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Der Beginn des ultraleichten Fernsehens

Léman Bleu und Swisscom

Swisscom hat den Genfer Lokalsender mit iPhones ausgestattet, die mit dem mobilen 3G- und 4G-Internetnetz verbunden sind. Léman Bleu kann dadurch unmittelbar Videos in den sozialen Netzwerken veröffentlichen oder live übertragen.

Workshop de vidéo mobile

Die Swisscom Academy bietet einen Kurs an, in dem gezeigt wird, wie man Filme zu 100 % mit dem iPhone aufnimmt.

Débora Rothenbühler (Text und Fotos), Laurent Seematter (Text), 27. September 2016

Im Bereich der audiovisuellen Medien dreht sich gerade der Wind. Mit Apps wie Periscope und MeerkatStreams oder Facebook Live kann bereits heute jeder live (oder zeitlich verzögert) mit dem Smartphone gemachte Aufnahmen veröffentlichen. Selbst Politiker und Künstler nutzen diese neuen Kanäle, um mit ihren Fans zu kommunizieren. Am 19. März 2016 verbreitete Bastian Baker live auf Facebook 30 Minuten seines Konzerts in Zürich.

Die Live-Übertragung immer in der Tasche

Laut Anne-Paule Martin, die für das Online-Angebot bei RTS verantwortlich ist, sind solche Apps auch fester Bestandteil der neuen Kanäle und werden vom Westschweizer Rundfunkanbieter für seine Auftritte in den sozialen Netzwerken genutzt: «Wir haben beispielsweise einen Besuch der RTS-Studios in Rio mit Massimo Lorenzi auf Facebook Live oder die Sendung Opération Lesbos mit dem Journalisten Laurent Burkhalter über Periscope angeboten».

«Es kommt vor, dass wir Reportagen ausschliesslich mit dem Smartphone drehen.»Bernard Rappaz, Chefredaktor des Nachrichtenbereichs bei RTS

Auch wenn es mittlerweile sehr einfach ist, live produzierte Bildaufnahmen auszustrahlen, besteht die Rolle der öffentlich-rechtlichen Sender gemäss Bernard Rappaz, Chefredaktor des Nachrichtenbereichs bei RTS, vor allem darin, auf Distanz zu gehen und die Nachrichtenlage zu entschlüsseln. Das hindert die Journalisten von RTS jedoch nicht daran, immer häufiger leichtes Equipment zu verwenden: «Es kommt vor, dass wir Reportagen ausschliesslich mit dem Smartphone drehen oder einzelne Elemente einer Reportage mit dem Smartphone erstellen und in Reportagen integrieren, die auf klassische Weise produziert wurden», fügt Bernard Rappaz hinzu.

Die Journalisten des Senders Léman Bleu werden mit ultraleichten audiovisuellen Geräten ausgestattet, wodurch sie extrem flexibel sind.

Léman Bleu setzt auf das iPhone

Der Genfer Lokalsender Léman Bleu hat beschlossen, noch einen Schritt weiterzugehen. Nach einem Pilotprojekt im Sommer 2015, bei dem die Reportagen des Fernsehjournals mit dem iPhone aufgenommen wurden, entschied der Direktor und Chefredaktor Laurent Keller, das Abenteuer weiterzuführen und ein Fernsehangebot zu lancieren, dessen Programme ausschliesslich mit Smartphones gefilmt werden. Dank dieser Innovation wurde Léman Bleu weltweit bekannt, nachdem sich Sender wie die BBC, Canal + oder NHK für sein neues, ultraleichtes Konzept interessierten.

Jeder Journalist von Léman Bleu ist mit einem Kit ausgestattet, das aus einem iPhone 6s, einem iRig-Mikrofonadapter, einem XLR-Mikrofon, einem Stativ, einer Shoulderpod-Halterung zur Bildstabilisierung, einer Lampe und einem Rucksack besteht. Dieses kleine Kit macht den einzelnen Reporter mobiler, denn er kann sich alleine, nur mit seinem Rucksack ausgerüstet, mit dem Velo oder den öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen.

Warum wird mit dem Smartphone gefilmt?

Da das iPhone klein ist, ermöglicht es eine immense Kreativität bei den Einstellungen und Drehorten. Dank dieser Technologie kann der Reporter in hohem Gras, im Wald oder in den Bergen filmen, ohne eine grosse Kamera dorthin transportieren zu müssen.

Der Journalist Denis Palma von Léman Bleu fängt mit seinem iPhone eine Szene ein.

Um die starke Nachfrage nach Informationen zu befriedigen, sind schnelle Reaktionen gefragt. Die Möglichkeiten, die das iPhone bietet, um live und direkt vor Ort ein kurzes Video in die sozialen Netzwerke zu posten, sind ein wichtiger Vorteil für das Konzept des mobilen Journalismus.

Und die Qualität?

Die Zuschauerzahlen von Léman Bleu steigen kontinuierlich, obwohl die Filmbeiträge mit dem iPhone 6s aufgenommen werden. Dank des hohen Tempos der technischen Innovationen können Smartphones bereits heute mit bis zu 4K filmen und Montagen können mithilfe einer einfachen App direkt auf dem Telefon oder – bei präziseren Arbeiten – auf dem Computer durchgeführt werden. Dadurch ist die Qualität garantiert.

Die Möglichkeiten, die das iPhone bietet, um live und direkt vor Ort ein kurzes Video in die sozialen Netzwerke zu posten, sind ein wichtiger Vorteil für das Konzept des mobilen Journalismus.

Und welche Nachteile hat das Ganze?

Einem Smartphone sind enge Grenzen gesetzt – insbesondere aufgrund seines Akkus, der sich beim Filmen schnell entlädt. Den Journalisten muss dieses Problem bewusst sein, damit sie ihren Tagesablauf entsprechend planen können. Ein weiterer Nachteil ist die schlechte Qualität des Zooms. Der Zoom des Smartphones hat erheblichen Einfluss auf die Bildqualität. Der Journalist muss also sehr nahe am Geschehen sein, was nicht immer einfach ist.

Das Live-Fernsehen der Zukunft

Was bisher viele Stunden Arbeit erforderte, wurde beim Filmfestival Locarno von einem Kamerateam in zehn Minuten realisiert. Swisscom Event & Media Solutions hat erfolgreich eine cloudbasierte Lösung für die TV-Liveübertragung getestet. Die drahtlosen Kameras waren direkt mit dem mobilen 4G-Netzwerk verbunden.

Diese neue Technologie, die ohne Übertragungswagen auskommt, beeindruckt die Fachleute aus der Branche und könnte die Arbeit der Fernsehsender schon bald revolutionieren.

Interessierte können sich an Video Solutions Architect Joffrey Haring wenden: Joffrey.Haring@swisscom.com.

Beim Filmfestival Locarno hat ein Team von Swisscom Event & Media Solutions erfolgreich eine cloudbasierte Lösung für die TV-Liveübertragung getestet. (Video: Swisscom)

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