Hilfe per Handy – auch ohne Netz
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Hilfe per Handy – auch ohne Netz

Alpine Sicherheit

Wer im Sommer durch die Schweiz wandert oder im Winter über schneebedeckte Bergspitzen tourt, kommt oft in entlegene Gegenden. Gibt’s für einmal kein Netz, hilft die Uepaa!-App. Sie ist für iOS- und Android-Smartphones erhältlich:App für iOS-NutzerApp für Android-Nutzer

Mobile Lebensretter

Jedes Jahr erleiden allein im Kanton Tessin 250 bis 300 Personen einen Herzstillstand. Die Initiative «Fondazione Ticino Cuore» schickt ausgebildete Helfer via App zum Unglücksort, noch bevor der Notarzt da ist:Mitmachen

Hansjörg Honegger, 27. August 2015

Wandern in der Schweiz – die Berge geniessen, die frische Luft, die Bewegung. Das ist allerdings nicht ohne Risiko: Rund 1000 Bergwanderer sind gemäss der Unfallstatistik des Schweizer Alpenclubs (SAC) im letzten Jahr verunfallt, was knapp die Hälfte aller Unfälle in den Bergen ausmacht. Ausgerutscht, Fuss verstaucht – und kein Netz, um Hilfe zu rufen. Eine beängstigende Situation. Doch findige Schweizer Software-Entwickler lancierten mit der App Uepaa! eine Rettungs-App, die fähig ist, auch ohne Netz Hilfe herbeizurufen. Die Erfinder der App machen sich zunutze, dass Handys auch per WLAN oder Bluetooth senden und empfangen können, zwei Drahtlostechnologien, über die jedes Smartphone verfügt.

Die App sucht im Notfall innerhalb des Empfangsradius von bis zu 500 Metern ein anderes Handy, auf dem Uepaa! installiert ist. Dieses wiederum sucht weitere Geräte. Dies geht so lange weiter, bis irgendein Handy Verbindung ins reguläre Netz bekommt. Von dort wird ein Funkspruch an die Notfallzentrale von Uepaa! abgegeben. Die Uepaa!-Notfallzentrale ruft die ursprüngliche Nummer an, was wiederum über das Handy-zu-Handy-Netz funktioniert. Sie ortet das Gerät des Verunfallten und alarmiert die zuständigen Rettungsdienste.

Dies sei zwar prinzipiell eine gute Sache, findet Bruno Hasler, Bergführer beim SAC in Bern. Allerdings sei die App nur auf stark frequentierten Routen wirklich hilfreich: «Viele Bergsteiger suchen aber bekanntlich die Einsamkeit. In solchen Fällen bleibt ein möglichst lückenloses Handynetz natürlich das A und O.» Dazu komme, dass viele Wanderer und Berggänger das Handy unterwegs ausschalten, um Akku-Kapazität zu sparen. «Und dadurch wird natürlich auch Uepaa! ausser Gefecht gesetzt.»

 


Mobile Sicherheit in den Bergen: So funktioniert die Uepaa!-App.

Senioren entdecken Uepaa!

Uepaa! bietet in der App, die für Android und iOS zu haben ist, eine automatische Unfallerkennung. Sobald sich der Handybesitzer fünf Minuten nicht bewegt, wird auf dem Handy Alarm ausgelöst. Wird der Alarm nicht innert fünf Minuten abgestellt, geht der Notruf an die Alarmzentrale raus. Genau diese Funktion, kombiniert mit dem Alarmknopf, macht heute Uepaa! nicht nur bei Wanderern und Alpinisten sehr beliebt ist, sondern auch bei Senioren, die in ihrer Wohnung bei einem Unfall schnell Hilfe erhalten möchten.

Uepaa! ist seit seiner Einführung rund 60 000 Mal heruntergeladen worden. Matthias Haussmann, CEO der jungen Firma, ist entsprechend stolz auf den Erfolg. «Wir machten keine Werbung. Die Alpinisten waren vor allem zu Beginn sehr interessiert an unserer Entwicklung, später sprach sich die Funktionalität auch unter Senioren herum.» Rund 800 Mal wurde via Uepaa! seit der Lancierung im Juli 2013 Alarm ausgelöst. «In den meisten Fällen waren es Nutzer, die neugierig waren, was passiert, wenn sie den Alarmknopf drücken.» Das Erstaunen, dass blitzschnell ein Rückruf kam, war entsprechend gross. Bisher wurden rund zwei Dutzend Ernstfälle abgewickelt, der erste gerade mal fünf Tage nach der Lancierung von Uepaa!

1. Notfall ausserhalb des mobilen Funknetzes. Der Notruf wird ausgelöst.
2. App-User sind mit Uepaa-App vernetzt.
3. Der erste App-User mit Verbindung zum mobilen Funknetz alarmiert automatisch die Rettung.
Neue Geschäftsfelder

Das Schweizer Jungunternehmen will mit seiner Entwicklung in den nächsten Monaten durchstarten. Im April 2015 wurde ein sogenanntes Peer2Peer-Entwicklertoolkit lanciert. Damit sollen Software-Entwickler aus den verschiedensten Branchen die Möglichkeit bekommen, die Funktionen von Uepaa! zu nutzen. CEO Haussmann ist erfreut über das Echo: «Vor allem Dating-Plattformen und Business-Netzwerke wie Xing und LinkedIn sind sehr interessiert. Apps mit unserer Technologie sind fähig, Personen mit derselben App im unmittelbaren Umfeld zu erkennen und Kontakt zu ihnen aufzunehmen.» Das, so Haussmann, eröffne ganz neue Möglichkeiten für viele Branchen.

«Viele Wanderer und Alpinisten, die Uepaa! eigentlich installiert haben, vergessen, die App zu aktivieren, bevor sie starten.»Matthias Haussmann

Doch auch die Uepaa!-Rettungsapp wird nicht vergessen: Im Herbst, so verspricht Haussmann, soll die App einige neue und nützliche Funktionen bekommen. Welche das sind, will er aber noch nicht verraten. Schon heute hat er aber ein Herzensanliegen: «Viele Wanderer und Alpinisten, die Uepaa! eigentlich installiert haben, vergessen, die App zu aktivieren, bevor sie starten.» In so einem Fall ist der Verunfallte aufs Netz angewiesen – das leider nicht lückenlos ist.

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