Überwachungskameras: Mit Mobilfunknetz-Verbindung und Multi Device einfach in Betrieb nehmen
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Was bei der privaten Videoüberwachung erlaubt ist (und was nicht)

Neuere Überwachungskameras verbinden sich übers Mobilfunknetz und ermöglichen eine Kontrolle auch an abgelegenen Orten. Das ist praktisch. Doch welche rechtlichen Vorgaben müssen dabei beachtet werden?

Private Überwachungskameras sind beliebt. Das sind 25 Mal mehr als im öffentlichen Raum. Wichtigster Grund: Sicherheit für Mensch, Tier und privaten Besitz. Allerdings bedingt eine Videoüberwachung, dass die Kamera ins Netz eingebunden wird. Das vereitelte bisher die Überwachung aller Bereiche, in denen weder eine Verbindung via Kabel (LAN) noch über WLAN möglich ist.

Das Problem lösen Überwachungskameras, die sich mit dem Mobilfunknetz verbinden. Sie funken ihre Daten drahtlos und werden zum Beispiel über die Multi Device-Option mit einer zusätzlichen SIM-Karte zum bestehenden Abo ins Netz gehievt. Ein zusätzliches Abo ist dadurch nicht nötig. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten.

Beispielsweise kann so nicht nur der hinterste Zipfel des grössten Grundstücks eingesehen werden, sondern auch die Fohlenbox im Stall, der Wohnwagen am Bodenseeufer, das an der Boje verankerte Schiff, der Jagdhochsitz im Wald, das eigene Gewächshaus, das Bienenhaus oder das private Maiensäss.

Ausprobiert: Überwachungskamera mit Mobilfunk-Anbindung

Wir haben die Netgear Arlo Go ausprobiert, eine Kamera mit Mobilfunk-Anschluss. Die Installation ist denkbar einfach: SIM-Karte, Speicherkarte und geladenen Akku einlegen, Arlo-App auf dem Smartphone installieren, Konto erstellen, Kamera einschalten, QR-Code auf dem Handy scannen – und schon kanns losgehen. Dank eines Gewindes für eine Befestigungsplatte oder ein Stativ lässt sich die Kamera flexibel montieren.

Die Arlo Go kann wahlweise Fotos schiessen oder Videos aufzeichnen. Auf Wunsch löst die Kamera zudem automatisch via Bewegungsmelder aus. Detektierte Bewegungen werden innert Sekunden aufs Handy gemeldet – selbst bei schwacher Netzabdeckung.

Überwachungskamera: Bilder werden via Mobilnetz aufs Smartphone übertragen
Die Bilder der Überwachungskamera lassen sich aus der Ferne auf dem Smartphone kontrollieren.

So sieht man sofort, was auf dem überwachten Gelände geschieht – und kann bei Bedarf per Knopfdruck Unbefugte über den Lautsprecher der Kamera darauf aufmerksam machen, dass sie sich auf Privatgelände befinden und dieses umgehend zu verlassen haben. So wissen die Personen, dass sie erkannt und gefilmt werden. Sehr gut: Die Kamera liefert am Tag und auch in der Nacht qualitativ gute, ausreichend scharfe Bilder. Zudem hält der Akku im wetterfesten Gehäuse je nach Nutzungsintensität locker eine Woche oder mehr durch.

Fazit: Wer ein nicht via LAN oder WLAN abgedecktes Areal überwachen will, erhält mit der Arlo Pro eine einfach zu bedienende, ausgereifte und puncto Einsatzzweck flexible Lösung zum angemessenen Preis. Mit der Multi-Device-Option lässt sich die Kamera zudem über ein bestehendes Mobilfunk-Abo ins Netz einbinden.

Videoüberwachung: Was ist erlaubt und was verboten?

Wichtig: Nimmt die Kamera bestimmte oder bestimmbare Personen auf, ist das Bundesgesetz über den Datenschutz (DGS) zu beachten – gleichgültig, ob die Bilder aufbewahrt werden oder nicht. Denn alleine schon das Filmen stellt einen Eingriff in die Privatsphäre aller erfassten Personen dar. Daher sind bei Installation und Betrieb der Kamera, aber auch beim Erfassen, Bekanntgeben, Anschauen oder Aufbewahren der Bilder einige Regeln zu berücksichtigen:

Rechtfertigung

  • Der Einsatz einer Videoüberwachung muss durch ein überwiegendes öffentliches oder privates Interesse (z.B. Sicherheit, Tiergesundheit) gerechtfertigt sein.

Verhältnis- und Zweckmässigkeit

  • Die Überwachung muss in vernünftigem Verhältnis zur Beeinträchtigung der Privatsphäre der gefilmten Personen stehen.
  • Es darf nur gefilmt werden, was zum angestrebten Zweck nötig ist (so wenig wie möglich).
  • Die Bilder dürfen nur zweckbestimmt verwendet werden.
  • Die Bilder sind zeitnah zu löschen (in der Regel nach 24 Stunden).
  • Es dürfen nur Personen Zugriff auf die Bilder haben, die diesen effektiv benötigen.

Merkblätter zur Videoüberwachung

Detaillierte Informationen zur Rechtslage beim Einsatz von Videokameras durch Private liefern die Merkblätter des Eidg. Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten:

Datenschutz

  • Die Überwachung ist auf die eigenen Örtlichkeiten (privates Grundstück/Gelände oder privat genutzte Bereiche von Mehrfamilienhäusern und Gärten, Garagen, Ställen etc.) zu beschränken.
  • Das Filmen fremder Grundstücke bedarf des Einverständnisses der Besitzer.
  • Der öffentliche Raum (z.B. Trottoir, Strasse) darf prinzipiell nicht gefilmt werden.
  • Aufzeichnungen müssen gegen unbefugten Zugriff geschützt werden und dürfen nur zwecks Anzeigeerstattung den Strafverfolgungsbehörden übergeben oder in anderen gesetzlich erlaubten Fällen (z.B. richterliche Anfrage) verwendet werden.

Transparenz und Information

  • Alle Personen, die das Aufnahmefeld der Kamera betreten, müssen vorgängig gut sichtbar informiert werden.
  • Werden Bilder in irgendeiner Weise gespeichert, muss zudem darüber informiert werden, bei wem das Auskunftsrecht geltend gemacht werden kann. Dieses steht allen Personen zu, die das Aufnahmefeld betreten haben.

 

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2 Kommentare zu “Was bei der privaten Videoüberwachung erlaubt ist (und was nicht)

  1. Guten Tag
    Mich interessieren hierzu zwei Punkte konkret: in unserer Nachbarschaft gibt es Kameras, welche „nur“ den privaten Rasen oder den Eingangsbereich überwachen. Wenn ich aber an die Spezifikationen denke (180 Grad Sicht zum Beispiel), denke ich dass hier weit mehr im Blickfeld ist. Wie sieht das hier aus? Und wie ist es mit Türvideoanlagen?
    Gruss, Martin

    1. Lieber Martin,
      Natürlich ist es möglich, dass mehr im Blickfeld ist, als der Gesetzgeber erlaubt, v.a. wenn extreme Weitwinkelobjektive zum Einsatz kommen. Im Zweifelsfall wende dich am besten an den Betreiber der Kamera und bitte ihn dir zuzeigen, was alles erkennbar ist(Recht auf Auskunft einfordern).
      Sollte mehr zu sehen sein als erlaubt, muss der Betreiber die Kamera anders positionieren oder Teile des Objektivs abdecken.
      Dasselbe gilt für Türvideoanlagen. Auch diese dürfen nur das private Gelände aufnehmen und Besucher müssen mit einem Schild informiert werden, dass sie gefilmt werden, wenn sie klingeln.
      Lieber Gruss, Laura – für die Redaktion

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