Heidi im Game-Wunderland
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Heidi im Game-Wunderland

Schweizer Game-Entwickler zählen zur internationalen Elite. Die Stiftung Pro Helvetia unterstützt selbstständige Entwickler – unter anderem solche aus der Westschweiz, die sich durch ihr Fachwissen im Bereich Virtual Reality auszeichnen.

Ausbildungen im Game-Bereich

Dies sind die wichtigsten Studiengänge für Videospiele in der Schweiz:

Auf dem weltweiten Game-Markt sind die Schweizer Entwickler wenig bekannt, und doch sind sie ein wichtiger Teil der internationalen Szene. Die kleine Familie von selbstständigen Schweizer Videospielentwicklern hat bereits ein paar Rockstars hervorgebracht. Beim Spiel «Farming Simulator», das vom Zürcher Unternehmen Giants entwickelt wurde, können die Spieler einen virtuellen Bauernhof selber führen. Das Game ist in 18 Sprachen erhältlich und wurde bereits über fünf Millionen Mal verkauft.

«Die Schweiz rangiert heute unter den europäischen Leadern, insbesondere im Bereich Virtual Reality.»Sylvain Gardel, Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia

Helvetische Stars

Der Zürcher Christian Etter hat zuerst das Puzzlespiel «Dreii» entwickelt, das zu einem weltweiten Hit wurde, und im Anschluss daran das Game «Plug & Play». Ein Demo-Video zu «Plug & Play» des YouTube-Stars Pew Die Pie wurde über 10 Millionen Mal angeschaut.

Demo-Video zu «Plug & Play» des YouTube-Stars Pew Die Pie. Video: YouTube/PewDiePie.

«Die Schweiz war unter den Letzten, die auf den Zug der Videospiele aufgesprungen sind. Heute zählt sie jedoch zu den europäischen, um nicht zu sagen weltweiten Leadern, insbesondere im Bereich der Virtual Reality», freut sich Sylvain Gardel von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

Die Stiftung Pro Helvetia profiliert sich als Drehscheibe der Videospielentwicklungsszene. Ihre Hauptmission ist es, das Abwandern von Schweizer Entwicklern zu verhindern – manche der ersten Entwickler sahen sich aufgrund eines fehlenden adäquaten Ökosystems gezwungen, auszuwandern.

Diese Abwanderung zu verhindern, ist wichtiger denn je, zumal innerhalb weniger Jahre ein explosionsartiges Wachstum im Game-Sektor beobachtet werden konnte. Im Jahr 2009 gab es in der Schweiz fünf Start-ups in diesem Bereich. Heute sind es fast 70. «Wer in dieser Branche ein gutes Produkt kreiert, hat die Chance, in den weltweiten Markt aufzusteigen – dies zeigt beispielsweise der Erfolg von «Farming Simulator», stellt Sylvain Gardel fest.

Pro Helvetia und die Digitalwelt

Die Stiftung Pro Helvetia, die ausschliesslich durch den Bund finanziert wird, unterstützt und verbreitet Schweizer Kunst und Kultur. Vorwiegend für ihr Engagement für bildende Kunst und Literatur bekannt, setzt sich Pro Helvetia seit 2012 auch für Start-ups ein, die in der digitalen Kunst tätig sind. Die Unterstützung des digitalen Ausdrucks basiert auf einem entsprechenden Wunsch von Parlament und Bundesrat, der in der «Kulturbotschaft» festgehalten wurde.

apelab: Genfer designen virtuelle Welte

Maria Beltrán hat in Genf zusammen mit Emilie Joly das Start-up apelab gegründet. Im Jahr 2014 hat ihr interaktiver Film «IDNA» eine Reihe von internationalen Preisen gewonnen und die Aufmerksamkeit von Apple und Disney auf sich gezogen. Die Entwicklung von apelab erlaubt es den Spielern, in einen futuristischen Krimi aus animierten Bildern einzutauchen. Maria Beltrán dazu: «Die Schweiz kann stolz auf eine lange Tradition von Präzision, Qualität und Design zurückblicken. Diese Qualitäten spielen eine wichtige Rolle bei der lokalen digitalen Entwicklung.»

Maria Beltrán von apelab (links) wirft mit ihrer 3-D-Brille einen Blick in virtuelle Welten. Foto: Mark Henley

Ein explodierender Markt

In wirtschaftlicher Hinsicht stellen die Videospiele weltweit bereits einen wichtigeren Markt dar als die Filmindustrie. Zwischen 2012 und 2015 ist der Umsatz der Filmindustrie von 126,8 Milliarden Dollar auf 90 Milliarden US-Dollar gesunken (Quelle: IBISWorld). Die Videospielindustrie hingegen konnte letztes Jahr einen Rekordumsatz von 91 Milliarden US-Dollar verzeichnen (Quelle: NewZoo). Es ist davon auszugehen, dass der Umsatz im Jahr 2017 100 Milliarden US-Dollar übersteigen wird.

«Unser Ziel ist es, die Schaffung von Produkten in einem Bereich zu fördern, der erst am Anfang seiner Expansion steht.»Sylvain Gardel, Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia

«Unser Ziel ist es, die Schaffung von Produkten in einem Bereich zu fördern, der erst am Anfang seiner Expansion steht. Bereits lässt sich bei neuen Bevölkerungsgruppen, z. B. bei Frauen oder älteren Personen, ein Interesse an Videospielen erkennen. Diese Form der Kultur ist innert weniger Jahre äusserst beliebt geworden», führt Sylvain Gardel weiter aus. Das Fach «Media Design», das Studierenden die Entwicklung von Videospielen beibringt, wird mittlerweile an mehreren Hochschulen in der Schweiz unterrichtet.

Die nächste Revolution: Virtual Reality

Verschiedene Beobachter glauben, dass das Aufkommen von Virtual Reality (VR) einen ähnlich grossen Umbruch wie die Lancierung des iPhones 2007 darstellen wird. Dank spezialisierter Studiengänge wie beispielsweise beim MIRALab an der Universität Genf zeichnen sich Westschweizer Entwickler im VR-Bereich aus.

«Ma vie de courgette» ist ein animierter Spielfilm aus der Westschweiz, von dem es nun auch eine Videospielversion gibt. Bild: apelab

Im Bereich der Virtual Reality hat sich die HEAD (Haute École d’art et de design) in Genf als wahre Talentschmiede herausgestellt. So haben beispielsweise alle vier Mitglieder des Gründungsteams von apelab ihre Ausbildung dort absolviert. Im Oktober haben sie ein Spiel herausgegeben, das auf dem Schweizer Film «Ma vie de courgette» basiert und bereits an verschiedenen Festivals einen grossen Erfolg verzeichnen konnte.

Demnächst wird ihre Game-Neuschöpfung «Break a leg» in Montreal präsentiert. «Dieses Spiel versetzt Sie in den Körper eines Zauberers des 19. Jahrhunderts, der Wunder vollbringen muss», verrät Emilie Joly, Gründerin von apelab.

Marc Attalah, Dozent an der Universität Lausanne und Geschäftsführer des Science-Fiction-Museums Maison d’Ailleurs, ist Initiator des Festivals Numerik Games, dessen erste Ausgabe im September in Yverdon-les-Bains über die Bühne gegangen ist. Die Veranstaltung bot eine Plattform für 57 unabhängige Westschweizer Entwickler und zog 10’000 Besucher an. Ein Erfolg, der typisch ist für den Aufschwung der Videospielbranche. Marc Attalah kommentiert abschliessend: «Es ist an der Zeit, dass die digitale Kultur aus dem Schatten heraustritt.»

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