Gefälschtes iPhone: Gefährlich und nutzlos
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Gefälschtes iPhone: Gefährlich und nutzlos

Es fühlt sich an wie ein iPhone und sieht aus wie ein iPhone: Die äusserlich fast perfekte Fälschung aus China entpuppt sich aber bereits auf den zweiten Blick als wertloses Stück Elektroschrott. Und gefährlich ist es auch noch.

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Man kriegt es im Internet oder auch in Asien an jeder zweiten Ecke: Das iPhone X zu einem Spottpreis, zwischen 50 und 100 Dollar, scheinbar originalverpackt. Nur: Wo Apple draufsteht, ist nicht unbedingt Apple drin. Der äussere Schein kann durchaus noch mit dem Original mithalten: Die Verpackung sieht täuschend echt aus, sogar die IMEI-Gerätenummer korrespondiert mit (irgend-)einem iPhone X in Silber. Da die Fälschung nur einige Gramm leichter als das Original ist, fühlt es sich ziemlich hochwertig an. Sogar sämtliche Buttons sind da, wo sie sein sollen. In der Verpackung finden sich ein Lightning-to-USB-Kabel sowie täuschend echt aussehende Earpods. Soweit so überzeugend.

Spätestens bei einer etwas genaueren Kontrolle bröckelt aber bereits der Lack ab. So ist zum Beispiel das Rückpanel weniger verspiegelt und weiss und der Bildschirm nicht mehr sauber verklebt. Ausserdem fehlen die CE-Kennzeichnung und der Vermerk «Designed by Apple in California» auf dem Backpanel. Auch der «iPhone»-Schriftzug auf der Rückseite des Telefons ist nicht ganz so, wie er sein sollte: Die Buchstaben erscheinen schmaler und gedrungener als im Original. Offensichtlich ist auch die Typographie nicht ganz so einfach.

Shanzai-Banditen oder Innovatoren?

Das gefälschte iPhone X ist ein Produkt der chinesischen Shanzhai-Industrie, die vor keinen Markenprodukten Halt macht. Der Begriff «Shanzhai» steht für kopierte, imitierte und gefälschte Produkte – primär Tech-Gadgets. Shanzhai bedeutet, wörtlich übersetzt, «Bergfestung». Dies suggeriert nicht zuletzt einen gewissen Stolz auf die Fähigkeit, mit wenigen Ressourcen Produkte herstellen zu können, die den Originalen zum Verwechseln ähnlich sind. Robin Wu, ein Unternehmer, der seine Karriere mit der Produktion von Shanzhai-Gadgets gestartet hat und nun eine eigene Marke für Tech-Produkte besitzt, stellt fest: «Shanzhai ist eine Einstellung, die den Geist einer Graswurzelbewegung in sich trägt.»

Einige sprechen von Shanzhai-Banditen, die nicht zu eigenen Innovationen fähig sind. Andere wiederum loben die ausgefallenen Ideen und Erweiterungen bestehender Produkte als genauso Innovativ wie die Originale, die imitiert werden. Fakt ist, das Geschäft brummt.

Doch wer im Ausland ein solches Gerät kauft, muss mit einer kurzen Freude rechnen. Seit 2008 ist es verboten, gefälschte Produkte – und sei es nur für den Eigengebrauch – in die Schweiz zu importieren. So stellte die Schweizer Zollverwaltung 2017 mehr als 3452 Sendungen mit gefälschten Produkten sicher, von Medikamenten bis Smartphones. Drei Viertel der Fälschungen stammten aus China und Hongkong. Nicht eingerechnet in dieser Zahl ist an den Flughäfen konfiszierte Ware. In so einem Fall ist das Geld genauso weg wie das Gerät. Auch in China ist der Diebstahl geistigen Eigentums von Gesetzes wegen klar verboten. Die strikte Durchsetzung des Gesetzes stellt sich bis heute jedoch als schwierig heraus, floriert doch der Handel mit gefälschten Produkten nach wie vor: Pro Jahr soll ungefähr ein Zehntel aller verkauften Mobiltelefone gefälschte Ware sein. Geistiges Eigentum wird in der Shanzhai-Szene also eher wie Open Source Software behandelt: Jeder und jede hat Zugriff auf die Ideen anderer und kann diese nach Lust und Laune adaptieren, verbessern oder erweitern. Als etwa Alibaba, dem unter anderem auch der Online-Marktplatz AliExpress gehört, mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, Fälscher zu schützen und sogar zu fördern, konterte deren CEO Jack Ma mit der provokanten Aussage, Shanzhai-Hersteller würden halt bessere Produkte zu besseren Preisen herstellen.

Seit 2008 ist es verboten, gefälschte Produkte – und sei es nur für den Eigengebrauch – in die Schweiz zu importieren.

Nur: Oft ist genau dies ein leeres Versprechen. Das beweist unser Testgerät exemplarisch. Spätestens bei der Inbetriebnahme zeigt sich: das vermeintliche Smartphone ist alles andere als smart. Der berühmte iPhone X «Notch», die Display-Aussparung am oberen Rand, die beim Original Frontkamera und Sensoren beherbergt, besteht bei der Fälschung bloss aus schwarzen Pixeln. Verzögerte Reaktionen, leicht verschobene Schriftzüge und Apps, die schlicht nicht funktionieren, entlarven die Kopie als das, was sie wirklich ist: ein Haufen Elektroschrott, der sich als Smartphone tarnt.

Das FakePhone auf Herz und Nieren zu testen, Apps zu starten und Kontakt zu Online-Diensten aufzunehmen, darauf wurde nach einigem Recherchieren bewusst verzichtet, da der geforderte Login-Prozess zu riskant ist. Einem FakePhone seine Account-Infos und Passwörter anzuvertrauen ist nicht ratsam, wenn einem seine Privatsphäre und Sicherheit etwas bedeutet. Ein FakePhone ist im besten Fall nutzlos aber harmlos. Das Risiko ist jedoch beträchtlich, dass das Gerät auch Schaden anrichtet.

Mehr informationen, wie Sie Fälschungen entlarven können, finden sie auf der Webseite von Stop Piracy.

Ohne Stress aufs neue iPhone wechseln

Der Herbst ist da – und damit wie gewohnt auch die eine oder andere Neuerung aus dem Hause Apple. Die einen freuen sich seit Wochen. Für andere – nicht ganz so Technikbegeisterte – hat die Vorstellung, auf ein neues iPhone zu wechseln, grundsätzlich etwas Beklemmendes. Wie das trotzdem ganz entspannt klappt, verrät Marco Senft, Mitglied der Swisscom Community.

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