Marc Brechtbühl, «Kaufleuten» Zürich

«Wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt zu finden»

Marc Brechtbühl ist ausgebildeter Betriebsökonom und Kulturmanager. Zusammen mit zwei Partnern ist er Mitinhaber der Restaurant Kaufleuten AG in Zürich. Im Interview erzählt er, wie er digitale Hilfsmittel in der Gastronomie einsetzt.

Wie stehen Sie dem Thema «Digital» in der Gastronomie gegenüber?

Marc Brechtbühl: Wir haben das Thema schon sehr lange auf dem Programm. Wir führen sehr viele Veranstaltungen durch. Die Event-Besucher buchen ihr Ticket online, auch die Tischreservationen für unser Restaurant verwalten wir digital.

 

Wie gestaltete sich der Übergang vom physischen Reservationsbuch und Telefonverkehr zur digitalen Lösung? Wie wurde das intern von den Mitarbeitern aufgenommen, und seit wann arbeiten Sie digital?

Wir waren vor acht Jahren der erste Kunde von Localina. Damals war es noch nicht Teil von Local.ch, sondern ein Start-up mit zwei Gründern. Die haben das Tool mit uns zusammen entwickelt. Wir hatten dieses Bedürfnis, da zum Teil über 1000 Personen unsere Konzerte besuchen und über unsere Online-Plattform Tickets reservieren. Wir nutzen diese Gelegenheit, um die Leute darauf hinzuweisen, dass sie auch online einen Tisch in unserem Restaurant reservieren können. Wir gehen davon aus, dass jemand, der online Tickets reserviert, auch gewillt ist, online einen Tisch zu buchen. Insofern konnten wir mit Localina ein Problem für uns lösen. Zusätzlich gab es andere positive Nebeneffekte. So können wir beispielsweise mit dem Tablet die ganzen Reservationen managen.

 

Wie steht es mit der Kommunikation mit den Gästen über Social Media? Was sind da Ihre Erfahrungen?

Wir nutzen die Möglichkeiten sehr stark und sehen auch die Vorteile. Wir müssen aber aufpassen, dass wir nicht zu viel Energie für die digitale Welt aufwenden, da die Gastronomie ein Geschäft ist, dass primär auf der persönlichen Ebene stattfindet. Die Gefahr ist, dass man sich hinter den sozialen Netzwerken versteckt und den Kunden an der Front vergisst. Gerade die jungen Leute sind sehr affin zu Social Media, was auch gut ist. Aber man muss aufpassen, dass man den Gast als Menschen nicht vergisst. Der Weg geht bei uns teilweise schon fast wieder ein bisschen zurück, weg vom Digitalen, hin zur persönlichen Interaktion.

 

 

 

Wir waren vor acht Jahren der erste Kunde von Localina. Die haben das Tool zusammen mit uns entwickelt.

Marc Brechtbühl, Kaufleuten

 

 

 

 

Sie haben Ihre Philosophie im Bezug auf diesen Balanceakt bereits kurz angesprochen. Wie bringen Sie das Ihrem Team bei?

Wir haben über 200 Mitarbeiter, sind aber ein kleines Kernteam. Wir haben eine sehr intensive Kommunikation mit den Mitarbeitern und sind auch fast täglich daran, diese Themen zu bearbeiten, überdenken, Strategien zu entwickeln und Werkzeuge zu finden.

 

Gibt es auch Bereiche, die Sie als Herausforderung empfinden oder in dem Sie Schwierigkeiten sehen?

Entwicklungen in der digitalen Welt schreiten unglaublich schnell voran. Wichtig ist, dass man bei gewissen Entwicklungen nicht zu früh ist, aber dann auch den richtigen Moment findet, in dem man umstellen sollte. Ein Beispiel: das Bezahlen im Restaurant. Ich bin überzeugt, dass in ein paar Jahren nicht mehr mit Bargeld bezahlt wird, sondern nur noch mit einer App auf dem Handy. Das wird zu 100 Prozent kommen. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Restaurant, das einzuführen? Wenn man zu früh ist, fühlen sich die Gäste vielleicht vor den Kopf gestossen. Zu spät möchte man auch nicht sein, da man ja auch Geld verdienen kann, wenn man das so abwickeln kann. Ich glaube, das ist die grösste Schwierigkeit für uns, den richtigen Zeitpunkt zu finden.

 

Wie bleiben Sie à jour? Sie sprechen ja hier von Zukunftsthemen. Was sind Ihre Quellen, die Sie vielleicht auch anderen Gastronomen weiterempfehlen können?

Die Quellen bei uns sind sicher, dass wir ziemlich in der Mitte des Geschehens hier in Zürich sind. Wir haben sehr viele innovative Gastronomen um uns herum, die wir beobachten können. Wir sehen sehr schnell, wenn jemand etwas ändert. Wir haben viele Brachenvergleiche, es gibt viele ähnliche Betriebe, die wir beobachten. Als Beispiel ist für uns ein Festival sehr interessant. Vor ein paar Wochen war das Zürich Openair, und die hatten ein Cashless-System. Dann beobachten wir das und wägen Vor- und Nachteile ab und überlegen, wie wir das auch für ein Restaurant umsetzen könnten. Natürlich informieren wir uns auch mit Fachliteratur und Vorträgen.

Jetzt lesen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.