetorik-Seminar seine Rede und hält dabei seine Hände hängend hinter dem Rücken zusammen. Pöhm ruft dazwischen: «Herr Bayer, bitte Hände weg vom Auspuff!» Herr Bayer nimmt sie ruhig nach vorne und kommentiert: «Dann leg ich sie halt an die Stossstange».

«Edit-Battle» im digitalen Zeitalter

Es gibt Pöhm zufolge noch einen weiteren Unterschied zwischen Schlagfertigkeit in mündlicher und schriftlicher Form: Im mündlichen kann die Kommunikation beendet werden durch Themen-Wechsel oder durch Weggehen. «Online hat der andere immer noch die Möglichkeit eins draufzusetzen. Er kann sich auch mit anderen beraten, was er denn antworten soll.» Das münde dann oft im «Edit Battle», sagt der Betreiber der grössten Sammlung im Internet an Verbal-Angriffen samt Antworten.

Techniken zur Schlagfertigkeit: Üben, üben, üben

Schlagfertigkeit lebt zwar von der Überraschung, aber Sie können sie entwickeln. Sie müssen nur richtig und vor allem regelmässig trainieren. Denn Schlagfertigkeit bekommen Sie vor allem, indem Sie üben. Hier sind 13 Grundtechniken, die Ihnen helfen:

  1. Zustimmen

    Stimmen Sie Ihrem Angreifer zu. Und übertreiben Sie den Vorwurf ins Masslose, bis die Sache absurd und komisch klingt. Lösen Sie ein witziges Vergleichsbild aus.
    Beispiel: «Igitt, hast Du ein aufdringliches Parfüm». – «Du hast Recht, in Afrika tötet man damit Termiten.»

  2. Umdefinieren

    Formulieren Sie die bissigen Worte Ihres Gegenübers um. Wenn Sie jemand beleidigt, gehen Sie nicht darauf ein. Sie wiederholen nur die Worte, indem Sie diese in eine freundliche Sprache übersetzen. Quasi nach dem Muster: «Sie wollen damit sagen … ».
    Beispiel: «Sie haben keine Ahnung». – «Sie meinen, wir haben eine unterschiedliche Auffassung über das Projekt.»

  3. Missverstehen

    Es gibt fast kein Wort, das nur eine einzige Bedeutung hat. Geben Sie den Dingen, die gesagt werden, einen anderen Inhalt – und zwar absichtlich.
    Beispiel: Als die Beatles von einer USA-Tour zurückgekehrt waren, wurden Sie von Journalisten gefragt: «Wie fanden Sie Amerika?» Antwort: «Zuerst Grönland – und dann links ab».

  4. Gegenangriff

    Drehen Sie den Spiess um – nach dem Prinzip «wie du mir, so ich dir». Wie beim Judo legt sich der Angreifer dann selbst aufs Kreuz. Wichtig: Inhaltlich muss der Konter überraschen.
    Beispiel: Winston Churchill soll von einer Lady ein «Kompliment» bekommen haben: «Wenn ich Ihre Frau wäre, würde ich Ihnen Gift geben.» Churchill: «Wenn ich Ihr Mann wäre, würde ich es nehmen.»

  5. Gegenfragen

    «Wer fragt, führt», heisst es. Lenken Sie durch geschickte Nach- und Gegenfragen das Gespräch. Der Klassiker: «Was meinen Sie mit …? » oder konstruktiver: «Was fehlt, damit Sie zufrieden wären?»
    Beispiel: «Schon wieder gibt es Entlassungen. Herr Meier, wie schaffen Sie es bloss, dass Sie immer davon kommen?» – Meier: «Keine Ahnung. Wie schaffen Sie es denn?»

  6. «Das ist Ihre Meinung»

    Sie können einen Vorwurf entwerten, in dem Sie den Angriff pauschal als die Meinung des Angreifers darstellen.
    Beispiel: Auf den deutschen Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder geht folgender Standardsatz zurück: «Das mag Ihre Wahrheit sein, das ist aber nicht die Wahrheit.»

  7. Nutzen ansprechen

    Stimmen Sie dem Einwand zu. Fügen Sie dabei Ihr «Gerade deshalb»-Argument an. Bringen Sie die Vorteile ins Spiel. Sie vermitteln Ihrem Gesprächspartner so das Gefühl, dass Sie ihn ernst nehmen. Und sie widerlegen den Einwand.
    Beispiel: «Huber, Sie können doch gar nicht mitreden. Sie haben doch überhaupt keine Erfahrung». – Huber: «Stimmt, ich habe keine Erfahrung. Gerade deshalb kann ich die ganze Sache völlig neutral betrachten.»

  8. Mit Standards kontern

    Wenn es schnell gehen muss, helfen Standardformulierungen. Sie sind zwar nicht besonders stilvoll, aber erfüllen ihren Zweck, wenn Ihnen nichts Besseres einfällt. Prägen Sie sich zwei bis drei Standard-Sprüche ein. Ein Allzweckspruch ist: «Lieber (x) … als (y)…» oder «Sie sind eben mein Vorbild».
    Beispiel: «Du bist ein Grünschnabel.» – «Lieber ein grüner Schnabel als eine grosse Klappe.»

  9. Gegensteuer geben

    Es gibt Situation, die Ihnen bestimmte Verhaltensweisen aufzwingen, die Sie aber gar nicht wollen. Steuern Sie dagegen und handeln Sie nach Ihrem Willen und Interesse. Hüten Sie sich vor Unterstellungs- und Suggestivfragen.
    Beispiel«Herr Müller, nennen Sie die drei wichtigsten Gründe, warum Sie das Projekt ablehnen?» – Müller: «Zwei Gründe genügen, (…)».

  10. In Klartext übersetzen

    Gehen Sie gegen nette, getarnte Sticheleien vor. Sprechen Sie in aller Deutlichkeit das aus, was der Angreifer nicht auszusprechen wagt. Dabei können Sie ruhig übertreiben.
    Beispiel: «Bei mir klappt’s! Das ist einfach.» – «Sie wollen mir damit sagen, ich bin zu beschränkt, alles vorschriftsgemäss zu installieren. Ist es so?»

  11. Nonsens antworten

    Erwidern Sie unangenehme, persönliche Fragen mit Blödsinn. Antworten Sie Ihrem Angreifer zum Beispiel mit einem Sprichwort, das die einzige Funktion hat, ihn zu verwirren. Wechseln Sie danach das Thema.
    Beispiel: «Was, das Märchen vom hässlichen kleinen Entlein kennen Sie nicht? Hat Ihnen Ihre Mutter niemals Märchen vorgelesen?» – «Nein, immer nur die Aktienkurse».

  12. Nachdenken

    Vertagen Sie eine Sache oder bitten Sie um Bedenkzeit. Vor allem wenn Sie sich überrumpelt fühlen. Es schützt Sie vor unbedachten Äusserungen – auch auf sozialen Medien.
    Beispiel: «Ich sage Ihnen morgen, wie ich über Ihre Meinung denke.»

  13. In Bildern sprechen

    Lösen Sie mit Sprache Bilder aus. Ziehen Sie einen Vergleich aus der Alltagswelt. Hilfreich sind Satzanfänge wie «Das ist dasselbe wie …» oder «Das können Sie vergleichen mit …».
    Beispiel: «Sie haben keine Ahnung, Sie haben doch nie gearbeitet und einen Hammer in der Hand gehalten.» –  «Ich muss keine Kuh sein, um zu beurteilen, ob Milch sauer ist.»

Quellen und Literatur:

  1. Matthias Pöhm (2015): «Das Non Plus Ultra der Schlagfertigkeit. Die besten Techniken aller Zeiten», mvg Verlag
  2. Matthias Pöhm (2014): «Nicht auf den Mund gefallen. So werden Sie schlagfertig und erfolgreicher». mvg Verlag
  3. Matthias Nöllke (2015): «Schlagfertigkeit: Die 100 besten Tipps. Haufe Verlag

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