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Funkende Bäume

Artenvielfalt im Antennenwald

Nicht nur in den USA setzt man auf baumförmige Tarnungen für Mobilfunkantennen. Robert Voit, Dozent und Gastprofessor an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, fotografiert seit 2003 funkende Bäume in aller Herren Länder. Die besten Bilder seiner künstlerischen Arbeit hat er im Buch «New Trees» zusammengestellt. Das Buch ist auf Deutsch im Steidl-Verlag erschienen.

Jörg Rothweiler (Text), aktualisiert am 1. November 2016

Kaum jemand möchte aufs Mobiltelefon verzichten. Doch wird irgendwo der Bau einer neuen Mobilfunkantenne geplant, ist Widerstand fast programmiert. Ging es dabei früher vor allem um die – bis heute wissenschaftlich nicht bewiesene – Gesundheitsgefährdung durch die Handystrahlung, melden Kritiker heute meist Bedenken wegen «Verschandelung der Landschaft, des Denkmalschutzes und/oder des Ortsbildes» an.

Daher werden Mobilfunkantennen oft optisch getarnt. Bei uns als Kamin, Dachkuppel oder schmückendes Dachelement – und im Ausland als Kunstwerke, Fahnenstangen, Kirchenkreuze, Wasserreservoirs, Silos oder «funkende Bäume».

 

Pinien von erhabener Grösse

Nachahmungen von Pinien sind in den USA seit 1992 im Einsatz und bis heute zur Tarnung von Mobilfunkantennen ausserordentlich beliebt. Dies, weil Pinien von Natur aus sehr gerade Stämme haben, die dicht mit Nadeln besetzten Äste gut nachgebaut werden können und aufgrund ihrer optischen Dichte die dahinter verborgenen Funkantennen gut kaschieren.

Fahnenmasten, die es «in sich» haben

Jonathan Kramer via celltowerphotos.com und dilettantearmy.com.

Nicht nur in Kalifornien, wo diese drei Bilder entstanden, werden Mobilfunkantennen gerne als überdimensionale Fahnenmasten getarnt. Interessantes Detail: Laut Gesetz müssen dauerhaft aufgehängte US-Flaggen «während der Dunkelheit ordentlich beleuchtet sein». Aus diesem Grund sind die Flaggenmasten mit Lampen versehen – weil sonst die Flagge jeweils vor Einbruch der Dunkelheit eingeholt und am nächsten Morgen wieder gehisst werden müsste.

Kunst, Silos und Halbwahrheiten

Eher auffallendes Kunstwerk als effiziente Tarnung ist die vom berühmten Architekturbüro Dekker/Perich/Sabatini entworfene Verkleidung der Antennenanlage in Albuquerque, New Mexico. Foto: Jonathan Kramer.
Handy-Antennen als Wassertank und Silo. Fotos: Larson Camouflage, Jonathan Kramer.

Weniger mit moderner Technologie in Zusammenhang dürfte man die als Wassertank getarnte Antennenanlage, welche von Larson Camouflage, einem der grössten Hersteller für optische Tarnungen weltweit entworfen wurde. Die bei Arvada, Colorado, stehende, leuchtend rote Scheune ist echt. Das daran angebaute, von einer Rundkuppel gekrönte Silo aber ist nur Tarnung für die darin installierte Antennenanlage.

Kakteen die niemals eingehen

Das in Tucson, Arizona, ansässige Unternehmen Larson Camouflage hat sich auf den Bau von als gigantische Kakteen getarnten Antennenanlagen spezialisiert. Foto: Jaycrew / Reddit

Die in den USA wachsenden Kakteen erreichen teils gigantische Ausmasse – und so verwundert es nicht, dass auch kakteenähnliche Gebilde als Tarnung für Handy-Antennen herhalten müssen. Beispielsweise stehen an den weltberühmten Fountain Hills in Arizona gleich mehrere funkende Kakteen. Und nicht nur die Mobilfunkanbieter, sondern auch die Polizei nutzt Camouflage-Gewächse für ihre Zwecke und integriert schon mal Überwachungskameras in die Kakteen.

Tropisches aus Stahl, Beton und Plastik

Palmen eignen sich bestens, um Mobilfunkantennen zu kaschieren. Foto: Larson Camouflage.
Schaut man bei einigen Palmen aber genauer hin, sieht man, welch seltsame Früchte sie tragen. Foto: Larson Camouflage.

Die Stämme der künstlichen Palmen werden aus Stahl respektive Stahlbeton gefertigt und je nach optischer Anforderung aufwendig oberflächenbehandelt und mit künstlichen Fruchtständen sowie den Aufnahmevorrichtungen für die Palmenblätter bestückt. Anschliessend werden die Kunststoffblätter und weitere Verzierungen angebracht. Ist die Antenne aufgerichtet wird die Antennentechnologie installiert.

Die Situation in der Schweiz

Laut einem Bundesgerichtsurteil von 2012 dürfen Gemeinden für den Bau von Mobilfunkantennen nur Einschränkungen für «ideelle» Immissionen festlegen – also solche, die nicht an die Strahlung, sondern an die optische Erkennbarkeit der Antenne geknüpft sind. Denn diese könne, befanden die Richter, negative Empfindungen provozieren.

Für «nicht als solche erkennbare» Antennen indes dürfen keine über die bereits im Bundesgesetz geregelten Immissionsgrenzwerte hinausreichenden Einschränkungen erlassen werden. Die Bundesrichter begründeten ihren Entscheid unter anderem damit, dass «es psychologisch einen grossen Unterschied macht, ob eine Mobilfunkantenne sichtbar oder unsichtbar ist». Und in der Tat zeigen Studien: Können Menschen eine (vermeintliche) Gefahrenquelle nicht als solche erkennen, verspüren sie in der Regel auch keine negativen Auswirkungen.

 

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Stören Sie sich an Handy-Antennen? Sollen Antennen in Attrappen versteckt werden oder soll man sie sichtbar aufstellen?

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4 Kommentare zu “Funkende Bäume

  1. Liebe Swisscom, leider ist es nicht so, dass die Schädlichkeit von elektromagnetischen Strahlen nicht bewiesen ist, sondern so, dass die Beweise nicht akzeptiert werden. Neueste deutliche Studien, die ernsthaft warnen, sind z.Bsp. hier zu finden: http://www.degruyter.com/vi
    (Stichworte: „Reviews on Environmental Health – DeGruyter – Band 30, Heft 4, Dez.15“)

    Bei mir war es nämlich umgekehrt. Leider SEHR sorglos und unwissend im Antennenstrahl geschlafen, gewohnt und gearbeitet, und heute davon überraschend stark geschädigt, mit schwerster Elektrosensibilität behindert worden. Inzwischen habe ich hunderte ähnlicher Fälle kennengelernt, und empfinde es als kriminell, die Bevölkerung über diese Gefahr nicht wahrheitsgetreu aufzuklären, damit man sich vernünftig schützen (abschirmen) kann. Das kann man nämlich in den meisten Fällen, wenn man rechtzeitig Bescheid weiss, und nicht durch falsche Unschädlichkeitstheorien hinters Licht geführt wird.

    Wenigstens werden die Antennen bei uns sauber öffentlich deklariert und nicht versteckt wie anderenorts; dafür ein ebenso ehrliches und echtes grosses: DANKE!

  2. Ja, mich stören Antennen aber weil sie hässlich sind. Soll man sie „tarnen“? (Siehe angehängtes Foto, ist mein Serverschrank)

  3. möglichkeiten??? eines tages wir dies alles abgerissen 100%, nicht von euch nicht von einer firma, sonern vom volk. bald ist es vorbei mit euerer gehirnwäsche!!! dann werden wir die strahlen auf euch richten, mit der richtigen frequenz schlagt ihr euch nachher die köpe ein oder wir machen aus euch zombis! geniist eure zeit noch!

  4. Luftverschmutzung durch fossile Brennstoffe war im 20. Jahrhundert, die Luftverschmutzung des 21. Jahrhunderts ist der Mobilfunk!

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