Die Clans, Waffen und unsere Söhne
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Die Clans, Waffen und unsere Söhne

Aus der Faszination der Kinder und Jugendlichen für Games ergeben sich in Familien Diskussionen zu Spielzeit, Spielschluss, Hausaufgaben und Altersfreigaben. Immer wieder. Muss das sein? Ja, es muss.

Es gibt Tage, an denen man als Eltern denkt: Muss ich mir Sorgen machen? So ein Tag war heute für Sandra. Als sie ihren Söhnen, Lou (10) und Beni (11), dabei zuhörte, wie sie über Waffen, Wappen und Goldminen diskutierten und darüber, wie sie gegen andere Clans Krieg führten. Die beiden Jungs diskutierten aber nicht über die reale Welt, sie sprachen über ihr Lieblingsgame «Clash of Clans».

Ratgeber digitale Medien

«Kopfstark – enter», der Ratgeber digitale Medien, lässt tiefer ins Hirn von Jugendlichen blicken. 81 Prozent der 12- bis 13-jährigen Schweizer Jugendlichen gamen zumindest ab und zu. Dabei gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen – Jungs gamen viel eher als Mädchen und deutlich länger. Mehr zum Gamingverhalten Schweizer Jugendlicher liefert die JAMESfocus-Studie 2017.Gerade bei Jungs gibt es durchaus Phasen, in denen sie intensiv gamen. Sie sind deshalb nicht gleich onlinesüchtig, dazu braucht es mehr – machen Sie sich schlau zum Thema Gamesucht.

Sandra war beunruhigt: Würden ihre Kinder Realität und Fiktion immer mehr vermischen und schliesslich den Bezug zur Realität verlieren? Im Alltag streitet sie oft mit ihren Söhnen über Spielzeit, Spielschluss und Hausaufgaben. Dabei beschleicht sie das Gefühl, sie verstehe ihre Kinder nicht. Sie fühlt sich ohnmächtig und es missfällt ihr, immer wieder den «Schwarzen Peter» zu zücken, streng zu sein, Regeln durchzusetzen. Wenn es wieder und wieder Diskussionen darüber gibt, ab wann man die Spielzeit misst. Und wer nun wann genau mit Spielen begonnen hat.

Tipp 1: Gaming-Zeit

Für Kinder bis 12 Jahre: Zeitmesser

Werden Sie zum Zeitmesser; Ihr Kind gibt Ihnen Zeichen, wenn es das Spiel startet. Bei mehreren Kindern notieren Sie sich die unterschiedlichen Anfangszeiten und vermeiden so Diskussionen. Legen Sie zusammen verbindlich fest, dass die Zeit startet, wenn das Kind das Spiel startet.

Zeitrichtlinien:
bis 7 Jahre: 30 Minuten pro Tag

bis 9 Jahre: 45 Minuten pro Tag

bis 12 Jahre: 60 Minuten pro Tag

 

Für Kinder ab 12: Zeit-Regeln

Erstellen Sie gemeinsam Zeit-Regeln. Seien Sie konsequent und halten Sie sich daran. Seien Sie aber bereit, die Regeln immer wieder neu zu verhandeln – je nach Spiel, je nach Befinden Ihres Kindes. Das gehört zum Heranwachsen.

Regeln durchzusetzen ist aber wichtig. Vor allem, je mehr die Kinder in die Pubertät rutschen. Denn in der Pubertät wird das Gehirn von Teenagern komplett neu gebaut. Das Hirn durchläuft in der Jugend eine komplexe Entwicklung. Und Jugendliche sollten in dieser Zeit ihre Gehirne nicht überreizen. Soweit die Theorie. Dabei brauchen Teenager aber die Hilfe von Erwachsenen, da ihr Hirn im Umbau ist und die Selbstkontrolle sich erst bilden muss: Strategien zur Willenskraft und Selbstkontrolle müssen gelehrt werden, damit sie gelernt werden.

Tipp 2: Selbstkontrolle

Für Kinder bis 12 Jahre: Punkte verteilen in der realen Welt.
Spieler können von Punkten nicht genug bekommen. Setzen Sie den Mechanismus für sich ein, verteilen Sie Punkte. Etwa 2000 Punkte fürs pünktliche Erscheinen bei Tisch. Und für 50’000 Punkte gibt’s zur Belohnung auswärts essen mit der ganzen Familie.

Für Kinder ab 12: Aussteigen mit System
Richten Sie mit Ihrem Kind Erinnerungen in seiner elektronischen Agenda ein: zehn Minuten vor dem Essen, fünf Minuten davor, eine Minute davor.

Zu viele Bildschirme können Kindern und Jugendlichen die Grundbedingung für ein kreatives und selbstgesteuertes Leben rauben: Zeit für eigene Gedanken, Zeit für Langeweile, Zeit für sich selbst. Andererseits hat sich in den letzten zehn Jahren das Gehirn aber den Gegebenheiten angepasst – Jugendliche nehmen heute optische Eindrücke schneller wahr und reagieren sehr rasch darauf. Unter anderem auch, weil sie gamen. Dies erleichtert ihrem Gehirn die Arbeit und spart Energie. Einerseits. Andererseits braucht das Gehirn auch Erholung. Ruhepausen, in denen es sich selber überlassen ist. Solche Ruhepausen sind wichtig, um Gelerntes zu ordnen und neu zu organisieren.

Tipp 3: Ruhepausen

Für Kinder bis 12: Listen ermöglichen Abwechslung
Computergames fordern in der Regel höchste Konzentration und machen deshalb müde. Setzen Sie sich nach den Hausaufgaben mit Ihrem Kind zusammen und erstellen Sie eine Liste von anderen Beschäftigungen als Games, die Ihrem Kind helfen, abzuschalten.

Für Kinder ab 12: Wochenplan – kennsch?
Teilen Sie jeden Tag in 24 Boxen auf – für jede Stunde eine. Lassen Sie Ihr Kind die Boxen einfärben: Gelb bedeutet Schule und Hausaufgaben, blau Schlaf, rot Medienunterhaltung und grün Freizeit ohne Medien. Wie ausgewogen ist das Bild?

Gerade bei Games zeigt sich der Eltern-Kinder-Clash oft von seiner anstrengenden Seite. Und das ist gut so. Denn Erziehung bleibt Kommunikation, vor allem auch bei digitalen Medien, die in der Pubertät eine besondere Herausforderung darstellen. Wenn Teenager etwa der Altersfreigabe ein Exempel für ihr «Ich bin schon gross» statuieren wollen. Immerhin geben laut der JAMESfokus-Studie zwei Drittel der Schweizer Jugendlichen an, sich nicht an die Altersvorgaben für ihr Lieblingsgame zu halten. Statt dass der Generationenkonflikt eskaliert, helfen Gespräche. Ernsthafte, aber auch spielerische. Games lieben wir schliesslich alle.

Tipp 4: Gespräche

Tipp für Kinder ab 12: Tauschen Sie doch mal die Rollen
Sie argumentieren wieso Jugendliche Games spielen sollen, die nicht für ihr Alter freigegeben sind. Ihr Kind argumentiert, weshalb es die Altersfreigabe berücksichtigen sollte.

Tipp für Kinder bis 12: Diskutieren
Diskutieren Sie mit Ihren Kindern Sinn und Zweck der Altersfreigabe. Zeigen Sie Ihren Kindern dafür die Begründungen von PEGI (pegi.info).

 

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