Das müssen Sie über «Work Smart» wissen
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Das müssen Sie über «Work Smart» wissen

Work-Smart-Initiative

Schon gegen 80 Unternehmen haben die Work-Smart-Charta unterzeichnet und bekennen sich dazu, flexibles ortsunabhängiges Arbeiten zu ermöglichen. Die Website der Work-Smart-Initiative gibt Auskunft.

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Urs Binder (Text), aktualisiert am 16. Februar 2018

Morgens in die Firma, über Mittag in die Kantine, abends nach Hause. So haben Arbeitnehmer mit Bürojob seit Jahrzehnten ihren Alltag verbracht. In den letzten Jahren lösen neue Arbeitsformen die fixen Bürostunden zunehmend ab. Viele Erwerbstätige, die in ihrem Beruf mit Informationen umgehen – so genannte Wissensarbeiter –, gehen ihren Aufgaben im Home Office nach, arbeiten unterwegs oder nutzen ein Gemeinschaftsbüro, neudeutsch «Coworking Space» genannt – ein Beispiel dafür ist der Impact Hub in Zürich. Zusammengefasst bezeichnet man diese neuen, orts- und zeitunabhängigen Arbeitsformen als «flexibles Arbeiten», «Flexwork», «mobiles Arbeiten» oder auch «Work Smart».

«Ein langer Arbeitsweg ist Zeitverschwendung.»Ein Smart Worker

Hohes Potenzial für smartes Arbeiten

Laut dem «Flexwork Survey 2016» der Fachhochschule Nordwestschweiz arbeitet ein Viertel der Erwerbstätigen in der Schweiz regelmässig mobil. Und sie tun es gerne, weil flexibles Arbeiten Autonomie ermöglicht und die Zufriedenheit steigert. Originalton eines Smart Workers: «Ich bin nicht mehr bereit, mich wegen der Arbeit auf einen Ort und eine Zeit einschränken zu lassen. Und ein langer Arbeitsweg ist Zeitverschwendung.»

 

Smart Worker verlassen oft ihr Büro und arbeiten unterwegs, zuhause oder im Coworking-Space. Bild: iStock.com/andresr

Fast ein Drittel der Studienteilnehmer möchte eigentlich öfter flexibel arbeiten – aber der Job oder der Arbeitgeber erlauben es ihnen nicht, oder es fehlt die technische Unterstützung. Denn nicht alle Firmen und nicht alle Chefs sind gewillt, ihren Mitarbeitenden etwas anderes anzubieten als den klassischen «9-to-5»-Arbeitstag.

Einige der grössten Schweizer Unternehmen, darunter die SBB, die Post, die Mobiliar und Swisscom, haben deshalb die «Work Smart Initiative» ins Leben gerufen. Ziel ist, die flexiblen Arbeitsformen in der Schweizer Wirtschaft zu fördern und die Unternehmen dabei zu begleiten. Dabei soll die «Work Smart Charta» helfen – bis heute haben sie 149 Unternehmen unterzeichnet.

Gemäss Umfrage hat fast die Hälfte der Erwerbstätigen keine Möglichkeit, mobil zu arbeiten. Quelle:
FlexWork Survey 2016, Hochschule für Angewandte Psychologie, FHNW.

Das Potenzial wäre da. Laut der Studie «Der Arbeitsplatz der Zukunft» von Deloitte könnte die Hälfte aller Schweizer Beschäftigten ihre Arbeit mobil verrichten. Denn in der Schweizer Wirtschaft ist der Dienstleistungssektor mit 75 Prozent der Beschäftigten besonders ausgeprägt, und viele dienstleistungsorientierte Tätigkeiten benötigen nicht zwingend eine Präsenz am Firmenstandort. Beim Anteil wissensintensiver Tätigkeiten, die sich bestens für Flexwork eignen, liegt die Schweiz mit 43 Prozent auf den Spitzenplätzen – der EU-Durchschnitt liegt bei 36 Prozent. Laut Deloitte wird dieser Anteil künftig weiter steigen.

Technik muss sein

Flexibles Arbeiten funktioniert nicht ohne Technik. Angefangen hat alles 1999 mit dem Blackberry: Zum ersten Mal war es möglich, unterwegs automatisch E-Mails zu empfangen, zu bearbeiten und Termine zu koordinieren. Um 2009 kamen dann die ersten «Unified Collaboration and Communication»-Lösungen hinzu (UCC). Dienste wie Skype for Business ermöglichen Instant Messaging à la Whatsapp, Videokonferenzen ohne umfangreiche Spezialhardware, Screensharing zum gemeinsamen Arbeiten am Computer und mehr.

Oft genügt schon eine minimale technische Ausrüstung, um unterwegs arbeiten zu können.
Cloud-Datenablagen wie Sharepoint, Dropbox oder Storebox von Swisscom erleichtern den Dokumentenaustausch. Starke Mobilfunknetze und schnelle Internetanschlüsse via DSL oder Glasfaser bilden die Basis für das Arbeiten unterwegs und im Home Office.

Im Home Office etwa wird man nicht ständig von Kollegen gestört, dafür spielen die Kinder gleich nebenan, oder der Hund will Aufmerksamkeit.

Firmenkultur und Selbstorganisation

Nicht weniger wichtig als die technischen Voraussetzungen sind die organisatorischen Auswirkungen, sowohl beim Arbeitgeber als auch beim Smart Worker selbst. Flexible Arbeitsformen basieren auf Vertrauen und erfordern einen Wandel der Firmenkultur – der Vorgesetzte kann die Mitarbeitenden weniger gut kontrollieren.

Die FlexWork-Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigt unter anderem, dass in der öffentlichen Verwaltung im Vergleich zu den grossen Schweizer Unternehmen vermehrt ortsgebunden gearbeitet wird. Flexibles und ortsunabhängiges Arbeiten kommt dort praktisch nicht zum Zug. Grafik: Hochschule für Angewandte Psychologie, FHNW.
Die Smart Worker ihrerseits müssen mit der Freiheit umgehen können. Es ist nicht jedem gegeben, selbstständig zu arbeiten und sich effizient zu organisieren. Dazu kommen Einflüsse der Umgebung: Im Home Office etwa wird man nicht ständig von Kollegen gestört, dafür spielen die Kinder gleich nebenan, oder der Hund will Aufmerksamkeit.

Die Praxis zeigt jedoch, dass eher die Gefahr besteht, zu viel als zu wenig zu arbeiten. Die Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit lässt sich mit klaren Regeln erleichtern – zum Beispiel, niemals am Sonntag oder nicht nach 20 Uhr zu arbeiten. So verhindert man, sich zu verzetteln und womöglich das Gefühl zu bekommen, das Leben bestehe nur noch aus Arbeit.

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5 Kommentare zu “Das müssen Sie über «Work Smart» wissen

  1. “ Im Home Office etwa wird man nicht ständig von Kollegen gestört, dafür spielen die Kinder gleich nebenan, oder der Hund will Aufmerksamkeit.“
    Diese Aussage finde ich erstaunlich. Das heisst, das die Kollegen im Büro lästige Störenfriede sind, also negativ dargestellt werden. Die spielenden Kinder und der Hund dürfen aber ablenken, das ist OK ? Das sehe ich überhaupt nicht so. Meine Kollegen „stören nicht ständig“, im Gegenteil, meine Kollegen im Büro sind für mich wertvoll in Bezug auf meine Arbeit. Und Home Office verbunden mit Kinder ( und Hunde ) hüten passt gar nicht zusammen.

    1. Hallo Roger
      In dem Abschnitt geht es um störende Einflüsse.
      In einem Grossraumbüro, wie es in den meisten Swisscom-Standorten vorkommt, existieren Umgebungsgeräusche durch Gespräche rund um einen rum oder auch durch vorbeilaufende Kollegen, klingelnde Telefone, usw..
      Zuhause sind es halt Geräusche von spielenden Kindern oder Hundegebell. Das heisst nicht, dass man zuhause während des Home Office Kinder hütet. Das Home Office so nicht funktioniert, sollte eigentlich jedem klar sein.
      Es geht darum, sich zuhause entsprechend zu organisieren, um störende Einflüsse weitestgehendst zu unterbinden.
      Bei mir ist es beispielsweise so, dass ich ein Zimmer für Home Office reserviert habe. Die Türe wird entsprechend geschlossen und somit habe ich mein persönliches Einzelbüro. Die Kinder spielen draussen und betreut werden sie von ihrer Mutter. Die ist nämlich auch noch da. 😉

  2. Mit Sicherheit kann nicht im Homeoffice gearbeitet werden, wenn gleichzeitig Kinder beaufsichtigt werden müssen. Ein gut erzogener Hund hingegen stört nicht. Nette Kollegen im Grossraumbüro stören überhaupt nicht, im Gegenteil!
    Im Homeoffice zu arbeiten hat einen riesen Nachteil: Man kommt kaum mehr aus dem Haus, weniger Kontakt mit Mitmenschen sowie weniger Abwechslung.
    Ich würde gerne im Homeoffice arbeiten respektive arbeite bereits im Homeoffice. Allerdings ist es nur ein Nebenjob; leben kann ich nicht davon – es hat kaum Homeofficejobs in der CH – es hat scheinbar für mich Ü50 überhaupt keinen Job mehr. In ein stures Stellenprofil passe ich nicht hinein…

  3. Habe Home Office jahrelang mit „Kind und Kegel“ praktiziert. Ein Horror! Die sozialen Medien können keine realen Bürokollegen ersetzen und man ist ständig – auch in der Freizeit – belastet, denn man/frau könnte ständig noch mehr…

  4. „Ständige“ Unterbrechungen im Arbeitsfluss können nicht nur die Effektivität sonder auch die Zufriedenheit mit der Arbeit reduzieren und somit auch einen negativen Effekt auf das Wohlbefinden (Gesundheit) haben. Ob die Unterbrechung von ArbeitskollegInnen, Kindern oder dem Aufflackern des Sie-haben-eine-neue-E – Mail – Symbols kommt ist u.U. nicht mal so entscheidend. Gleichzeitig sind soziale Kontakte sowie Informationsaustausch wichtig und eine Bereicherung. Familie und Berufstätigkeit zu kombinieren kann sehr wertvoll sein. Wir müssen jedoch lernen, mit solchen Situationen gut um zu gehen. Kinder lernen mit der Zeit ebenfalls, dass es Momente gibt, bei Mami und/oder Papi zu Hause arbeiten und etwas Ruhe benötigen wenn es nicht gerade dringend ist. Sie lernen so Selbständigkeit und haben doch Zugang zur wichtigsten Bezugsperson wenn es sie braucht. Dass, Heimarbeit nicht für alle Menschen und nicht über alle Phasen des Lebens die richtige Lösung ist, scheint auch klar. Doch viele Berufstätige und v.a. viele Organisationen würden sehr von ihr oder anderen flexiblen Varianten profitieren.

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