Abwehr gegen Werbeanrufe
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Abwehr gegen Werbeanrufe

Callfilter

Der Callfilter von Swisscom blockiert unerwünschte Werbeanrufe und Anrufe mit unterdrückter Nummer. Der Filter kann mit bis zu 200 Nummern individuell ergänzt werden. Eine detaillierte Anleitung finden Sie auf der Callfilter-Hilfeseite

Roger Baur (Text), 30. November 2016

Der November ist ein Saucheib. Er nervt fast täglich – und das aus lukrativem Grund. Denn der anstehende jährliche Kündigungstermin für die Grundversicherung der Krankenkasse lässt Telefonverkäufer zur Höchstform auflaufen. Bis jetzt. Denn die Chancen stehen gut, dass diese Anrufe schon bald ins Leere laufen.

Denn seit dem 28. November bietet Swisscom mit dem Callfilter einen Spam-Filter fürs Festnetztelefon an. Dieser sortiert unerwünschte Anrufer aus, noch bevor es zu Hause klingelt. Aber auch für die Kunden anderer Anbieter und für Smartphone-Kunden gibt es Lösungen. Grundsätzlich lassen sich die Abwehrmassnahmen in drei Gruppen einteilen: automatische Systeme, manuelle Systeme und Vorsichtsmassnahmen.

 

Automatische Systeme

Sie sind bequem und zuverlässig. Einmal aktiviert, filtern sie bis zu 99 % des Telefon-Spams aus.

Manuelle Systeme
Diese müssen vom Angerufenen selbst aktualisiert werden – sie werden von vielen Telefonverkäufern umgangen, indem sie häufig die Nummer wechseln.

Vorsichtsmassnahmen

Vorsichtsmassnahmen werden häufig unterschätzt. Denn nicht selten sind Kunden für den Telefon-Spam mitverantwortlich. So sammeln Verkäufer etwa Nummern über Wettbewerbe.

 

Lösungen fürs Festnetztelefon

1. Callfilter (automatisch, kostenlos)

Dieser vollautomatische Werbeanruf-Filter steht seit dem 28. November allen Swisscom-Kunden zur Verfügung und blockiert so gut wie alle Werbeanrufe, aber auch anonyme Telefonate und gefälschte Nummern. Swisscom-Kunden können ihn im elektronischen Kundencenter mit einem Klick aktivieren und zusätzlich bis zu 200 weitere Nummern für den eigenen Anschluss blockieren.

Werbeanruf: «Dank unseren exklusiven Verträgen mit Krankenkassen sparen Sie bis zu 50 % auf Ihrer Prämie.»Falsch: Rabatte in der Grundversicherung gibt’s in der Schweiz keine. Die auf der staatlichen Vergleichsseite www.priminfo.ch publizierten Prämien gelten ausnahmslos für alle. Rabatte sind nur auf Zusatzversicherungen möglich.

Egal, ob das eigene Grosi oder der Versicherungsvertreter – jede beliebige Nummer kann zusätzlich für sich selbst blockiert werden. Eine ähnliche Lösung wie den Callfilter von Swisscom bieten auch die Anbieter Net+ und VTX – ebenfalls kostenlos und ohne zusätzliches Equipment.

Voraussetzung ist ein moderner, IP-basierter Telefonanschluss. Wer noch über einen alten Anschluss verfügt, kann kostenlos auf das neue System wechseln.

2. Stopdas (automatisch, Kosten: einmalig 69 bis 89 Franken, plus jährlich 60 Franken)

Die Box von Stopdas blockiert Werbeanrufe und individuell gespeicherte Telefonnummern.

Der Anbieter kombiniert ebenfalls die automatische Blockade von Werbeanrufen mit der Möglichkeit, weitere Nummern individuell auszusperren. Technisch arbeitet Stopdas mit einem kleinen Kästchen, das mit dem Telefonapparat verbunden wird. Das Unternehmen bietet auch eine App für Android-Smartphones an – diese sperrt aber nur manuell hinzugefügte Nummern aus.

3. Callblocker (manuell, Kosten: einmalig 69.90 Franken)

Callblocker sperrt Telefonnummern, die auf die schwarze Liste gesetzt werden.

Callblocker ist ein kleines Kästchen, das bis zu 1500 Nummern blockieren kann. Allerdings müssen sie vorgängig programmiert werden. Dies geschieht entweder etwas mühsam durch eine manuelle Eingabe – oder jedes Mal, wenn ein Werbeanruf eingeht. Dann nämlich kann der Nutzer diese Nummer sogleich für ein nächstes Mal blockieren lassen.

4. Blackisting im Festnetz-Telefon (manuell, integriert in im Telefonapparat)

Einzelne Festnetz-Telefonmodelle verfügen über eine sogenannte Blacklisting-Funktion. Dort speichert der Kunde manuell ihm bekannte Nummern, die fortan abgewiesen werden. Meist ist die Zahl der Nummern stark begrenzt und zudem nur auf diesen einzelnen Apparat beschränkt.

5. Blacklisting bei Fritzbox (manuell, integriert)

Der Internet-Router Fritzbox ermöglicht es seinen Nutzern, eine Blacklist sämtlicher unerwünschter Telefonnummern zu führen. Das bedingt einerseits ein manuelles Nachführen und andererseits den Einsatz der Fritzbox für die Festnetztelefonie. Das wiederum bedingt technische Kenntnisse und einen Provider, der den Einsatz dieses Routers erlaubt.

Werbeanruf: «Guten Tag, wir sind von Swiss… (Rest unverständlich). Wollen Sie als Swisscom-Kunde sparen?»Vorsicht: Wer dem Vertrag zustimmt, wechselt den Telefonanbieter. In Realität haben heute viele Kunden bereits sämtliche Gespräche inkludiert. Selbst reine Telefonkunden von Swisscom können Flatrates buchen.

Lösungen fürs Smartphone

1. Apps sperren Anrufe (manuell, kostenlos)

Über das Betriebssystem (bei iOS: «Kontakt sperren») oder Drittanbieter-Apps (bei Android) wie beispielsweise Stopdas oder Calls Blacklist lassen sich nervende Nummern sperren. Frei nach dem Motto: «Einmal und nie wieder» können etwa iPhone-Nutzer über das Info-Zeichen neben der Nummer sofort den Kontakt sperren.

Die Apps Calls Blacklist und Stopdas filtern unerwünschte Anrufe auf Android-Smartphones.

Die Apps von Local.ch und Search.ch – die zum gleichen Unternehmen gehören – verfügen über einen automatischen Spam-Filter. Dieser ist der Lage, einen grossen Teil der Werbeanrufe zu blockieren. Und das auch, wenn der Absender versucht, eine Spam-Message beziehungsweise eine Spam-SMS zu übermitteln.

Beispiel Local.ch bei iOS: Um den Dienst zu nutzen, muss die App installiert sein und die Erlaubnis aktiviert werden, auf die Telefonfunktionen zugreifen zu dürfen. Dies geschieht innerhalb der App unter dem Menupunkt «mehr» und «Telefonmarketing erkennen». Nun speichert die App die ihr bekannten Spam-Nummern und sperrt sie für Anrufe. Bereits nutzen über eine Viertelmillion Schweizerinnen und Schweizer diesen Dienst.

2. Schwarze Liste von der Community: Tellows-App (automatisch, Kosten: einmalig 3 Franken)

Die Apps Tellows Anruferkennung und Truecaller unterdrücken Werbeanrufe automatisch, Truecaller identifiziert zudem die Anrufer mittels Telefonverzeichnis.
Eine öffentliche Community füttert die Tellows-App laufend mit neuen Nummern, die dann nach der Installation automatisch ausgefiltert werden. Ein ähnliches Ziel verfolgt die kostenlose Schweizer App Stalktel, die allerdings erst seit Kurzem auf dem Markt ist und zu der, im Gegensatz zu Tellows, erst wenige Erfahrungsberichte vorliegen.

3. Filtern und erkennen: Truecaller-App (automatisch, Kosten: monatlich 2 Franken)

Das Ziel der Truecaller-App ist nicht nur das Unterdrücken von Werbeanrufen, sondern auch das Identifizieren von Absendern. Ist eine Nummer nicht im Telefonbuch verzeichnet, sucht sie noch während des Anrufs die eigene Datenbank mit angeblich mehreren Milliarden Einträgen ab. Diese Datenbank wiederum speist sich aus Einträgen von Nutzern aus der ganzen Welt.

Eigene Vorsichtsmassnahmen

1. Stern-Eintrag (kostenlos)

Dieser Eintrag im Telefonbuch heisst nichts anderes als: «Bitte keine Werbung». Mehr noch: Werbeanrufe auf einen so gekennzeichneten Beitrag sind seit knapp fünf Jahren sogar verboten. Zumindest seriöse Anbieter halten sich daran.

Der Eintrag lässt sich unter Local.ch aktualisieren: Nummer eingeben, nach der Aufforderung auf «ändern» klicken, «keine Werbung» anwählen.

Werbeanruf: «Unsere Vitamin-C-Kur ist lebenswichtig. Wussten Sie, dass man ohne Vitamin C sogar sterben kann?»Lächerlich: Ein lebensbedrohlicher Vitamin-C-Mangel ist in Industrieländern beinahe unmöglich herbeizuführen. Die angebotenen Kuren beruhen nicht selten auf völlig veralteten medizinischen Erkenntnissen und sind zudem völlig überteuert.

2. Nicht zu schnell «Ja» sagen

Will eine App ihre eigenen Kontaktdaten oder sogar ihr ganzes Adressbuch verwenden, dann verweigern Sie ihr im Zweifelsfall den Zugriff. Denn die auf diese Weise entnommenen Daten könnten weiterverkauft oder publiziert werden – was garantierten Spam jeglicher Art zur Folge hat.

3. Wettbewerbe, Gutscheine, Gratisproben: Nicht zu viel verraten

Gewinnspiele und vermeintliche Geschenke dienen oft einem einzigen Zweck: an Ihre Daten heranzukommen. Seriöse Anbieter nutzen diese nur für sich selbst, andere verkaufen sie weiter. Besonders begehrt sind Daten, die gar nicht so leicht zu erhalten sind: etwa Ihre Lebensumstände, Ihre Pläne, Ihre Ausbildungen.

Doch sie können die Weitergabe der Informationen verhindern – denn sie werden nicht selten explizit um ihre Zustimmung zur Weitergabe der Daten gebeten. Verweigern sie diese ruhig, denn auf ihre Gewinnchancen wirkt sich das nicht aus. Oder noch besser: Nehmen Sie nur an Wettbewerben und Angeboten von seriösen Anbietern teil. Denn die versprechen meist genau das Gegenteil – nämlich, dass sie die Daten nicht weitergeben.

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