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Die digitale Schweiz der Zukunft

Wie sieht die digitale Zukunft der Schweiz aus? Nichts weniger will die ETH Lausanne herausfinden. Von Infrastruktur über Start-ups bis zu Ausbildung wird die Schweiz…

Ergebnisse im Detail

Eine Kurzversion der EFPL-Studie gibt es bei SwisscomDie vollständige Studie «Die digitale Zukunft der Schweiz» in Englisch gibt es als PDF.

Hansjörg Honegger (Text), EPFL/Alain Herzog (Foto), 27. Mai 2016

Wie Start-up-freundlich ist die Schweiz?

  • Aus der Schweiz kommen mit Abstand die ältesten Firmengründer,  im Schnitt ist ein Startup-Gründer bei uns 39,8 Jahre alt.
  • Bei den 18- bis 24-jährigen Firmengründern belegt die Schweiz den zweitletzten Platz. Die Erklärung: Der Druck auf gut ausgebildete junge Menschen hierzulande ist viel weniger gross, ihr Glück in der Selbständigkeit suchen zu müssen.
  • In keinem anderen Land der Welt fürchten sich Start-up-Unternehmer weniger vor Misserfolg. Estland und Dänemark führen die Liste der Ängstlichen mit über 40 % an, die Schweiz liegt mit einem Wert von 29 % noch vor den USA an der Spitze der Mutigen.
  • In keinem anderen Land gehen weniger Start-ups Pleite. Der Grund dafür dürfte in der seriösen Arbeit der Firmengründer liegen. «Lieber mal etwas kleine Brötchen backen und dafür überleben», lautet das Motto. Die Vermeidung von Fehlern führt unter Umständen aber zu verpassten Chancen.
  • Wer kleine Brötchen bäckt, hat oft weniger durchschlagenden Erfolg. Schweizer Start-ups tun sich schwer damit, sich im Markt zu behaupten und gross herauszukommen. Unter den 5000 erfolgreichsten Start-ups Europas finden sich nur gerade acht Schweizer Unternehmen. Letzter Platz. Schweden und England führen die Liste mit je 500 Unternehmen an.
  • Schweizer Start-ups sind hinter jenen aus Singapur spitze, wenn es um die Ausrichtung auf internationale Märkte geht. Hier wird ein Wert von 31 erreicht. Im Vergleich dazu erreichen Start-ups in den USA nur einen Wert von 14,5.

 

Wo steht die Schweiz betreffend Innovation und Bildung?

  • Die Schweiz ist das innovativste Land der Welt vor England, Schweden und den USA.
  • Nur: Die Schweizer Wirtschaft tut sich schwer, diese Innovationskraft wirklich auf den Markt zu bringen. In dieser Disziplin belegt sie nur den 6. Platz, hinter den USA, England, Kanada und anderen.
  • Nur gerade Platz 50 belegt die Schweiz, wenn es um die Anzahl Ingenieure und Naturwissenschaftler geht. Allerdings muss diese Zahl mit Vorsicht genossen werden: Das duale System ermöglicht Innovation und Firmengründungen viel stärker als in anderen Ländern – auch abseits eines Studiums.

Wie nah sind sich Bürger und Staat?

  • In der Schweiz fühlen sich die Menschen den Mächtigen aus Wirtschaft und Politik näher als in den USA. 100 bedeutet einen sehr grossen Abstand, 1 bedeutet die völlige Gleichschaltung: Die Schweiz hat einen Wert von 34, die USA einen von 40. Die Gesellschaft ist in beiden Ländern entsprechend selbstbewusst gegenüber Staat und Wirtschaft.
  • Einen Spitzenplatz belegt die Schweiz beim Schutz von Eigentum – geistigem wie materiellem. Finnland führt diese Rangliste an, gefolgt von der Schweiz und England.
  • Schlimm ist die Situation im e-Government, also den Möglichkeiten, was die Bürger alles online erledigen können. Hier wurde die Schweiz in den letzten Jahren buchstäblich stehen gelassen und sank seit 2014 weltweit von Rang 32 auf Rang 64 ab. Allerdings, so hält der Bericht fest, hat die Verwaltung und das Parlament den Nachholbedarf erkannt und hat in den nächsten drei Jahren zahlreiche Initiativen aufgegleist, um die Situation zu verbessern. Führend in dieser Rangliste ist Frankreich.

Wie gut ist die Schweizer Infrastruktur?

  • Weltweit Spitze ist die Schweiz bei den Breitbandanschlüssen im Festnetz. Es gibt allerdings Länder wie Schweden oder England, die mehr Tempo bieten.
  • Beim mobilen Breitbandinternet kann sich die Schweiz nicht an der Spitze behaupten. Hier werden topographische und regulatorische Gründe angeführt. Im Klartext: zu viele Berge und strenge Strahlenschutzbestimmungen.

Wie ist die Befindlichkeit der Gesellschaft?

  • Im internationalen Vergleich erreicht in der Schweiz die Lebensqualität mit einem Wert von 9,9 (von 10) einen absoluten Spitzenwert. Nur die Dänen sind mit einer 10 noch einen Hauch zufriedener. Der direkte Vergleich von gesellschaftlichen Strömungen mit den USA bringt einige interessante Unterschiede hervor:
  • Individualität in Form von Selbstverantwortung für sich selbst und seine Angehörigen wird in beiden Ländern grossgeschrieben: Die Schweiz erreicht hier einen Wert von 68, die USA 91.
  • Untersucht wurde das Verhältnis der Gesellschaft mit Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Je tiefer hier der Wert ist, desto mehr konzentriert sich die Gesellschaft auf die Vergangenheit und tendiert dazu, diese Werte auch für die Zukunft anzuwenden. Ein höherer Wert zeigt einen eher pragmatischen Umgang mit traditionellen Werten an. Die Schweiz hat eine Wert von 74, die USA dagegen einen solchen von 26.

Fazit

Die Studienverfasser der ETH Lausanne stellen der Schweiz ein recht gutes Zeugnis aus, orten aber auch verschiedene Baustellen. Chancen für die digitale Zukunft sehen sie vor allem in der Finanzbranche, die sehr stark im Umbruch ist, und bei der gezielten Förderung von Start-ups. Auch als Standort für Datenzentren könne die Schweiz international durchaus punkten.

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