Collaborative Economy

Wenn Kunden zu Mitarbeitern werden

Carsharing, Crowdfunding und private Ferienwohnungen: Die «Collaborative Economy» erobert alle Gesellschaftsbereiche. Doch wie können Firmen auf diese Entwicklungen reagieren?

Für Jeremiah Owyang, Innovationsberater und Unternehmer, ist das Zeitalter der «Collaborative Economy» angebrochen. Bei dieser Wirtschaftsform organisieren sich Konsumenten selbst. Sie teilen sich Autos und Segeljachten, übernachten in den Ferien in Privatwohnungen und investieren via Crowdfunding Geld in Projekte. Firmen kommen in dieser Wertschöpfungskette nur als Vermittler vor, in der Form von Plattformen wie Airbnb, Wemakeit oder BlaBlaCar. Das Nachsehen haben Hotels, Taxibetreiber, Automobilhersteller und Banken.

 

Ein boomender Markt

Gemäss PriceWaterhouseCoopers (PwC) handelt es sich bei der Collaborative Economy nicht um ein Phänomen, sondern um eine anhaltende Entwicklung. Der Umsatz bei diesem direkten Tausch und Handel soll gemäss PwC von heute rund 15 Milliarden US-Dollar bis in zehn Jahren auf 335 Milliarden steigen.

Und die Collaborative Economy erobert immer neue Bereiche. Die von Owyang entwickelte Grafik «Collaborative Economy Honeycomb» zählt bereits 12 Industriezweige, in denen das gemeinschaftliche Wirtschaften bereits Realität ist – wenn auch in unterschiedlichen Reifegraden. Die Form der Bienenwabe ist dabei nicht zufällig gewählt, denn das Werk der fleissigen Bienen sei ein perfektes Symbol für die Zusammenarbeit aller.

 

Die «Bienenwabe» der Collaborative Economy in der erweiterten Fassung. (Bild: CC)

 

«Collaborative Economy wird alle Gesellschaftsbereiche erobern», mutmasste Owyang an seinem Referat anlässlich des «Customer Experience Day» von Swisscom im letzten Herbst. Mit teils einschneidenden Folgen für traditionelle Wirtschaftszweige, wie beispielsweise die kontroversen Diskussionen um den Fahrvermittlungsdienst Uber zeigen.

 

Mitmachen oder untergehen

Firmen, die in diesem veränderten Umfeld bestehen wollen, müssten ihr Geschäftsmodell anpassen, so Owyang. Oder, mit seinen Worten ausgedrückt, Konsumenten zu Mitarbeitern machen. In seinem Referat führte er drei Beispiele auf, wie Unternehmen ihr Geschäftsmodell der Wertschöpfungskette der Collaborative Economy anpassen:

  • Vom Produkt zum Service: Ein Hersteller verkauft seine Produkte nicht mehr, sondern bietet sie als Dienstleistung zur gelegentlichen Nutzung an.So bietet BMW in München mit «Drive Now» eine Dienstleistung, bei der Mitglieder tageweise BMWs mieten können. Die Überlegung dahinter: Wenn der Absatz mit Automodellen zurückgeht, muss die Wertschöpfung pro Modell steigen.
  • Eigener Marktplatz: Ikea hat einen Marktplatz aufgebaut, auf dem Kunden untereinander gebrauchte Möbel verkaufen können. Damit konnte Ikea nicht nur Werbung für die Langlebigkeit seiner Möbel machen, sondern auch zusätzliche Verkäufe generieren, wenn die gebrauchten Stücke mit neuen Möbeln vervollständigt werden müssten.
  • Plattform aufbauen: Eine Plattform verbindet Kunden direkt mit Kunden und ermöglicht es einer Firma, Kunden in Teile der Wertschöpfungskette einzubinden. Ein Beispiel dafür ist die Finanzierung mittels Crowdfunding, wobei die privaten Geldgeber für ihre Investition anteilsmässig am Umsatz beteiligt werden.

 

Der Frage, wie weit Zusammenarbeit Innovation hervorruft, geht auch der nächste Customer Experience Day vom 28. April 2016 nach. Prominente Redner aus Kultur und Wirtschaft zeigen anhand konkreter Beispiele, wie Innovationen fernab von starren Hierarchien entstehen. Nutzen Sie die Gelegenheit und seien Sie dabei!

Jetzt lesen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.