«Ich bin stolz auf sein Handwerk»
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«Ich bin stolz auf sein Handwerk»

Tanja Kammermann (Text), Manuel Zingg (Fotos), 19. Dezember 2017

Storys: Nik ist letzte Woche 17 Jahre alt geworden. Was hat er zum Geburtstag bekommen?
Annerös Schneider, Mutter von Nik: Er wünschte sich eine neue Jacke, darum habe ich ihm einen Gutschein gekauft. Und Schokolade, er liebt Smarties noch immer.

Das neuste Video von Hipster Gnogg ist eine Google-Translate Challenge, dafür versuchen sie sich in Fremdsprachen, die sie gar nicht können. Haben Sie das gesehen?
Nein, das habe ich noch nicht gesehen, werde ich aber nachholen. Er schickt uns zwischendurch den Link über den Whatsapp-Familienchat. Aber das Video von letzter Woche habe ich gesehen, weil sie ein neues Format ausprobiert haben. Ich habe vielleicht 10 Prozent der Videos gesehen und verfolge den Youtube-Kanal nicht.

Nik Schneider, Mitglied des Duos Hipster Gnogg.

Ist es Nik wichtig, dass Mama und Papa die Videos schauen?

Nein, es ist ihm nicht wichtig. Das ist sein Ding. Mein Mann schaut mehr Videos als ich und gibt ihm dann auch Tipps. Zum Beispiel, dass er inhaltlich politischer werden soll. Aber das interessiert Nik nicht.

Seid ihr stolz auf die Inhalte von Nik?

Ich bin stolz auf das Handwerk, das er beherrscht. Ich arbeite im Marketing, ich weiss, Nik könnte heute eine Firma gründen und hätte Erfolg damit. Er und sein Bruder können Drehbücher schreiben, Filme drehen, können schneiden und haben Auftrittskompetenz. Er hat beispielsweise kürzlich beim SRF als Schauspieler bei einer mobilen Videoserie mitgemacht. Oder sie hatten einen Vortrag vor 80 Lehrern, das ist für Nik kein Problem, weil er regelmässig vor der Kamera steht.

Woher hat Nik eigentlich diese Skills?

Das hat er sich über die Jahre alles selber beigebracht. Mit Youtube hat er viel gelernt. Also learning by doing.

«Nik hat sich über die Jahre alles selber beigebracht.» Annerös Schneider.

 

Wie wurde Nik ein Youtuber?
Der hat schon als kleiner Knirps Videos mit der alten Digicam des Vaters gemacht, da war er acht Jahre alt. Das war zum Schreien. Der hat das immer gerne gemacht. Später hat er mit den Kollegen angefangen, Scherze aufzunehmen und zu kommentieren. Oder immer wenn wir im Ausland waren, mussten wir einmal in einen bestimmten Laden und die ekligsten Dinge kaufen (lacht). Morris tat in seinen Ferien dann jeweils dasselbe. Daraus bauten sie dann ein Video. Vor einigen Jahren fingen Morris und er dann an, regelmässig Videos zu produzieren.

Hipster Gnogg gehören inzwischen zu wichtigsten Youtubern der Schweiz. Fühlt sich Nik als Youtube-Star?
Nein, er fühlt sich überhaupt nicht als Star, er ist ein ganz normaler 17-Jähriger, der viel lernt, ins Gymnasium geht, seinen Fussball und seine Freunde hat, er ist sehr breit abgestützt im Leben und geerdet.

Verdient Nik eigentlich Geld mit den Youtube-Videos
Er hat in diesem Jahr einiges verdient, wie viel genau weiss ich nicht. Vieles sind Naturalspesen – von Zweifel zum Beispiel – aber für Vorträge, Lernvideos oder seine Arbeit beim SRF beispielsweise bekommen sie Geld, das Nik und Morris untereinander aufteilen. Aber Nik legt das alles auf die Seite.


Werden Sie auf der Strasse oder von Freunden auf Niks Engagement angesprochen?
Ja, Freunde erzählen mir manchmal, hast du das oder das von Nik gesehen. Und ich schäme mich dann manchmal für die Inhalte. Ich kann mit den Videos nichts anfangen, so hart wie das klingt. Das ist ein Ding für die Jungen.

«Ich habe ihn und seinen Bruder sehr streng erzogen, sie durften, als sie klein waren, nie TV schauen und hatten keine Geräte.»

Es ist ein grosser Aufwand, diese Videos zu produzieren. Muss Nik dafür irgendwo zurückstecken?

Für ihn gibt es die Schule, den Fussball, die Videos und seine Freunde. Es gab eine Zeit, wo die beiden zwei Videos pro Woche produzierten. Da hatte ich das Gefühl, er stresse sich damit. Dafür ist er nie herumgehängt und hat Joints geraucht, wie andere in dem Alter. Das lag bei ihm einfach nicht drin. Er hat die Prioritäten immer richtig gesetzt.

Wie haben Sie den Medienkonsum geregelt?
Ich habe die beiden sehr streng erzogen, die durften als sie klein waren nie TV schauen und hatten keine Geräte. Nik bekam sein erstes Handy mit 12. Ich war wie ein Fundi, obwohl ich immer viel gearbeitet habe. Ich war viel draussen mit ihnen und später waren die beiden stundenlang auf dem Fussballplatz. Das ist eigentlich noch interessant… Der Vater war etwas grosszügiger, was den Medienkonsum angeht.

Wie geht es bei Hipster Gnogg weiter?
Das ist für Nik ganz klar ein Hobby. Er macht sich auch nichts vor, sie wollen die Videos in Berndeutsch produzieren und dann ist der Markt beschränkt. Kürzlich war er ja bei Google für zwei Tage oder beim SRF, das ist nichts Spezielles für ihn, er ist realistisch. Vielleicht «tscheggt» er auch gar nicht, was er sich hier aufgebaut hat. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sie das noch zwei drei Jahre machen und dann Schluss ist.

Annerös Schneider

 

Annerös Schneider, 51, ist die Mutter von Nik und Tim und lebt mit ihrer Familie in Muri bei Bern. Der 17-jährige Nik und der 17-jährige Morris sind die Protagonisten des Youtube-Kanals «Hipster Gnogg». Auf dem Kanal veröffentlichen die beiden Berner Gymnasiasten seit dreieinhalb Jahren regelmässig neue Videos. Der Kanal hat über 21’000 Abonnenten.

 

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