«Die Liebe zu YB habe ich mir erarbeitet»
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«Die Liebe zu YB habe ich mir erarbeitet»

Elisabeth Zaugg ist seit ihrer Kindheit YB-Fan- selbstverständlich in guten wie in schlechten Zeiten. Die Liebe zum Verein hat sie an ihre Tochter Christina weitergegeben. Wie YB Leben und Lieben der beiden Frauen bestimmt.

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Die Liebe zu YB wurde Elisabeth Zaugg anerzogen. Es war nicht Liebe auf den ersten Blick, sondern ein langsames sich-aneinander-gewöhnen. «Die Liebe habe ich mir sozusagen erarbeitet, wie vieles andere im Leben auch», sagt Elisabeth Zaugg. Aufgewachsen ist die Bernerin mit zwei Schwestern ein paar hundert Meter vom damaligen Wankdorf-Stadion entfernt im Berner Breitenrain-Quartier. «Mein Vater war schon immer fussballinteressiert und ich als Älteste von drei Mädchen habe am meisten Freude am Fussball», sagt Elisabeth Zaugg. Die 62-Jährige hat einen wachen Blick und noch immer den Schalk im Nacken. So nahm sie der Vater, der bei der SBB arbeitete und jeweils Freikarten erhielt, schon früh mit an die Spiele ins alte Wankdorf. «In der Kindheit interessierte ich mich eher für das Kleingeld und die Zigaretten, die die Leute unter die alten Holzbänke fallen liessen.»

Ab etwa 14 Jahren ging sie mit Gleichaltrigen an die Spiele, und wie viele junge Bernerinnen himmelte sie den Spieler Walter Eichenberger an. «Wir fuhren viel mit dem Töffli zum Stadion und schauten uns das Training an. Das ging ja früher noch. Doch wir haben uns nie getraut, ihn um ein Autogramm zu bitten.»

Keine Modefans

Schon damals machte YB auf und neben dem Platz schwierige Zeiten durch, erst 1977 erlebte Elisabeth den ersten Gewinn eines YB-Titels, den Cupsieg. Für Elisabeth gab es nie einen Grund, an der Liebe zu ihrem Verein zu zweifeln. «In guten wie in schlechten Zeiten halt, wir sind schliesslich keine Modefans», entgegnet Elisabeth energisch. Dann, 1986, wurde die Liebe nach langer Zeit wieder belohnt, als YB gegen Xamax Neuenburg den Meistertitel holte: «Ich erinnere mich genau an den Tag, wir fuhren mit dem Auto nach Neuenburg. Der Match war sehr emotional, weil ein Sieg den Meistertitel bedeutete. Auf der Heimfahrt standen wir im Stau und plauderten auf der Autobahn miteinander und feierten. In Bern gab es keine Meisterfeier, die Spieler sassen später noch etwas beieinander. Wir gingen einfach nach Hause. Das war damals so.» Seitdem trägt Elisabeth zu jedem Spiel den Meisterschal von 1986: «Ohne den Schal ins Stadion zu gehen, wäre eine Katastrophe und wenn ich ihn zu Hause vergesse gehe ich ihn holen».

1988 kam Tochter Christina zur Welt. Elisabeth und ihr damaliger Mann waren inzwischen nach Muri gezogen. Das jedoch war der Liebe zu YB nicht abträglich. YB sorgte in dieser Zeit immer wieder für sportliche Highlights. Christina wurde erstmals mit drei Jahren von den Eltern ins Stadion mitgenommen. «Für mich gehörten die Matchbesuche einfach zum Familienleben dazu, aber das Ganze war viel weniger emotional als heute», erinnert sich Christina. Heute ist Christina eine 29-jährige Frau, die viel lacht und auffällig schöne Rehaugen hat.

Harte Jahre

Es folgten durchzogene Jahre, nicht nur für YB, sondern auch für die beiden Frauen. Die Ehe der Eltern wurde geschieden, Elisabeth war fortan alleinerziehend. Das schweisste die beiden Frauen zusammen und die Liebe zu YB verband sie. Zweimal war der Meistertitel in den folgenden Jahren zum Greifen nah, zweimal auch der Cupsieg, geklappt hat es dann trotzdem nie. «Das waren harte Momente für uns und ich dachte immer, es sei mir nur einmal im Leben vergönnt mit YB Meister zu werden», so Elisabeth. Das änderte sich im April, als YB nach 32 Jahren endlich wieder einen Meistertitel gewann: «Uns sind nur noch die Tränen runtergelaufen und wir waren unbeschreiblich erleichtert. Dann tanzten und feierten wir die ganze Nacht im Stade de Suisse». Seither trägt Elisabeth sowohl den alten von 1986 wie auch den neuen YB-Meisterschal an den Spielen.

YB verbindet

Während den Spielen sind die beiden Frauen mit viel Emotionen dabei und sie sitzen immer nebeneinander. «Heute hat es ja viel mehr Frauen an den Spielen als früher und wir haben eigentlich nie Angst. Nur einmal bei einem Spiel in Sion wurden wir von gegnerischen Fans angegriffen», erzählt Christina. YB bestimmte gar ihre Partnerwahl: Als Christina vor 10 Jahren Thomas kennenlernt, ein nach ihren Worten Hard-Core-YB-Fan, war schnell alles klar. Inzwischen gehören Mutter und Tochter zu einer Clique von 15 YB-Fans, die zwischen 30 und 70 Jahre alt sind und jeweils gemeinsam an die Spiele gehen. «Uns verbindet mehr als der Fussball, wir sind teilweise enge Freunde. Und ich bin voll integriert, niemand sagt: was will denn die alte Schachtel hier», so Elisabeth, die vor einigen Jahren wieder in die Nähe des Stade de Suisse, wie das neue YB-Stadion heisst, gezogen ist.

Elisabeth und Christina verpassen kein Heimspiel. Und weil Christina bei der Meisterfeier in Amsterdam an ihrem eigenen Polterwochenende war, feierten sie dort einfach ihre eigene Meisterfeier. Auch die Freizeit- und Ferienplanung von Mutter und Tochter wird vom Spielplan von YB bestimmt: «Von uns hört man ab und zu: Dann kann ich nicht, dann spielt YB. Das hat bei anderen auch schon Kopfschütteln ausgelöst, inzwischen haben sich die Leute daran gewöhnt.»

An Christina Polterwochenende in Amsterdam musste der gerade gewonnen Meistertitel natürlich gefeiert werden.

Im August haben Christina und Thomas geheiratet. «YB war auch dann ein Thema». Mehr wollte Christina nicht verraten. Und wenn die beiden mal Kinder haben werden, wird die Liebe zu YB weitergegeben – ob sie wollen oder nicht.

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10 Kommentare zu “«Die Liebe zu YB habe ich mir erarbeitet»

  1. HOPP YB💛🖤Was für ein genialer Bericht über die zwei YB-Fan-Frauen in Bild und Worten…voller Emotionen und mitten aus dem Leben. Ich habe mich sehr darüber gefreut YB FOREVER

  2. Als langjähriger Winterthur-Fan verbinde ich vor allem zwei Daten mit YB: 1. März 2017 und 27. November 2011 😉

    Aber es ist schon gut, dass mal jemand anders als Basel an der Spitze steht!

  3. Etwas stimmt hier nicht, YB stieg 1947 in die NLB ab und 1950 wieder in die NLA auf. Der erneute Abstieg folgte erst 1997. Die Dame ist 1956 oder 1955 geboren, wenn sie 62 Jahre alt ist, auf welchen Abstieg bezieht sich die Reporterin denn?

    1. Lieber Herr Ammann,
      Sie haben selbstverständlich Recht, Elisabeth erlebte erst 1997 den Abstieg von YB in die Nati B. Mea culpa, ist im Text korrigiert. Für die Redaktion – Tanja Kammermann

    1. Lieber David,
      vielen Dank für die Nomination :-), ich bin sehr dankbar für aufmerksame Leser wie Dich, die uns auf Fehler hinweisen.
      Ein lieber Gruss – Tanja Kammermann

  4. Hallo Elisabeth,
    das waren noch Zeiten, es ist so die schönen Erinnerungen bleiben.
    Liebe Grüsse Fränzi Käch Toffen
    „Hopp YB“

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