Info-Café Kinder und Medien: Ein Erfahrungsbericht
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Info-Café Kinder und Medien: Ein Erfahrungsbericht

Was tun, wenn die Kinder plötzlich nur noch gamen wollen? Und bei diesen Games vor allem Kühe in die Luft sprengen? Oder bei YouTube auf Inhalten landen, die nicht kindergerecht sind? Unsere Autorin Tanja Kammermann suchte in einem Info-Café zum Thema Kinder und Medien Antworten auf diese Fragen. Ein Erfahrungsbericht.

Digitale Medien im Familienalltag

In den kostenlosen Info-Cafés von Swisscom Academy geben Ihnen erfahrenen Trainer hilfreiche Tipps für den entspannten Umgang mit digitalen Medien im Alltag und Sie können sich mit anderen Eltern in gemütlichem Rahmen austauschen.

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Ich bin Mutter von zwei Buben, die sieben und fünf Jahre alt sind. Bildschirme ziehen die zwei magisch an. Seit Kurzem spielen sie das Online-Spiel Minecraft. Ich verstehe überhaupt nicht, warum sie dort Kühe in die Luft sprengen und ich bin es leid, immer wieder mit ihnen über Bildschirmzeiten zu diskutieren. Darum suchte ich einen Ort, wo ich meine Unsicherheiten im Umgang mit dem Medienkonsum meiner Kinder anbringen konnte. So stiess ich auf das Info-Café zum Thema Kinder und Medien der Swisscom in Bern.

Das Info-Café fand an einem Freitagvormittag in Bern nahe des Bahnhofs statt. Der Kurs wurde von Malik Hashim, 26, geleitet. Er ist Student und arbeitet seit etwas mehr als zwei Jahren Teilzeit als Trainer bei Swisscom Academy. Die Kursinhalte wurden von der Abteilung Medienkompetenz der Swisscom zusammengestellt. Malik selber hat eigene Erfahrung mit Online-Games, zudem hat er jüngere Brüder. Teilnehmende waren zwei Männer und vier Frauen zwischen ca. 40 und 50 Jahren mit Kindern zwischen 1,5 und 9 Jahren.

Erkenntnisse aus Studien und Quellen für gute Medieninhalte

Im Kurs erhielt ich einen Einblick in die Mediennutzung von Kindern zwischen 4 bis 13 Jahren, deren medialer Alltag vorwiegend von Fernsehen, Musik und Büchern geprägt ist – dicht gefolgt von Games. Ab 9 Jahren ist YouTube neben Fernsehen ein fester Bestandteil des Alltags und gilt auch als Lieblings-App. Jüngere Kinder nutzen die Medien hauptsächlich zur Unterhaltung. Bei älteren Kindern wird die Kommunikation wichtiger. Obwohl viele Kinder im Unterstufenalter noch kein Handy besitzen, ist es ihr Lieblingsmedium. Zudem lernte ich sowohl etwas über die Chancen, aber auch über die Gefahren von Medien in Kinderhänden. Ich erhielt konkrete Empfehlungen für den digitalen Familienalltag. Ich lernte, wie ich Geräte kindersicher mache und wo ich gute Informationen zu Apps, Games und Co. erhalte.

Empfohlene Bildschirmzeiten sind hoch

Die im Kurs empfohlenen Bildschirmzeiten fanden alle anwesenden Eltern zu hoch. Beim gemeinsamen Austausch in der Pause stellte ich fest, dass die anderen Väter und Mütter ähnliche Bildschirmzeiten anwenden wie wir. Das heisst in unserem Fall ca. zwei Stunden pro Woche.

Empfehlungen zur Bildschirmzeit

Verbieten Sie die Nutzung nicht, sondern begleiten Sie ihr Kind. Zusammen sind Sie medienstark. Interessieren Sie sich für die Medieninhalte der Kinder. Doch gerade bei jungen Kindern sollten die Geräte im Wohnzimmer bleiben und nicht mit ins eigene Zimmer genommen werden.

  • Maximal 50 Minuten pro Woche, bzw. 10 Minuten pro Tag oder 1 Stunde pro Woche pro Lebensjahr.
  • Kontrollieren Sie mit (Küchen)-Wecker oder Sanduhr mit ihrem Kind gemeinsam.

Die Inhalte sind ebenso wichtig wie die Zeit. Notieren Sie alle Regeln gemeinsam.

Gamen wird ab etwa sieben Jahren für die Kinder wichtiger, vor allem für Jungs. Das hatte ich zu Hause mit meinen Jungs ja bereits bemerkt. Bei diesem Thema ging Malik auf Chancen und Gefahren von Online-Games ein. Mich interessierte vor allem das Spiel Minecraft. Ich war sehr überrascht, als Malik erklärte, dass das Spiel in Schweden ein Unterrichtsfach sei, weil es die Kinder den Umgang mit Ressourcen lehre.

Empfehlungen zum Gamen

Schauen Sie, was die Kinder gamen, und kontrollieren Sie die Altersfreigabe. Schauen Sie, ob es einen Chat hat und sensibilisieren Sie Ihr Kind darauf, in dieser Umgebung beim Kontakt mit Unbekannten vorsichtig zu sein. Spielen Sie das Game zusammen und reflektieren Sie über das Erlebte gemeinsam.

Eltern sind Vorbilder!

Als Malik das Thema Vorbildfunktion ansprach, nickten alle Eltern beipflichtend. Uns wurde in Erinnerung gerufen, dass wir eine Vorbildfunktion haben, ob wir wollen oder nicht. Kinder verstehen nicht: Warum darfst du, aber ich darf nicht. Es ist wichtig, den eigenen Medienkonsum zu reflektieren. Also das Handy auch mal wegzulegen, nicht alles zu fotografieren und nicht alles zu googeln. Sondern Diskussionen führen und auch wieder einmal einen Atlas oder ein Lexikon hervornehmen.

Fragen der Teilnehmenden und Antworten aus dem Kurs

Kann man die rechte Spalte bei YouTube (weitere Inhalte) ausschalten?

Antwort: Nein, leider nicht. Darum Surfverhalten bei YouTube beobachten, Kinder landen schnell auf nicht gewollten Inhalten. Und YouTube-Werbung hat auch bereits Kinder im Visier.

Ab wann sollen Kinder eigene E-Mail-Adressen und Konten bei Facebook haben?

Antwort: Nicht zu früh, sie können so unkontrolliert mit verschiedensten Leuten in Kontakt kommen. Kinder sind gutgläubig und naiv. Fragen Sie, warum die Kinder eigene Konten wollen, und richten Sie diese gemeinsam ein. Beim Benutzernamen einen Nickname einsetzen und nicht den richtigen Namen und keinen Jahrgang im Nickname verwenden.

Was ich persönlich mitgenommen habe

Ich werde mit meinem Sohn Julian eine YouTube-Anleitung zu Minecraft schauen. Damit er sieht, was er mit den Kühen und sonst auch noch tun kann. Minecraft ist nämlich ein sehr kreatives Spiel. Ich weiss nun, wie ich ganz einfach einen technischen Kinderschutz auf dem Tablet und auf meinem Smartphone einrichten kann. Den Vorschlag von Malik, einen medienfreien Tag pro Woche in der Familie einzuführen, habe ich zu Hause vorgebracht. Die Umsetzung ist gar nicht so einfach, habe ich herausgefunden. Durch das Gespräch mit den anderen Teilnehmern habe ich herausgefunden, dass wir mit unseren Medienkonsum-Regeln eher konservativ sind. Das hat mich bestärkt, so weiterzumachen.

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