Strategie

Weshalb ein KMU eine Vision braucht

Um eine strategische Richtung zu verfolgen, braucht jede Firma ein Ziel – oder eben eine Vision. Doch wie findet ein KMU nun diese?

In meinem ersten Beitrag auf dieser Plattform habe ich ausgeführt, dass auch KMUs – wollen sie langfristig und nachhaltig erfolgreich agieren – eine Strategie entwickeln und konsequent verfolgen müssen («Braucht ein KMU überhaupt eine Strategie?»). Da die Strategie selbst aber nur den Weg zum gewünschten Erfolg beschreibt, muss vorgängig zwingend das Ziel definiert werden. Wohin soll die Reise langfristig gehen, welche «grossen» Ziele will der Unternehmer mit seiner Firma erreichen? Zu diesem Zweck muss eine Vision erschaffen werden.

 

Was ist eine Unternehmensvision?

«Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen» meinte einst der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt. Er lag falsch! Die Praxis und alle Erfahrungen zeigen, «was der Mensch sich nicht vorstellen kann, kann er auch nicht erreichen». Ganz besonders gilt dies für Unternehmerinnen und Unternehmer, die ja in aller Regel Ihr Unternehmen mit einer «grossen Idee» im Hinterkopf gründen und damit ihren Beitrag zu einer besseren Welt für ihre Kunden leisten möchten.

Eine wirksame und gelebte Vision erschöpft sich aber nicht in einem coolen Marketing-Spruch à la «we shape the future», sondern zeichnet ein klares Bild der Zukunft des Unternehmens. In diesem Sinne eignet sich der Begriff «Zukunftsbild» wesentlich besser als Beschreibung der Vision. Eine gute Vision nimmt ein ganz bestimmtes Datum in der weiteren Zukunft ins Visier und beschreibt ausführlich, konkret und emotional bewegend den Zustand des KMU an diesem Tag. Die Unternehmer, die Mitarbeiter, die Kunden und alle anderen am Unternehmen interessierten Gruppen müssen sich in diesem Zukunftsbild wiederfinden.

Die Vision besteht dann im Ergebnis auch nicht bloss aus ein paar Worten oder zwei, drei Sätzen, sondern aus einem «Aufsatz», der sich durchaus über zwei bis drei Seiten erstrecken kann. Wer mit Buchstaben nicht so viel anfangen kann, lässt sich seine Vision anschliessend noch vom einem Profi in ein grosses Bild übersetzen.

 

Wozu braucht es eine Vision?

Kernaufgabe einer Vision ist natürlich die Festlegung auf zu erreichende strategische Ziele wie Image, Marktabdeckung, angestrebte Alleinstellung, aber auch Grösse und Finanzkraft. Zusätzlich vermittelt die Vision eine positive Zukunft und zeigt eine klare Entwicklungsrichtung, sie gibt den Dingen einen Sinn, der weit über das Materielle hinausgeht. Und sie hat – wenn gut gemacht – die Kraft, alle zu Höchstleistungen zu motivieren. Last but not least dient sie den Unternehmern und ihren Mitarbeitern jeden Tag als Leitlinie, an der auch alle operativen Massnahmen ausgerichtet werden können und sollen. Unternehmen mit einer klaren und intensiv gelebten Vision bleiben stärker fokussiert und konzentriert, verzetteln sich viel seltener und bringen ihre Ideen und Projekte wesentlich schneller und zielgerichteter in die Umsetzung.

 

Wie «findet» das Unternehmen seine Vision?

Nachdem jedes Unternehmen einzigartig ist, kann es auch keine Visionen «out of the box» oder aus dem Rezeptbuch geben. Das Zukunftsbild muss von jeder Unternehmerin und jedem Unternehmer – idealerweise zusammen mit dem ganzen Führungsteam – selbst entwickelt werden, so nach dem Motto «wer finden will, muss selbst suchen». In diesem Prozess müssen so entscheidende Fragen wie «in welchem Geschäft sind wir tätig und welchen zentralen Mehrwert erbringen wir für unsere Kunden?» oder «für welche Wunschkunden wollen wir welche Produkte und Dienstleistungen mit welchem Nutzen anbieten, und wie unterscheiden wir uns dabei von unseren Mitbewerbern?» beantwortet werden.

Selbstredend, dass dieser Prozess eine Weile dauert und, dass auch einiges an Zeit investiert werden muss. Zeit und Mühen allerdings, die sich mehrfach lohnen, bringt das Ergebnis doch der Firma eine klare, inspirierende und täglich motivierende Perspektive und als Ergebnis mehr Wachstum und höheren Profit bei deutlich geringerem Risiko.

 


Urs PrantlAutor:

Urs Prantl ist Spezialist für nachhaltige Zukunftsgestaltung und Inhaber der KMU Mentor GmbH. Seit Ende 2011 unterstützt er insbesondere IT-, Software- und Hightechfirmen und ihre Unternehmer bei ihrer strategischen Ausrichtung mit Hilfe einer Alleinstellungspositionierung. Davor arbeitete er über 20 Jahre als Softwareunternehmer im DACH-Raum.

 


 

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