Richtig versichert

So finden Sie den Weg durch den Dschungel der Sozialversicherungen

Dieser kleine und prägnante Online-Leitfaden führt Sie zu allen notwendigen Anlaufstellen.

Ein KMU ist im Bereich der Sozialversicherungen mit einer ganzen Reihe von Feldern konfrontiert. Das ist das eigentliche Problem. Denn ob Mutterschutz oder Pensionskassen oder Arbeitslosen-Versicherung: Jedes Feld hat eigene Regeln und eigene Anlaufstellen. Hier die wichtigsten Fälle auf einen Blick.

 

Die AHV

  • Wie betrifft das ein KMU?  Stark. Wer eine Erwerbstätigkeit ausübt, muss AHV-versichert sein und Beiträge an die AHV bezahlen. Das gilt für die Angestellten, es gilt aber auch für die Gründer eines Unternehmens.
    Zum Zeitpunkt der Firmengründung muss man sich bei der zuständigen Ausgleichskasse anmelden. Danach werden die Beiträge an die AHV hälftig von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bezahlt. Zusammen mit den Beiträgen an die AHV werden auch die Beiträge an die IV und die EO erhoben.
  • Was ist die Anlaufstelle, an die man sich wenden muss? Zuständig sind in der Regel die kantonalen Ausgleichskassen, manchmal auch die Verbands-Ausgleichskasse. Eine Liste der Adressen finden Sie hier
  • Wie ist das konkrete Vorgehen? Die Firma muss jeden neuen Mitarbeiter innert 30 Tagen bei der Ausgleichskasse anmelden. Dort wird für jede versicherte Person ein Konto geführt. Die Höhe der Beiträge für AHV, IV und EO beträgt 10,3 Prozent. Das KMU zieht jeweils die Hälfte des Beitrages (5,15 Prozent) vom Lohn ab und überweist den Betrag zusammen mit seinem Anteil (ebenfalls 5,15 Prozent) an die Ausgleichskasse. Dazu kommt noch ein Verwaltungskostenbeitrag.

 

Die IV

  • Wie betrifft das ein KMU? Fast gleich wie die AHV: Alle Arbeitnehmer müssen dort versichert sein, und die Beiträge an die Invalidenversicherung werden zusammen mit den AHV-Beiträgen erhoben. Die Leistungen werden ebenfalls durch die Ausgleichskasse bezahlt. Die IV-Beiträge betragen 1,4 Prozent, sie sind je hälftig von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen mit den AHV- und den EO-Beiträgen zu bezahlen (siehe oben).
  • Wo ist die Anlaufstelle? Auch hier muss man sich an die Ausgleichskasse wenden. Die Adressen kantonaler IV-Stellen finden Sie hier.
  • Wie ist das konkrete Vorgehen? Die Anmeldung funktioniert wie bei der AHV (siehe oben). Zu beachten ist allerdings, dass man auch einen Blick auf den Gesundheitszustand der Mitarbeiter haben sollte: Die Firma kann einen arbeitsunfähigen Angestellten zur Früherfassung bei der IV-Stelle melden, um gemeinsam mit der IV zu verhindern, dass die Probleme chronisch werden; dies fördert oft eine schnelle Rückkehr an den Arbeitsplatz.

 

Die Ergänzungsleistungen

  • Wie betrifft das ein KMU? Meistens hat man damit nur indirekt zu tun. Die Finanzierung erfolgt durch Bund und Kantone. Denkbar ist, dass ein Mitarbeiter, die eine AHV- oder IV-Rente bezieht, auch Ergänzungsleistungen bezieht.
  • Wo ist die Anlaufstelle? Hier ist die Liste der kantonalen Stellen für Ergänzungsleistungen 

 

Die Arbeitslosenversicherung

Wie betrifft das ein KMU? Alle Angestellten müssen auch bei der Arbeitslosenkasse versichert sein. Der Satz liegt bis zu einem Jahreseinkommen von
126’000 Franken bei 2,2 Prozent. Auf Einkommensanteilen darüber wird ein Solidaritätsprozent erhoben. Sämtliche Beiträge werden je hälftig von der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite getragen.

Wie ist das konkrete Vorgehen? Auch hier läuft es wie bei AHV und IV. Die Firma zieht die Hälfte des Beitrages vom Lohn ab und leitet diese zusammen mit dem eigenen Beitrag periodisch an die Ausgleichkasse weiter.
Geschieht dies nicht, dann werden die Beiträge im Nachhinein eingefordert und dem Arbeitgeber droht ein Strafverfahren.

Wo ist die Anlaufstelle? Neben der Ausgleichskasse zur Bezahlung die Arbeitslosenkassen gibt es Anlaufstellen zur Auszahlung: die Arbeitslosenkassen. Diese können frei gewählt werden und sind meist kantonal aufgelistet. Ein Tool zur Suche einer zuständigen Arbeitslosenkasse findet sich auf der Seco-Seite «Treffpunkt Arbeit». 

 

Die Kurzarbeits-Entschädigung

  • Wie betrifft das ein KMU? Ein Spezialfall der Arbeitslosenversicherung ist die Kurzarbeitsentschädigung. Bei einer vorübergehenden Reduzierung oder «einer vorübergehenden vollständigen, unvermeidbaren und wirtschaftlich bedingten Einstellung der Arbeit» gibt es einen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Diese Gelder werden der Arbeitgeberfirma ausbezahlt.
  • Wie ist das konkrete Vorgehen? Erhebt eine Firma Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung, so ist das Gesuch in der Regel mindestens 10 Tage vor Beginn der Kurzarbeit schriftlich der kantonalen Amtsstelle zu melden. Die Formulare dazu finden sich hier
  • Wo ist die Anlaufstelle? Falls eine Entschädigung bewilligt wird, erhält man die Gelder bei einer frei zu wählenden Arbeitslosenkasse. Auch hier findet man die Adressen mit diesem Tool auf der Seco-Seite «Treffpunkt Arbeit». 

 

Die Unfallversicherung

  • Wie betrifft das ein KMU? Es ist wie bei der AHV: Alle Angestellten sind obligatorisch versichert gegen Unfälle. Die Versicherung umfasst dabei Berufs- und Nichtberufsunfälle. Die Prämien für die Versicherung der Berufsunfälle und Berufskrankheiten trägt die Firma. Die Versicherung der Nichtberufsunfälle wird von den Arbeitnehmern bezahlt.
  • Wie ist das konkrete Vorgehen? Festgelegt wird eine Vorausprämie, die von der Firma bezahlt wird. Auf der Basis der jährlichen Lohndeklaration wird dann für den Arbeitgeber die definitive Prämienabrechnung für das zurückgelegte Jahr erstellt. Auf dieser Grundlage wird gleichzeitig dann die neue Vorausprämie für das nächste Jahr veranlagt.
    Als versicherter Verdienst gilt der für die AHV massgebende Lohn bis höchstens 126’000 Franken pro Jahr beziehungsweise 346 Franken im Tag.
  • Wer ist die Anlaufstelle? In den meisten Fällen wird es die Suva sein. Als erstes muss also abgeklärt werden, ob Ihr Betrieb zwingend der Suva unterstellt ist. Alternativen wären private Versicherer, Krankenkassen und die öffentlichen Unfallversicherungskassen.
    Eine Liste der Suva-Agenturen in Ihrer Nähe finden Sie hier.

 

Die Krankenversicherung

  • Wie betrifft das ein KMU? Grundsätzlich ist die Krankenkasse Privatsache. Ein Detail jedoch: Laut Gesetz hat der Arbeitgeber die Pflicht, das Personal darauf hinzuweisen, dass man eine Krankenkassen-Grundversicherung braucht.
    Möglich ist zudem, dass das Unternehmen die Prämien für die Krankenversicherung übernimmt oder Beiträge dazu leistet. Wenn der Arbeitsvertrag dies vorsieht, müssen die Krankenkassen-Beiträge bei der Lohnabrechnung und im jährlichen Lohnausweis aufgeführt werden.

 

Das Krankentaggeld

  • Wie betrifft das ein KMU? Wird ein Mitarbeiter krank und erleidet er einen Unfall, so muss die Firma den Lohn für eine gewisse Zeit weiterbezahlen. Die Dauer hängt ab von der Dauer des Arbeitsverhältnisses.
    Eine Variante respektive eine Sicherheit für diesen Fall ist die Krankentaggeld-Versicherung. Die Firma kann sich durch den Abschluss einer Kollektiv-Krankentaggeldversicherung unter bestimmten Voraussetzungen von ihrer Lohnzahlungspflicht befreien.
  • Wie ist das konkrete Vorgehen? Man benötigte eine entsprechende Versicherung respektive Police. Die Prämien der Taggeldversicherung werden in der Regel je zur Hälfte vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer getragen
  • Was ist die Anlaufstelle? Grundsätzlich sind die privaten Versicherer zuständig. Eine Übersicht der Schweizer Krankenversicherer gibt es hier
    Hinweis: Es gibt diverse Vergleichs-Sites, die Sie auch bei Krankentaggeld-Versicherungen zu Rate ziehen und zur Offerteinholung nützen können.

 

Der Mutterschaftsschutz

  • Wie betrifft das ein KMU? Angestellte wie selbstständige Frauen haben seit 2005 Anspruch auf eine Mutterschaftsentschädigung nach dem Erwerbsersatzgesetz. Während 14 Wochen erhalten sie 80 Prozent des durchschnittlichen Erwerbseinkommens vor der Geburt.
    Zudem darf Schwangeren nicht gekündigt werden – auch nicht der Mutter in den ersten 16 Wochen nach der Geburt.
    Das Unternehmen kann die Ausfälle beziehungsweise die Lohnfortzahlung ebenfalls durch eine Krankentaggeld-Versicherung abdecken.

 

Die Pensionskassen

  • Wie betrifft das ein KMU? Alle angestellten Personen, die das 17. Altersjahr erreicht haben und einen gewissen Mindestlohn überschreiten, müssen einer Pensionskasse beitreten. Dazu errichtet jede Arbeitgeberfirma eine Vorsorgeeinrichtung, oder sie schliesst sich einer Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtung an.
    Diese Einrichtungen werden meistens von Branchenverbänden, Versicherungen oder Banken geführt. Es gilt also, die passende zu finden.
  • Wo gibt es Anlaufstellen? Es gibt den Verein BVG-Auskünfte, der unter anderem auch Info-Anlässe veranstaltet und kostenlos informiert. Allerdings richtet er sich an die einzelnen Versicherten.
    Hier gibt es ein Verzeichnis der Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen.
  • Was ist konkret zu tun? Erstens muss man sich solch einer Einrichtung anschliessen, zweitens ist es Aufgabe der Firma, die neuen Mitarbeiter jeweils an- und abzumelden.

 


Hier gibt es Informationsmaterial

  • Alles in einem: Auf der Website des Bundesamt für Sozialversicherungen finden Sie einen Ratgeber, der sich an KMU richtet – «Ratgeber Sozialversicherungen»
  • AHV: Die Liste der kantonalen Ausgleichskassen
  • IV: Die Liste der kantonalen IV-Stellen 
  • Tool zum Finden von Arbeitslosenkassen 
  • Übersicht der Schweizer Krankenversicherer 
  • Anmeldeformulare für Kurzarbeitsentschädigung 
  • Wie lange wird bezahlt? Skalen der Lohnfortzahlung bei Krankheit 

 

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