Gemeinde Balsthal
6 min

Der lange Weg zu schnellem Internet

Heidi Hertig von der Bau-Trocknung-Service BTS AG und der Finanzverwalter Rudolf Dettling aus Balsthal warten sehnlichst auf schnelles Internet. Darum kann der Ausbau durch die Swisscom für sie nicht schnell genug gehen. Warum der Ausbau 18 Monate dauert, Zielkonflikte in der Planung dazugehören und wer sich persönliche Vorteile verschaffen will.

Heidi Hertig-Käsermann, Bau-Trockung-Service BTS AG

Heidi Hertig-Käsermann nimmt seit dem frühen Morgen pausenlos Telefonanrufe entgegen. Gestern Abend zog ein heftiges Gewitter über den Kanton Solothurn und überschwemmte dutzende Gebäude. Die 20 neuen Schadensmeldungen erfassen sie und ihre Kollegin in einem Kundensystem, teilweise mit Fotos der Schäden. «Unser System greift die Daten in unserer Filiale in Burgdorf ab. Wegen der langsamen Internetverbindung, ist das Arbeiten an einem Tag wie heute sehr mühsam. Ich verspreche mir sehr viel von der neuen Glasfaserleitung», sagt Heidi Hertig-Käsermann, die bei BTS, dem Spezialisten für Bautrocknung und Wassersanierung, in der Geschäftsleitung sitzt.

Ralf Gugelmann, Leiter Netzplanung und Realisierung bei Swisscom

Ein Blick zurück: Im Sommer 2017 rückte Balsthal bei Swisscom auf den Plan für den Glasfaserausbau. Die Gemeinde ist eine von 300 jedes Jahr, die von Swisscom mit schnellem Internet versorgt werden. «Wann welche Gemeinde an der Reihe ist, hängt zum Beispiel von der aktuell verfügbaren Bandbreite in der Gemeinde, von den Bedürfnissen der Kunden, von unseren Ressourcen, von der Beschaffenheit des bestehenden Netzes, der Marktsituation oder der Zusammenarbeit mit der Gemeinde ab», erklärt Ralf Gugelmann, Leiter Netzplanung und Realisierung bei Swisscom. Für ihn und sein Team bedeutet eine Gemeinde auszubauen etwa 18 Monate Arbeit, sechs Monate Planung und 12 Monate Bauzeit. Das heisst es dauert etwa bis Herbst 2018 bis Heidi Hertig-Käsermann schneller surfen kann. Bis Ende 2021 soll dann jede Schweizer Gemeinde mit Glasfasertechnologien ausgebaut sein.

Wie sieht der Untergrund aus?

Zuerst prüften Ralf Gugelmann und sein Team, ob es in den vorhandenen Rohren überhaupt noch Platz hat für eine zusätzliche Glasfaserleitung. Nur falls nicht, muss gebaut werden. «Unser Ziel ist es, die Kabel ohne zu Bauen in den Boden zu bekommen. Und wir schaffen bei unseren Baupartnern seit einiger Zeit Anreize, um mit neuer Technologie zu vermeiden, den Boden aufzureissen», so Ralf Gugelmann. Swisscom hat für die Verlegung von Glasfasern vor einigen Jahren beispielsweise einen Glasfaser-Roboter entwickelt, das ist ein Kabelaufsatz mit Kamera, Lampe sowie Gelenken und Drehfunktion, der in den Kabelrohren die Sachlage prüft. Damit lassen sich etwa 50 Prozent der Löcher vermeiden.

Bis die mehrwöchige Planungsphase abgeschlossen ist, wird es Ende 2017. Nun liegen Baupläne und eine Kostenrechnung vor: Rund 2,5 Millionen Franken wird der Glasfaserausbau in Balsthal die Swisscom kosten.

Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde

Rudolf Dettling
Rudolf Dettling, Leiter Finanzverwaltung Gemeinde Balsthal

Rudolf Dettling leitet in der Balsthaler Gemeindeverwaltung die Finanzabteilung und ist zuständig für Telefonie und IT. Der Glasfaserausbau der Swisscom ist für ihn überfällig. «Im Februar kam unter anderem Ralf Gugelmann vorbei und stellte dem Gemeinderat das Projekt vor», sagt Rudolf Dettling. Der Besuch sei für alle Seiten gut abgelaufen. «Der Gemeindebesuch ist für uns ein elementarer Teil im ganzen Ablauf, wir zeigen dort dem Gemeinderat auf warum, wie und wann wir ausbauen und versuchen im Dialog mit der Gemeinde zusammen Lösungen zu finden», so Ralf Gugelmann.

Ab Frühling 2018 wird in Balsthal endlich gebaut. Die Umsetzung übernimmt eine Tochterfirma der Swisscom, die Cablex. Das vervielfacht den Kreis der Ansprechpersonen. Zudem übernimmt das Projekt für die Realisierungsphase nun der Bauherrenvertreter. Dieser überprüft die Qualität, die Einhaltung aller Vorschriften und Auflagen, koordiniert die zahlreichen internen und externen Schnittstellen und ist die erste Ansprechstelle für die Baufirma. «Es ist gar nicht so einfach, alle Fäden zusammenzuhalten, schliesslich sitzen der Bauherrenvertreter in Chur, die Designer und ich in Olten und die Leute von Cablex sind sowieso meistens unterwegs», so Ralf Gugelmann. Mit einer agilen Aufgabenteilung und zweiwöchentlichen Meetings stellen sie die Kommunikation untereinander sicher.

Zielkonflikte in der Planung

Rudolf Dettling sitzt nicht nur in der Gemeindeverwaltung, sondern verwaltet in Balsthal auch ein Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen. Die Swisscom würde gerne eine Glasfaserleitung direkt in den Keller des Gebäudes legen, dafür muss er einen Vertrag unterzeichnen: «Für die Durchsicht des Vertrages wurden mir sechs Wochen Zeit eingeräumt. Bereits nach fünf Wochen kam ein Schreiben von Swisscom, darin stand, dass ich vermutlich kein Interesse an einem Breitband-Ausbau habe, da ich noch nicht reagiert hätte. Das hat mich wütend gemacht», so Dettling. Hier ist das Totalunternehmen in einem Dilemma. Denn es hat nur ein Jahr Zeit, die Gemeinde vollständig umzusetzen. «Wir verstehen den Brief als Erinnerung. Und wenn jeder Liegenschaftsbesitzer sechs Wochen Zeit braucht für die Unterschrift, verzieht das den gesamten Zeitplan und der Totalunternehmer kann den Ablauf nicht einhalten», erklärt Gugelmann.

Persönliche Vorteile herausholen

Überall im Dorf tauchen nun die weissen Bauzelte von Cablex auf. Und wie vielerorts in der Schweiz versuchen Bewohner oder Liegenschaftsbesitzer teilweise persönliche Vorteile für sich herauszuholen. «Die Mitarbeiter von Cablex werden ab und zu von Kunden auf der Strasse angesprochen, ob sie nicht einen Direktanschluss bekommen könnten», so Gugelmann. Oder Liegenschaftsbesitzer fordern utopische Summen von Swisscom, damit eine Leitung durch ihr Land gelegt werden darf. «In beiden Fällen versuchen wir in Gesprächen zu erklären, was wir tun, was möglich ist und meistens finden wir auch gute Lösungen für alle Beteiligten», stellt Ralf Gugelmann amüsiert klar.

Im Fall von Balsthal haben 95 Prozent der Liegenschaftsbesitzer die Verträge unterzeichnet, so auch Rudolf Dettling. Auch die nötigen Aufbruch-Bewilligungen für die Kanal- und Schachtarbeiten hat die Gemeinde sehr zügig erteilt. In einigen Fällen wurde die Zustimmung jedoch verweigert. Die Gemeinde will verhindern, dass Strassen aufgerissen werden, die kürzlich neu gemacht wurden. In einem anderen Fall hat ein Hausbesitzer die Bewilligung, eine Leitung durch seinen Garten zu legen, im Nachhinein zurückgezogen. In diesen Fällen sucht Cablex nach Alternativen, um die Kabel doch noch verlegen zu können. «Das braucht jedoch mehr Ressourcen und verzögert das Projekt», so Gugelmann.

Vermutlich werden auch im Herbst wieder Gewitter über die Region Solothurn ziehen. Bis im Oktober wird die Bau-Trocknung-Service BTS AG mit einer 500 Megabit- Internetleitung und zudem einem neuen Kundensystem ausgerüstet sein. «An einem Tag wie heute könnten wir so hoffentlich etwa eine Stunde Arbeit pro Tag sparen», so Heidi Hertig-Käsermann.

Interaktive Karte zum Netzausbau

Ab sofort zeigt Swisscom, wie der Ausbau des Glasfaser-Netzes in der Schweiz voranschreitet. Mit der interaktiven Netzausbau-Karte erfahren Interessierte, in welchen der 2 222 Schweizer Gemeinden das Netz ausgebaut wird, wo der Netzausbau geplant ist und wo bereits mehrheitlich Highspeed Internet von 80 Mbit/s bis zu 1 Gbit/s verfügbar ist.

Wie die Verfügbarkeit von Highspeed Internet an der konkreten Wohnadresse ist, kann wie bis anhin im Verfügbarkeits-Tool www.swisscom.ch/checker geprüft werden.

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Jetzt lesen