Bewerbungsgespräch richtig führen

Wenn Sie einen Küchenchef suchen, lassen Sie die Kandidaten kochen

Dafür können Sie sich die Frage: «Was sind Ihre Schwächen?» sparen. Neun Vorschläge, wie man im Bewerbungsgespräch die richtigen Leute findet.

Das Bewerbungsgespräch ist eine anforderungsreiche Sache: In relativ kurzer Zeit muss man einen völlig Fremden genau kennenlernen. Dies ist heute umso schwieriger, als die Bewerber durch Online-Seiten wie Kununu und Glassdoor, aber auch Xing und Linkedin gut informiert sind über die Fragen, die üblicherweise gestellt werden.

Wie geht man also heute richtig vor? Hier eine Zusammenstellung von Tipps ausgewiesener Personal-Experten.

 

1. Vorbereitung: Finden Sie heraus, wen Sie eigentlich genau suchen.

Wie erkennt man die Anforderungen an einen Bewerber? Ein praktischer Tipp dazu: Schauen Sie sich die besten Leute in der eigenen Unternehmung oder im betrieblichen Umfeld an. Was macht sie aus? Was brachten sie mit, als sie ihre Stelle antraten? Welchen Lebenslauf hatten sie?

Es wäre nur logisch, dass der perfekte Mann, die perfekte Frau für die neue Stelle dieselben Kompetenzen hat.

Claudio Fernández-Aráoz, ein Berater bei Egon Zehnder and Autor eines Personalsuche-Ratgebers rät zu einem einen Dreischritt:  Man nimmt die eigenen Top-Performer, baut auf dieser Basis die Kriterien für die neuen Bewerber auf – und leitet aus diesen Kriterien wiederum die Fragen fürs Bewerbungsgespräch ab.

 

2. Machen Sie keinen Stress, sondern reduzieren Sie ihn

Kandidaten in einem Bewerbungsgespräch sind nervös. Das ist ein Problem – auch für die Arbeitgeberseite. Denn in der speziellen Situation eines Job-Interviews sind die Menschen nicht echt, nicht authentisch. Dies erschwert es, genau zu erkennen, mit wem man es wirklich zu tun hat.

Deshalb ist es auch im Interesse der Firma, den Stress zu senken. Ein Vorschlag aus der «Harvard Business Review»: Informieren Sie die Kandidaten bereits im Voraus, wie das Gespräch abläuft und welche Themen Sie ansprechen möchten. Es sei eventuell sogar nützlich, wenn man etwas über den Dress Code sagt, der in der Firma herrscht. Dies hilft, die Situation in einem Punkt zu entspannen, den viele Bewerber überbewerten.

 

3. Arbeiten Sie mit den Bewerbern

Wichtig ist es, dass man in einem Bewerbungsverfahren möglichst genau die wirkliche Arbeitssituation durchgeht. «Wenn Sie einen Küchenchef suchen, dann lassen Sie die Bewerber kochen»: So formuliert es John Sullivan, ein Management-Professor und Autor eines bekannten Rekrutierungs-Ratgebers.

Und was für die Küche gilt, gilt auch für Büro oder Labor: Es ist am besten, ein konkretes Problem aufzugreifen, an dem die Firma jetzt gerade arbeitet, und mit dem Kandidaten Schritt für Schritt seine Vorschläge durchzugehen.

 

4. Gehen Sie nicht allein ins Bewerbungsgespräch

Es ist eine Abwägung: Alleine findet man kaum die Person, die perfekt ins Unternehmen passt. Aber zu viele Personen bei einem Bewerbungsgespräch sind für die Kandidaten stressig und ineffizient. Auch hierzu bietet Egon-Zehnder-Experte Fernández-Aráoz eine Faustformel: Gehen Sie höchstens zu Dritt in ein Vorstellungsgespräch. Bei einem KMU heisst dies meist: der Leiter des Unternehmens und der direkte Vorgesetzte – und falls vorhanden noch der Personalverantwortliche.

 

5. Testen Sie das Engagement

Zwei Stunden sollten genügen, um bei einem Bewerbungsgespräch in die Tiefe zu gehen. Man kann sich im Vorfeld auch notieren, welche Züge des Kandidaten man am Ende geprüft haben sollte.

Immer sollten diese vier Punkte dabei sein: Neugier, Engagement, Entschlossenheit, Verständnis für Aufgabe und Firma. Denn diese vier Eigenschaften sind wichtige Voraussetzungen für die weitere Entwicklung. Eine Kernfrage hinter dem Bewerbungsgespräch ist nämlich auch: Kann der Kandidat später eine noch wichtigere Rolle in der Firma einnehmen? Kann er sogar Geschäftsleitungsaufgaben übernehmen?

Das Engagement und das Potential lässt sich oft mit einer bestimmten Frage testen: «Wie wird sich unsere Branche entwickeln?» Die Antworten darauf besagen meistens viel darüber, wie genau sich der Kandidat mit der Firma und der Branche auseinandergesetzt hat.

 

6. Fragen Sie nicht: «Was sind Ihre Schwächen?»

Warum auch immer: Diese Frage wird ständig gestellt in Bewerbungsverfahren. Experten raten davon ab – man sollte nicht die Zeit verschwenden mit Fragen, die Lügen provozieren und sowieso nur wenig ans Licht bringen. Und wie gesagt: Heute finden die Bewerber die gewünschten Antworten auf Allerweltsfragen zum Üben im Internet, zum Beispiel hier.

Allerdings finden sich auch unter den gängigen Jobinterview-Fragen einige, die durchaus etwas besagen über einen Kandidaten. Zum Beispiel: «Wo möchten Sie in fünf Jahren sein?» Allerdings: Auch dafür gibt es mittlerweile Online-Tipps.

Ein Grenzfall ist die Frage: «Warum möchten Sie in unserem Unternehmen arbeiten?» Einerseits erntet man hier einfach immer irgendwelche oberflächlichen Komplimente. Zugleich aber muss man klarmachen, wie die eigene Firma tickt, und die Antworten auf die erwähnte Frage geben hier einen Einblick.

 

7. Eine Frage, die Sie sich immer stellen müssen: Passt dieser Mensch in unsere Firma?

Während des Bewerbungsgesprächs muss man herauszufinden versuchen, ob einerseits das Arbeitsumfeld und andererseits die Orientierung des potenziellen Mitarbeiters zu einander passen.

Beispielsweise gibt es Unternehmen, denen die Unabhängigkeit des Einzelnen sehr wichtig ist – und es gibt Firmen, wo möglichst alles im Team geschieht. Solche Aspekte müssen am Ende aufeinander abgestimmt sein.

Am Ende des Bewerbungsverfahrens – auch als Arbeitgeber – geht es immer auch um eine wichtige Frage: Wäre dieser Kandidat glücklich bei uns?

 

8. Lassen Sie die Bewerber Fragen stellen

Und zwar möglichst offene Fragen über Ihr Unternehmen. Auch dieser Teil dient dazu, die erwähnten Eigenschaften wie Neugier, Engagement oder Verständnis für die Firma zu testen. Wer lediglich Allerweltsfragen stellt, die im Bereich dessen sind, was man sowieso schon über die Firma weiss, hat sich vielleicht nicht besonders gut vorbereitet. Wenn auf der anderen Seite jemand kritische Fragen stellt oder sogar den Finger auf einen wunden Punkt legt, dann kann dies sehr positiv sein. 

 

9. Verkaufen Sie die Firma

John Sullivan rät zu einem zweiteiligen Verfahren: Erst informiert man sich über den Kandidaten – und dann stellt man das Unternehmen vor. In dieser Reihenfolge.

Je besser sich ein Kandidat gemacht hat, je interessanter er erscheint, desto wichtiger wird es, dann im zweiten Teil seinerseits ein gutes Licht auf die Stelle und die Firma zu werfen. Eine Möglichkeit dabei ist auch der Vorschlag, dass der Kandidat andere Mitglieder des künftigen Teams treffen kann.

 

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