Der digitale Familienalltag beginnt am Frühstückstisch.
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Ein Tag im digitalen Leben von Familie S.

Mutter Susanne (45) berichtet vom ganz normalen digitalen Alltag in ihrer Familie.

Ich stehe als erste auf und decke für die Familie den Morgentisch. Das gemeinsame Morgenessen hat bei uns seinen festen Platz. Alle kommen zum Frühstück. Jeden Tag. Wenn auch nicht immer gleichzeitig. Aber zumindest sehe ich alle, bevor sie das Haus verlassen. Zum Ritual gehört auch: ein Blick auf unseren Wandkalender. Steht heute bei jemandem etwas Unübliches an? Nein, alles nach Plan.

Tipps zum Planen

Wandkalender Familie Alltagsplanung
Der Monat auf einen Blick und die Woche im Detail – Familie S. setzt auf einen Wandkalender.

Bis 12 Jahre

  • Sortieren Sie mit Ihrem Kind seine Aufgaben, damit es lernt, wie planen funktioniert.
  • Lassen Sie Ihr Kind Schritt für Schritt los.
  • Lassen Sie Ihre Kinder den Familienplaner führen – auf Papier oder digital. So wie es zu Ihrer Familie passt.

Ab 12 Jahren

  • Führen Sie Ihr Kind Schritt für Schritt an einen elektronischen Kalender heran: Wie erstellt man Termine? Wie richtet man die Erinnerungsfunktion ein? So lernt Ihr Kind, das Smartphone als Arbeitsinstrument zu gebrauchen.
  • Die Agenda von Teenagern ist manchmal sehr voll: Begleiten Sie Ihr Kind dabei, realistisch zu planen. In bewältigbaren Portionen und mit genügend Pausen.

Fabian (18) verlässt das Haus als erster und fährt zur Arbeit, heute ohne Kaffee – die Zeit war zu knapp. Raphael (16) ist der nächste. Heute Abend hat er Training, deshalb packt er sein Handy ein, an reinen Schultagen lässt er das lieber sein. Zuletzt verlassen die beiden Jüngsten das Haus – Katja (15) und Tobias (11). Mit Handy. Rolf (51) und ich bleiben noch kurz sitzen und trinken in Ruhe unseren Kaffee. Dann hat der Alltag auch uns. Rolf fährt ins Geschäft, ich bleibe noch etwas zu Hause – erledige dies und das und führe den Wandkalender nach. Ich ergänze einen Sonntagstermin für die ganze Familie. Und schickte dann einen Reminder in den Familienchat. Damit der Termin sicher nicht untergeht.

Tipps zum Familienchat

Familienchat für den digitalen Alltag.
Bildnachricht, die ohne Worte spricht: Tisch ist gedeckt, wo bleibst du?

Bis 12 Jahre

  • Erstellen Sie einen Familienchat, sobald Ihr Kind ein eigenes Smartphone besitzt. Zeigen Sie ihm, Schritt für Schritt, wie man eine Gruppe erstellt, wie man Mitglieder hinzufügt, wie man eine Gruppe verlässt oder löscht.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind auch, wie man Ansprache und Abschied formuliert, was sich gehört und was gar nicht geht. Der Familienchat ist ein guter Übungsplatz. So entwickelt Ihr Kind mit den ersten Schritten Medienkompetenz.

Ab 12 Jahren

  • Jugendliche sind oft schon sehr geübt im Versenden von Nachrichten – ob Text, Audio, Bilder oder Video. Allerdings können sie oft noch nicht abschätzen, was sich gehört und was nicht. Sprechen Sie mit Ihrem Teenager über die Grenzen dieser Kommunikationsform. Was kann man anderen zumuten? Welche Grenzen sollte man nicht überschreiten? Unter Freunden? In der Familie? Und halten Sie sich im Familienchat daran. Er ist ein gutes und sicheres Übungsfeld.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind, über welche Themen es sich nicht schriftlich in der Gruppe, sondern mündlich austauschen sollte. Auch in der Familie.

Mein Kanal, dein Kanal

Raphael hat sein Handy abgestellt. Wie immer. So schont er seinen Akku – sagt er. Tobias reagiert umgehend mit einem Daumenhoch und Katja antwortet mit einer Audionachricht – sie schreibt nicht gern. Heute stört mich das nicht. Anders, wenn ich in einer Sitzung bin und von meiner Tochter Sprachnachrichten erhalte – das schätze ich nicht sehr. Denn während einer Sitzung kann ich diese nicht abhören. Einen Text könnte ich lesen, so nebenbei.

Tipps zu den unterschiedlichen Kanälen

Smartphone im Familienalltag: Sprachnachricht.
Sprechen geht schneller als tippen, deshalb wohl sind Sprachnachrichten so beliebt.

Bis 12 Jahre

  • Führen Sie Ihr Kind spielerisch an die verschiedenen Kanäle heran: Text, Audio, Bild und Film. Wie es sich gerade ergibt.
  • Überlegen Sie sich zusammen: Was sind die Vor- und Nachteile von Text? Bildern? Hörtexten? Filmen? Das ist eine gute Vorbereitung.

Ab 12 Jahren

  • Entwickeln Sie gegenseitiges Verständnis: Wieso bevorzugt Ihr Kind Text? Audio? Bild? Video? Und was bevorzugen Sie? Wieso?
  • Mit allen Sinnen: Probieren Sie es im Familienchat aus. Nacheinander. Mit einer Textwoche, einer Bildwoche, einer Audiowoche und einer Videowoche.

Ich bin dann mal off

Den Rest des Tages verbringt die ganze Familie bei der Arbeit oder in der Schule. Es scheint bei allen ein intensiver Tag zu sein, unser Familienchat bleibt stumm. Gegen Abend kehre ich aus dem Geschäft heim. Die beiden Jüngsten sind schon zu Hause. Zusammen suchen sie sich das Menü für das Nachtessen aus und beginnen mit Kochen und Tischdecken.

Währenddessen kommen auch Tobias und Fabian nach Hause. Sie verschwinden in der Stube und im Zimmer. Sie wollen ein wenig Ruhe. Einzig Raphael ist noch beim Training. Ich schicke ihm eine Nachricht und frage, wann er zu Hause sein wird. Denn ich weiss, dass das Training ist eigentlich vorbei ist. Prompt kommt die Antwort: «chillen noch!» WhatsApp funktioniert wunderbar, darauf reagiert Raphael auch unter Kollegen. Denn niemand merkt, dass er von seiner Mutter eine Nachricht erhalten hat. Tobias will seinen Bruder aber dazu bringen, möglichst rasch nach Hause zu kommen. Er schiesst ein Bild des leckeren Nachtessens und schickt es seinem Bruder. Umgehend folgt auch hier die Nachricht: «mmh, bin unterwegs.» So ist es. Und so beschliessen wir heute den Tag gemeinsam.

Tipps zum Offline-Modus

Das Handy darf im Familienleben auch mal offline bleiben.
Handy ist offline – um in Ruhe zu arbeiten oder auch nur, um den Akku zu schonen.
  • Leben Sie Ihrem Kind vor, dass man nicht rund um die Uhr erreichbar sein muss. Und wenn doch, gibt’s dafür einen guten Grund, den Sie kommunizieren sollten. Auch ein Plauderstündchen unter Freunden kann übrigens ein guter Grund sein. Wichtig ist: Tun Sie es bewusst. Denn Ihre Kinder beobachten Sie genau
  • Hat Ihr Kind sein eigenes Handy: Zeigen Sie ihm, wie es den «Nicht stören»-Modus einstellt und Nachrichten zu festen Zeiten abfragt, statt immer dann, wenn gerade eine Nachricht eintrifft.

 

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