Sechs (un)erfreuliche iPhone-Innovationen
6 min

Sechs (un)erfreuliche iPhone-Innovationen

Mit dem iPhone hat Apple dem Smartphone zum Durchbruch verholfen. Seither ist der «Taschencomputer» ein unverzichtbarer Begleiter. Sechs Innovationen aus der Geschichte des iPhones, die uns gefreut oder geärgert haben.

Apple hat das Smartphone nicht erfunden. Aber der Hersteller aus dem kalifornischen Cupertino hat massgeblichen Anteil daran, dass wir heute alle mit einem solchen Taschencomputer herumlaufen – ob mit einem iPhone oder einem Konkurrenzgerät. Ein Rückblick auf wesentliche Innovationen aus der Geschichte des iPhones – die uns nicht immer nur gefreut haben.

2008: Apps, Apps, Apps und noch mehr Apps

Vielleicht war es ganz gut, dass Apple das erste iPhone 2007 hierzulande nicht anbot. Denn dem Smartphone fehlte etwas Wesentliches, das Steve Jobs erst im Juli 2008 vorstellte: der App Store und damit die Möglichkeit, weitere Apps zu installieren. Ein Smartphone ohne Apps, das ist so etwas wie immer offline zu sein.

Historischer Anblick: Der App Store anno 2008.

Doch das ist längst vorbei (offline und keine Apps). 2008 startete der App Store mit rund 500 Apps. Über die Jahre explodierte das Angebot förmlich, und ein komplett neuer Industriezweig entstand: App-Entwicklung. Heute sind fürs iPhone rund zwei Millionen Apps verfügbar, für Android-Geräte etwa 2,5 Millionen. Letztes Jahr wurden gemäss einer Analyse von App Annie fast 200 Milliarden Apps rund um den Globus heruntergeladen. Ein Milliardengeschäft. 100 Milliarden US-Dollar schwer, um genau zu sein. Und was kaufen die Benutzer? Games. In drei von vier Fällen.

2010: die Kamera, Kamerad und Kaufargument

Es ist heute unvorstellbar, aber die iPhones vor dem Modell 4 mussten ohne Frontkamera auskommen. Wer ein Selfie in den sozialen Netzen teilen wollte, musste fürs Foto einen Spiegel bemühen.

Solche Probleme sind seit bald einem Jahrzehnt Geschichte. Noch immer finden sich allerdings auf Instagram und Co. Spiegel-Selfies. Weil die Rückkamera einfach besser ist. Eine höhere Auflösung und allerlei technische Gimmicks sorgen für bessere, aber nicht unbedingt natürliche Fotos.

iPhone 7 Plus mit Dual-Kamera
Das iPhone 7 Plus erhielt als erstes Apple-Smartphone eine Dual-Kamera.

Und wenn eine Kamera nicht reicht, verbaut man einfach mehrere. Mit dem iPhone 7 Plus führte Apple erstmals zwei Kameras ein. Das erlaubte immerhin Aufnahmen mit einem (bescheidenen) optischen Zweifach-Zoom. Und einen Porträtmodus, der den Hintergrund unscharf stellt (Bokeh-Effekt).

Und heute scheint – oder ist – die Kameraleistung offenbar das Verkaufsargument für ein Smartphone. Kaum stellt einer der grossen Hersteller ein neues Spitzenmodell vor, rauschen auch schon die Fotografie-Vergleichstests durch den digitalen Blätterwald. Zwei Kameras, drei Kameras, vier Kameras: Wie viele dürfen es denn sein? Und wie steht es eigentlich ums fotografische Wissen hinter der Kamera? ?

2013: vom Code zum Finger zum Gesicht

Wenn wir heute häufiger zum Smartphone greifen, liegt das sicher auch daran, dass das Entsperren viel leichter geht als früher. Wahrscheinlich würde eine Grafik zur Smartphone-Nutzung einen starken Anstieg im Herbst 2013 verzeichnen. Damals stellte Apple mit dem iPhone 5S das erste Modell mit Fingerabdruckscanner vor. Welche Wohltat, nicht immer den Sperrcode eintippen zu müssen! Dass der deutsche Chaos Computer Club (CCC) kurz darauf diese TouchID knackte, hat der Beliebtheit solcher biometrischer Erkennungsverfahren nicht geschadet.

Kompliziert wurde die Sache erst, als Apple 2017 beim iPhone X zugunsten eines grossen Displays den Home-Button opferte und damit auch den Fingerabdruckleser. Doch weshalb sollte Apple auf die biometrische Erkennung verzichten, die Google, Facebook, Microsoft und andere breit einsetzen? Aus der TouchID wurde kurzerhand die FaceID. Aus der Fingerabdruck- die Gesichtserkennung. Auch diese Sperre wurde kurz darauf geknackt, allerdings mit deutlich höherem Aufwand in Form einer Gesichtsmaske des Opfers.

Aber immer noch besser ein Smartphone, dessen Sperre sich mit einem gewissen Effort umgehen lässt, als ein ungeschütztes Gerät. Diese Meinung teilen wohl alle Smartphone-Hersteller. Oder wann haben Sie das letzte Mal ein einigermassen gut ausgestattetes Gerät irgendeines Anbieters in der Hand gehabt, das nicht über Fingerabdruckscanner und/oder Gesichtserkennung verfügt?

2014: gross, grösser, GRÖSSER!

Das Display des iPhone XS Max ist fast doppelt so gross wie diejenigen der ersten iPhone-Generationen. Die Modelle bis und mit 4S mussten mit einer Diagonale von vergleichsweise winzigen 3,5 Zoll (8,9 Zentimeter) vorliebnehmen.

iPhone XS: 6,5 Zoll grosses Display
Mit seinem 6,5 Zoll grossen Display eignet sich das iPhone XS als mobiles Kino.

Den grössten Sprung machte das iPhone im September 2014. Nicht nur wuchs der Bildschirm des damals vorgestellten iPhone 6 auf 4,7 Zoll. Mit der Plus-Ausführung präsentierte Apple gar ein Smartphone mit einer sagenhaften Diagonale von 5,5 Zoll (14 Zentimeter). Das mobile Kino war geboren. Endlich war der Bildschirm gross genug, um nicht mehr nur «Candy Crush» zu spielen, sondern auch «Crush» zu sehen.

Was wünschen Sie sich von einem neuen iPhone?

  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Doch grösser ist nicht nur besser. Mit seinen Abmessungen operierte das iPhone 6 Plus knapp an der Schmerz- respektive Hosentaschengrenze. Wo bloss das riesige Gerät unterwegs verstauen, vor allem bei leichter Kleidung? Der Trost: Wer die Lösung gefunden hatte, konnte sie auch bei künftigen Modellen nutzen. Denn in den folgenden Jahren wuchsen nur noch die Bildschirmdiagonalen, nicht aber die Abmessungen des Gehäuses. Selbst ein iPhone XS Max mit seiner 6,5 Zoll (16,5 Zentimeter) grossen «Leinwand» ist nicht grösser als ein Plus-Modell. Dafür – oder leider – mit Notch. Doch davon später.

2016: iPhone mit ohne Kopfhörerbuchse

Apple war schon immer Pionier im Weglassen. Optisches Laufwerk im Computer? Überflüssig. Viele Anschlüsse am Notebook? Wozu auch, wenn es USB-C gibt? 2016 schwappte dieser Trend aufs iPhone über. Als Apple im September des Jahres das iPhone 7 vorstellte, dominierte eine Neuerung die Berichterstattung. Hatte sich der Hersteller doch tatsächlich erlaubt, die Kopfhörerbuchse wegzulassen! Stattdessen gab es einen Adapter, mit dem sich analoge Kopfhörer via Lightning-Buchse anschliessen liessen. Laden oder Musik hören? iPhone-Käufer mussten sich entscheiden.

iPhone 7 ohne Kopfhörerbuchse
Finde den Unterschied: iPhone 6S Plus (unten) mit, iPhone 7 ohne Kopfhörerbuchse. Dafür mit Adapter.

Und heute? Viele andere Hersteller sind dem Trend gefolgt. Und Bluetooth-Headsets machen den Wegfall der Buchse vergessen – AirPods und Co. lassen grüssen. Dafür müssen heutzutage zum Musik hören iPhone und Kopfhörer geladen sein. Und ab und zu taucht das Problem wieder auf. Nämlich dann, wenn wir unser iPhone an die alte Stereoanlage im Wohnzimmer oder ans Radio eines älteren Autos anschliessen möchten.

2017: der Notch, eine Aussparung sorgt für Kontroversen

Ein fast randloses Display ermöglicht kleinere Geräte. So ist das iPhone X(S) genauso «kompakt» wie die früheren Plus-Modelle. Doch wohin mit der Selfie-Kamera? Apple versah deshalb das iPhone X mit einer Aussparung am oberen Bildschirmrand, auf Englisch «Notch» genannt.

Über die Novembernacht nach der Vorstellung 2017 entwickelte sich der Notch zum meistdiskutierten «Feature» des iPhones seit der Einführung des Lightning-Anschlusses. Es gab – und gibt – zwei Lager: Den einen gefällts, die anderen (wie ich) können damit nichts anfangen.

iPhone X mit Notch
Eine Kerbe mit Kontroverse: Der Notch des iPhone X.

Doch der Notch zeigte noch etwas anderes: Nämlich, dass Apple offensichtlich immer noch das Design-Vorbild für viele Smartphone-Hersteller ist. Kurz nach der Vorstellung des iPhone X tauchten zahlreiche Android-Geräte am Markt auf, die dem Apple-Smartphone inklusive Notch verblüffend ähnlich sahen – bis auf den Preis natürlich. Und so potenzielle Käufer anlocken sollten.

 

Artikelfotos: Apple, Swisscom

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

3 Kommentare zu “Sechs (un)erfreuliche iPhone-Innovationen

    1. Wow, gut beobachtet, das stimmt natürlich! Ich habe jetzt ein korrektes Bild eingesetzt.
      Freundliche Grüsse aus der Redaktion
      Andreas Heer

Jetzt lesen