Vaterschaft in Lateinamerika: Ende des Machismo?
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Vaterschaft in Lateinamerika: Ende des Machismo?

Der Mann ernährt die Familie, Kindererziehung ist Frauensache, der Vater ist die Autoritätsfigur. In der Schweiz glauben wir diese Klischees hinter uns gelassen zu haben. In Zentralamerika sind sie oft noch Realität.

Wohin mit dem alten Handy?

Mit einer Handy-Spende an Mobile Aid wird ihr altes Gerät fachmännisch entsorgt, Ihre Daten werden gelöscht und Sie tun erst noch etwas Gutes: Der Erlös aus dem Weiterverkauf oder dem Recycling wird an SOS-Kinderdorf gespendet.

«Mein Leben bestand nur aus Arbeit. Ich stand frühmorgens auf und kam spät in der Nacht nach Hause. Ich spielte keine Rolle im Leben meiner Kinder und hatte keine richtige Beziehung zu ihnen aufgebaut», erzählt Vater Wilson in Nicaragua. «Wenn ich mich an meine eigene Kindheit erinnere, fallen mir meine Eltern ein. Sie schlugen mich und meine Geschwister. Mit ihrer Strenge, so wie sie es nannten, wollten sie uns auf das Leben vorbereiten. Ein Mann hat eben hart zu sein.»

Väter sind in Nicaragua oft wenig am Familienleben beteiligt und Kindererziehung gilt immer noch als Frauensache. Der Mann ist hauptsächlich als Ernährer für die Familie zuständig und hat Stärke zu zeigen. Dieses Verhalten macht es für sie schwierig, eine emotionale Beziehung zur Familie, insbesondere zu den Kindern, aufzubauen. Dieses speziell für Nicaragua dominante Verhaltensmuster, Machismo genannt, impliziert auch oft die Unterordnung der Frau.

Drei Mitglieder des Vaterschaftsnetzwerks in Estelí.

Väter gehen neue Wege

Wilson hat seinen Sohn auf dem Schoss, sie sitzen auf einer grossen Bühne. Der Junge ist als Batman geschminkt und liest aus seinem Lieblingsbuch vor. Wilson bewegt synchron die Lippen dazu, wie Eltern das häufig tun, wenn die Kinder noch nicht so gut lesen können. Die beiden treten am Talentfestival in Estelí, im Norden von Nicaragua auf. Sie haben sich gut auf den Auftritt vorbereitet.

Wilson und sein Sohn geniessen den Auftritt am Talentfestival.

Verantwortungsvolle Vaterschaft

Das Talentfestival ist ein wichtiger Anlass des Netzwerks «Verantwortungsvolle Vaterschaft», einem Projekt des SOS-Kinderdorfs in Estelí, Nicaragua. Über das Netzwerk soll den Vätern vermittelt werden, dass es auch für sie selbst grosse  Vorteile hat, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und, dass die Anwesenheit des Vaters wichtig für die Entwicklung des Kindes ist.

«Durch das Netzwerk lernte ich, wie wichtig es ist, Zeit mit meinem Kind zu verbringen», erzählt Wilson von seiner Erfahrung bei «Verantwortungsvolle Vaterschaft». Dadurch hat er neue Gewohnheiten aufgenommen: «Ich leihe mir Bücher aus und erzähle meinem Kind vor dem Zubettgehen eine Geschichte. Damit nahmen wir am Talentfestival des Vaterschaftsnetzwerks teil und lasen zusammen eine Geschichte vor. Diese Erfahrung hat unsere Beziehung noch mehr gestärkt», sagt er.

«Ich begriff, dass mein Kind das Beste und Wertvollste in meinem Leben ist. Heute bin ich aufmerksamer und präsenter im Leben meines Kindes. Ich achte auf seine Gefühle und beobachte, was er braucht. Sobald ich von der Arbeit nach Hause komme, unternehmen wir etwas gemeinsam. Ich koche für ihn, wir basteln oder gehen draussen spielen.»

Ob Singen, Tanzen oder Schauspiel: Alles ist erlaubt auf der Bühne.

Gemeinsam im Rampenlicht

Das Talentfestival von SOS-Kinderdorf fand schon zum vierten Mal statt. Väter, Grossväter oder Onkel treten gemeinsam mit ihren Kindern auf der Bühne auf. Ob tanzen, singen, ein Gedicht vorlesen oder ein Schauspiel: Die Talente sind vielfältig. Dieses Festival fordert die Männer dazu auf, gemeinsam mit ihren Kindern Zeit zu verbringen und ihre Beziehung zu stärken.

Väter in der Schweiz

Machismo assoziiert man zwar eher mit südländischen Gesellschaften. Trotzdem können wir in der Schweiz auch noch nicht von einer vollkommen ausgeglichenen Rollenverteilung sprechen. Zwar ist der Familienmann auf dem Vormarsch und Teilzeitstellen sind auch für Männer immer häufiger eine Option. Organisationen wie männer.ch, Vaterverbot oder vaterrechte.ch engagieren sich für gleiche Elternrechte von Mann und Frau.  Trotzdem ist das Thema Gender und Gleichberechtigung ein Dauerbrenner, das von beiden Geschlechtern immer wieder auf die politische Agenda gesetzt wird. Frauen kämpfen immer noch für eine gerechte Lohnverteilung.

SOS-Kinderdorf in Nicaragua

Die Organisation SOS-Kinderdorf engagiert sich in Estelí im Norden von Nicaragua in der Stärkung und Unterstützung von Familien. Wann immer möglich, soll ein Kind bei den eigenen Eltern oder Familienmitgliedern leben. Das Angebot umfasst eine Schule, eine Kita sowie Schulungen für die Eltern. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden ein Zuhause in einer familiennahen Umgebung im SOS-Kinderdorf.

Spenden Sie ihr altes Handy für starke Familien in Nicaragua

Seit 2012 führt Swisscom unter dem Namen «Mobile Aid» Handy-Sammelprogramme durch. Der Erlös aus dem Verkauf von alten Handys kommt voll und ganz SOS-Kinderdorf zugute. In den letzten sieben Jahren wurden über 650‘000 Handys von Kunden gespendet. Seit vier Jahren fliesst der gesamte Erlös aus dem Handy-Sammelaktionen nach Estelí in Nicaragua.

SOS-Kinderdorf

SOS-Kinderdorf unterstützt seit über 60 Jahren Kinder in Not. Ihnen ein liebevolles Zuhause zu geben und eine selbstgestaltete Zukunft zu ermöglichen, sind die Hauptziele des weltweit aktiven Hilfswerks.

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4 Kommentare zu “Vaterschaft in Lateinamerika: Ende des Machismo?

  1. Die Schriftart dieses Artikels ist sehr schön, der Inhalt jedoch feministisch und unzumutbar. Mit meiner Frau und meinen zwei Töchtern lebe ich sehr glücklich. Ich muss aber auch Morgens arbeiten gehen und komme erst am Abend wieder nach Hause. Meine Frau schmeisst im Gegenzug den Haushalt. Ich verachte meine Frau nicht und sie ordnet sich mir unter. Das funktioniert natürlich auch nur, weil wir uns untereinander sehr lieben.
    Bei so Feministinnen wie jene, die den Beitrag geschrieben haben, fehlt es wohl an gesundem Selbstwert. Mit grossen Worten kann man sich selbst natürlich gute Gefühle schaffen. Seit dem das feministische und emanzipierte Denken in unserer Gesellschaft Fuss gefasst hat, wurde auf dieser Welt noch nichts verbessert.
    Übrigens noch etwas über Gerechtigkeit: Gleiche Arbeit = Gleicher Lohn. Ungerecht ist zum Beispiel die Militärdienstpflicht. Meine Schwestern mussten nie in die RS, was mich jedoch nicht zum weinen brachte.

    1. Hallo Herr Grossenbacher,
      danke für Ihre Zeilen und ich freue mich, dass Sie sich mit ihrer Männlichkeit im Reinen fühlen. Ich will mit diesem Artikel keinem Mann mit einem gesunden Selbstvertrauen auf die Füsse treten. Jeder soll sich frei für ein Lebensmodell entscheiden können, solange das für alle Beteiligten stimmt. In Lateinamerika hat der ausgeprägte Machismo gewichtige Nachteile für die Gesellschaft und es gibt Männer, die sich daraus befreien wollen. Ihnen hilft das Vaterschafsnetzwerk von SOS-Kinderdorf.

      Freundliche Grüsse aus der Redaktion, Tanja Kammermann (eindeutig weiblich :-))

  2. Kleiner Verbesserungsvorschlag zum Lead: Ein Stigma ist ein diskreditierbares Merkmal, also eine Eigenschaft, mit der man Menschen oder gesellschaftliche Gruppen schlechtmachen und ausgrenzen kann. Z.B. Alkoholiker*in, psychisch Kranke, Ausländer. Die im Lead erwähnten Rollenverteilungen sind hingegen Clichés. Denn erstens hält sich eine Mehrheit daran und zweitens erfährt niemand dadurch einen gesellschaftlichen Nachteil. Lieber Gruss, Jen

    1. Hallo Jen, danke für den Verbesserungsvorschlag, den ich gerne so übernommen habe.
      Für die Redaktion: Andreas Heer

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