Wie Digitalisierung Abläufe optimiert

So ist Zügeln keine grosse Kiste

Ein Umzug ist eine mühsame Sache. Nicht so mit der Online-Plattform Movu, die auch dank Digitalisierung die Umzugsvorbereitung entscheidend vereinfacht.

Laurent Decrue, CEO von Movu.

 

Start-ups entstehen oft aus eigenen Erfahrungen heraus. Auch hinter der Umzugsplattform «Movu» («move you») stecken eigene, leidvolle Erlebnisse – und der Antrieb, etwas zu verändern und Abläufe mittels Digitalisierung zu verbessern. «Mich hat interessiert, welche Prozesse bei der Umzugsplanung nicht gut klappen», sagt Mitgründer und CEO Laurent Decrue. Und machte sich mit den beiden Mitgründern Nicolas Bürer und Nenad Nikolic daran, die oftmals mühevolle Umzugsabwicklung zu vereinfachen.

 

Eine Anlaufstelle für alles

Seit Februar dieses Jahres präsentiert sich Movu als zentrale Anlaufstelle rund ums Zügeln. Wer umziehen will, erhält über die Plattform nicht nur Offerten von Umzugs- und Reinigungsfirmen, sondern kann auch gleich die Hausratsversicherung anpassen oder einen neuen Internet-Zugang bestellen. «Wir möchten aus einer Hand alle Services rund ums Zügeln vermitteln», erklärt Decrue das Ziel des Zürcher Start-ups.

Welche Vereinfachung Movu bietet, wird schnell deutlich. Man braucht sich bloss den Aufwand anzuschauen, der normalerweise bei einem Umzug anfällt: Zügelfirma suchen, Termin zur Wohnungsbesichtigung vereinbaren, selbiges mit einem Reinigungsinstitut, dazu noch Versicherungen anpassen, Internet-Zugang und Festnetztelefon ummelden und vor allem alle wichtigen Stellen über die neue Adresse informieren. Die meisten dürften sich aus eigenen Erfahrungen heraus vorstellen können, wie viel Aufwand das bedeutet.

 

«Als Plattform kannst Du nur gewinnen, wenn beide Seiten zufrieden sind.»
Laurent Decrue, CEO Movu

 

Bei Movu können Nutzer viele dieser Arbeiten delegieren. Wer sich anmeldet, erhält fünf Offerten von Umzugs- und Reinigungsfirmen. Diese Angebote werden von sogenannten «Movecaptains» bei Movu geprüft und erst dann an den Besteller weitergeleitet. Eine vorgängige Wohnungsbesichtigung entfällt, weil der Nutzer die notwendigen Informationen direkt auf der Movu-Plattform erfasst. Diese Prüfung verursacht viel Arbeit für Movu, wie Decrue schildert: «Derzeit prüfen wir rund 10’000 Offerten pro Monat.» Entsprechend ist das Start-up permanent daran, die eigenen Abläufe zu optimieren.

 

Gewinner auf beiden Seiten

Bei dieser Überprüfung kommen Movu die gesammelten Erfahrungen auf dem Umzugsmarkt zugute – und eine grundlegende Qualitätskontrolle aller Anbieter, mit denen das Start-up zusammenarbeitet. «Wir prüfen jedes Umzugs- und Reinigungsunternehmen darauf, ob es seriös arbeitet und gute Qualität liefert», sagt Decrue. Das bedeutet auch, dass die über Movu angebotenen Firmen nicht die allerbilligsten sind, denn: «Billig bedeutet oft auch, dass Sachen beim Umzug beschädigt werden», schränkt Decrue ein. «Wir bieten gute Qualität zu fairen Preisen und sind günstiger als alle anderen Portale.»

Nach anfänglicher Skepsis bei den Umzugs- und Reinigungsfirmen hat sich Movu heute in der Branche einen guten Ruf erarbeitet. Das hängt auch mit dem Geschäftsmodell zusammen. Denn Movu ist kein Zwischenhändler, sondern arbeitet ausschliesslich mit einer Provision im Falle einer erfolgreichen Auftragsvermittlung. «Da wir über unsere Plattform auch Werbung für die Firmen machen, können wir Betriebe fördern, die gute Arbeit leisten», gibt sich Decrue überzeugt.

Die Firmen, die mit Movu zusammenarbeiten, profitieren aber nicht nur von der Werbewirkung, sondern erhalten auch eine Zahlungsgarantie und bei Bedarf sogar Schulung. Doch dieser Aufwand ist laut Decrue notwendig: «Als Plattform kannst Du nur gewinnen, wenn beide Seiten, Kunde und Anbieter, zufrieden sind.»

 

Wachstum in der Schweiz

Die Hürde der Akzeptanz hat Movu genommen. Nun geht es daran, die Plattform weiter auszubauen und Marktanteile dazu zu gewinnen. Decrue rechnet vor: «Bei rund 200’000 Umzügen mit Firmen pro Jahr in der Schweiz ist das Potenzial für uns gross.» Eine Expansion ins Ausland ist derzeit nicht geplant, der Schweizer Markt steht derzeit im Vordergrund. Decrue ist zuversichtlich: «Mittlerweile arbeiten auch etablierte Firmen mit uns zusammen. Wir haben gezeigt, dass wir diesen Markt weiterentwickeln können und nicht disruptiv bestehende Anbieter konkurrenzieren.»

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