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Auf den Fersen von Hilary Swank in Locarno

Was passiert, wenn ein Nachwuchs-Regisseur eine Carte Blanche für einen Kurzfilm über das Locarno Filmfestival erhält? Er schickt uns auf eine hindernisreiche Suche nach dem Hollywood-Star Hilary Swank.

Es ist Donnerstagmorgen kurz vor halb acht während des 72. Locarno Film Festivals. Locarno ist noch nass vom gestrigen Dauerregen und verkatert vom Eröffnungsabend. Nicht so der Filmstudent Vincenzo Borsellino, er und seine Filmcrew haben die halbe Nacht am Drehplan gearbeitet und stehen nun voller Tatendrang vor dem Palacinema, Sitz des Locarno Film Festivals und der Filmhochschule CISA. «Wer hat den Schlüssel, um das Material herauszuholen», fragt Vincenzo. Es stellt sich heraus, dass ohne Schlüssel bis acht Uhr nichts zu holen ist hier. Vincenzo entscheidet, bereits zum ersten Drehort zu gehen. Zu Fuss, denn der einzige Bus der Filmhochschule ist für das Film-Festival unterwegs.

Der Film

Im Kurzfilm oben im Beitrag versucht eine junge Journalistin ein Porträt über die bekannte amerikanische Schauspielerin Hilary Swank zu schreiben. Dafür reist sie nach Locarno und heftet sich an die Fersen der Oscar– Preisträgerin. Die 45-Jährige erhielt am diesjährigen Locarno Filmfestival einen Ehrenpreis.

Die Crew

Vincenzo Borsellino hat sich auf das Abenteuer eingelassen, innerhalb von wenigen Tagen ein Drehbuch zu schreiben, dieses zu Filmen, das Material zu Schneiden und den Film fertigzustellen. «Das geforderte Format war eine grosse Herausforderung für mich, darum habe ich mich dafür beworben», so Vincenzo. Der 25-jährige Vincenzo Borsellino absolviert am CISA, den Post-Diplom-Kurs in Screen-Writing und Creative Producing. Bisher hat er sechs Kurzfilme umgesetzt und in zwei Diplom-Filmen mitgearbeitet.

Vincenzo Borsellino (vorne), Alice Priante, Enea Franca, Samuel Bogni (v.l.).

Für das Projekt hat Vincenzo einen Kameramann und eine Kameraassistentin, einen Tonfachmann, einen Produktionsassistenten und einen Cutter engagiert. Da es am CISA Lehrgänge für Screen Writing, Sound Design, Kamera, Post Production, Regie und Drehbuch gibt, konnte er gleich die ganze Crew am bekanntesten Ausbildungsinstitut im Bereich Kino, Fernseh- und Multimedia in der italienischen Schweiz rekrutieren.

Der Regisseur

Bereits als 14-Jähriger begann Vincenzo, sich für Filme zu interessieren: «Dario Rosso’s Film Deep Red hat mich unglaublich fasziniert. Ich hatte damals ja noch keine Ahnung von der Materie! Danach sog ich alles zum Thema Film auf wie ein Schwamm. Und ich muss auch sagen, dass ich sehr glücklich bin, in Italien mit einer sehr lebendigen Filmszene aufgewachsen zu sein. Das europäische Filmschaffen steht für mich im Vordergrund, aber als Cineast interessiere ich mich selbstverständlich auch für Produktionen aus aller Welt.

«Als Teenager faszinierten mich vor allem Horrorfilme. Mit der Zeit habe ich mich mit anderen Genres befasst und mir wurde klar, dass ich auch komplexere Geschichten und Figuren erschaffen will.»

 

 

Swisscom unterstützt das Filmschaffen in der Schweiz

Swisscom ist eng mit der Schweiz und den hier lebenden Menschen verbunden. Deshalb engagieren wir uns in kulturellen Bereichen und unterstützen unter anderem das Schweizer Filmschaffen. So sind wir sowohl Hauptsponsorin der Solothurner Filmtage als auch seit nun schon 23 Jahren des Locarno Film Festival.

Von der Grossleinwand in die gute Stube: mit Swisscom TV bringen wir den Schweizer Film direkt zu Ihnen nach Hause. Im Teleclub on demand Katalog finden Sie aktuell 180 Schweizer Filme, die nur darauf warten, Sie zu unterhalten.

Das Festival

Vincenzo war dieses Jahr das erste Mal am Filmfestival Locarno. «Doch die Geschichte des Festivals kenne ich gut, denn ich mag die alten Filmemacher. Dieses Jahr hat er den italienischen Animationsfilm The Bears‘ Famous Invasion of Sicily von Lorenzo Mattotti auf der Piazza gesehen, der ihn sehr beeindruckt hat. Den Rest der Zeit war er mit dem Kurzfilm beschäftigt.

In einem Jahr wird Vincenzo seine Ausbildung am CISA abgeschlossen haben und einen Job suchen. «Das wird sicher nicht einfach, es gibt nicht viele Stellen in diesem Bereich. Aber ich bin optimistisch und ich werde es schaffen, eigene Filme zu drehen. Und vielleicht hilft mir diese Erfahrung am Locarno Film Festival auf meinem weiteren Weg.»

 

Wie wird man eigentlich Filmemacher?

Einen direkten Ausbildungsweg als Filmemacher/in gibt es nicht. Empfehlenswert ist z.B. ein Studium zum Kameramann oder Regisseur, um einen Einstieg zu bekommen. Diese Studiengänge gibt es an Hochschulen (Schule für Kunst und Design oder Zürcher Hochschule der Künste). Auf der Seite der Stiftung Weiterbildung Film und Audiovision finden Sie noch weitere Links zum Thema

Man kann auch ein Volontariat an einer Fernsehstation machen und sich dann über kürzere Formate im Nachrichtenbereich zum Langformat, also zu Dokus und Reportagen vorarbeiten. In der Regel wird ein Studium vorausgesetzt. Philosophen, Politikwissenschaftler, Germanisten, Literaturwissenschaftler, Juristen, Volkswirte, sogar Mediziner können Filmemacher werden. Wichtig sind gute Ideen für eine filmische Umsetzung, Belastbarkeit im Job, Teamfähigkeit und Flexibilität, denn einen geregelten Arbeitsalltag gibt es nicht.

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Ein Kommentar zu “Auf den Fersen von Hilary Swank in Locarno

  1. Inhaltlich schwach, Kameraführung lausig, mit richtiger Regieanweisung könnte mehr aus der Schauspielerin rausgeholt werden, Situationskomik wird nicht konsequent durchgezogen. Unverständlich für welche schwachen Projekte Geld rausgeworfen wird….

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