Das erste Handy für mein Kind
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Das erste Handy für mein Kind

Eltern, Smartphones und ihre Kinder

Eltern reagieren beim Thema Kinder und Smartphones sehr unterschiedlich: Daniel F. sind Regeln wichtig, Maura S. prüft Apps, bevor ihre Kinder sie installieren dürfen und Erich W. hat zusammen mit seinen Kindern Regeln erstellt. Wie gut das funktioniert, erzählen sie im Interview.

Michael In Albon (Text), aktualisiert 11. Dezember 2017

Nein, nicht unbedingt. Es kann auch ein altes Handy sein, das zu Hause ungenutzt herumliegt und noch nicht bei Mobile Aid abgegeben worden ist. Sogenannte Feature-Phones, also Geräte, mit denen man zwar mehr als telefonieren kann, die aber noch kein Smartphone sind, eignen sich besonders, wenn das Kind einfach nur erreichbar sein soll. Leider gibt es diese fast nicht mehr. Aber auch bei Smartphones können viele Funktionen gesperrt werden, was gerade bei kleineren Kindern noch funktioniert. Bei älteren Kindern funktionieren technische Sicherheitsmassnahmen aber oft nicht mehr, da sie schnell herausbekommen, wie sie die Sperren umgehen können.

Mit speziellen «Kindersicherungen» oder «Kindermodi» können Eltern ziemlich genau einstellen, worauf die Kinder Zugriff haben oder auch wie lange sie surfen dürfen. Viele Anbieter nutzen ihre technischen Möglichkeiten, um Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Erwachsenenunterhaltung zu verwehren. So kann man auch das Internet als Service komplett sperren. Allerdings funktionieren dann Apps wie etwa der SBB-Fahrplan, WhatsApp oder die Synchronisation des Familienkalenders nicht mehr. Informieren kann man sich in jedem Fachgeschäft, und auf Youtube findet man etliche Video-Tutorials für Android und iOS.

Kindermodi auf dem Handy

 

iOS: Unter «Einstellungen – Einschränkungen» können Eltern unter dem Schutz eines besonderen PIN-Codes bestimmte Apps und Inhalte sperren.

Android: Der Play-Store bietet ein Rating, ab wann Apps empfohlen sind. Auf diesem Betriebssystem sind zudem viele Filter-Apps verfügbar, die den Zugang zu jugendschutzrelevanten Inhalten blockieren. Nützlich für kleinere Kinder: Kids Mode. Mit dieser Funktion kann man auf dem Elternhandy einen Kinderbereich einrichten. Dort legt man nur die Apps ab, die das Kind nutzen darf, alles andere bleibt draussen. Möchte das Kind nun spielen, aktiviert man den Kids Mode und übergibt das Handy. Der Kids Mode kann nur verlassen werden, wenn man den Code kennt.

Vor dem Kauf sollten Eltern dem Kind erklären, wieso und zu welchem Zweck es ein Handy bekommt. Es sollte auch darauf aufmerksam gemacht werden, dass es Inhalte im Netz gibt, die nicht für Kinder geeignet sind. Vor allem aber müssen Kinder mit ihrem ersten Handy eng begleitet werden. Das Festlegen von Regeln ist dabei ein ganz wichtiger Punkt, denn es signalisiert dem Kind von Anfang an, dass es nicht einfach alles mit dem Gerät anstellen darf.

Mögliche Regeln:

 

1. Zeit limitieren: Das Handy darf den Kindern nicht den ganzen Tag zur Verfügung stehen.

2. Apps limitieren: Das Kind darf – auch wenn es sich um kostenlose handelt – keine Apps ohne Erlaubnis herunterladen.

3. Youtube-Umgang regeln: Gerade die Videos auf Youtube sind bei Kindern besonders beliebt, ist es doch ein Fernsehen light. Eltern sollten sich fragen: Darf mein Kind nur Geschichten hören oder auch Videos anschauen? Wenn ja, sollte es aber dennoch immer zuerst um Erlaubnis fragen müssen.

Unbedingt. Nur wenn Kinder sich an den Kosten beteiligen, lernen sie den Wert des Geräts kennen und Sorge zu ihm zu tragen. Sie lernen, ihren Konsum bewusster zu regeln, weil sie ja selber dafür bezahlen und sich das Guthaben nicht wie durch Zauberhand immer wieder auflädt.

Es gibt eine klare gesetzliche Vorschrift (StGB § 197), wonach Kindern und Jugendlichen pornografische und gewaltverherrlichende Inhalte vorenthalten werden müssen. Aber zu sagen: «Legal ist okay», reicht nicht. Es gibt auch gesetzlich erlaubte Inhalte, die nicht auf ein Kinderhandy gehören. Eltern können diese Frage auch gut mit ihren Kindern besprechen: Was findet das Kind heikel? Was die Eltern? Was finden beide gut? Wieso?

Kindgerechte Apps

  • Apps & Moritz: Diese Schweizer Seite empfiehlt kindgerechte Apps für Smartphone und Tablet. Die Apps sind nach Themen unterteilt in: Freizeit & Unterhaltung, Lesen & Lernen, Malen & Musizieren, Natur & Technik. Jede App wird ausführlich vorgestellt und auf einen Blick beurteilt.
  • Wonderkind: Das Team von Wonderkind entwickelt Apps, mit denen Kinder Dinge entdecken, immer wieder Neues finden und dabei lernen. Für jede App wird angegeben, ab welchem Alter sie empfehlenswert ist und für welche Geräte sie sich eignet. Zudem beschreiben die Macher jede App genau.

Eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Es kommt ganz auf die Reife des Kindes an und auf den Zweck, den das Gerät erfüllen soll. Ein eigenes Smartphone zum Gamen oder Youtuben macht auf Primarschulstufe wenig Sinn. Kinder in diesem Alter können ihr Konsumverhalten noch nicht wirklich steuern. Dient das Gerät jedoch dazu, dass das Kind erreichbar ist oder dass es auch mal mit den Eltern zusammen ins Internet einsteigt oder Fotos macht, kann das richtige Alter auch ab der Mittelstufe sein. Solange Kinder jedoch noch nicht sorgfältig mit einem solchen Gerät umzugehen wissen – zum Beispiel vergessen, es aufzuladen, oder sich nicht an die vereinbarten Spielregeln halten –, ist es vermutlich noch zu früh für ein eigenes Handy.

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3 Kommentare zu “Das erste Handy für mein Kind

  1. Für die Eltern erreichbar sein oder für den Einstieg ins Internet ist eine Sache. Wir haben bei unserer damals 12-jährigen gemerkt, dass sie ohne Handy aus dem sozialen Kontaktnetz fällt, wenn sich die anderen Kinder nur noch über Whatsapp unterhalten und verabreden. Das war unser Hauptgrund ihr dann eins zu geben.

  2. Ab der Oberstufe finde ich ein eigenes Handy sinnvoll. Mit der Auflage, dass man als Elternteil immer wieder einen Blick in die Chats usw. werfen darf (um die Kinder zu Schützen und ihnen allfällige Fehlverhalten aufzuzeigen) Auch sollte man offen über Gefahren von Sovial Media diskutieren, sich austauschen und selbst sich immer wieder informieren . Zudem muss das Handy in der Nacht aus dem Jugendzimmer oder der W-LAN wird ausgeschaltet. Das Thema Strahlung sollte man mit den Jugendlichen auch anschauen. Das Handy soll nicht auf dem Körper getragen werden. Ein Abo braucht es nicht! Es gibt günstige Prepaid Handys, wenn die Kids was teureres wollen, sollen sie selbst sparen (Anteile zum Geburtstag/Weihnachten wünschen usw.) Für die Aufladung sollte man pro Monat ca. 5.- zur Verfügung stellen (darf als Taschengeld Anteil deklariert werden).

    In der Unterstufe kann man ein Handy zur Verfügung stellen, wenn dir Kinder unterwegs sind z.B. Sport/ sonstige Hobbys. Auch sollte man den Jüngeren den Zugang kontrolliert zu Smartphone und Tablets gewähren, damit sie lernen damit umzugehen. Für dies sind keine eigene Geräte nötig.

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