«Ruf doch einfach rasch an!»
3 min

«Ruf doch einfach rasch an!»

Kathrin Buholzer

Für Storys beobachtet die Journalistin, Betreiberin der Elternseite elternplanet.ch und Mutter von 2 Kindern unsere alltäglichen Überforderungen im Umgang mit den neuen Medien und den digitalen Möglichkeiten.Der Autorin auf Youtube folgen

Kathrin Buholzer, 19. März 2016

Termin abmachen im Jahr 2016

Teenie1: Hi

Teenie2: GG?

T1: GGP

T2: WM?

T1: Auf Snapchat rumhängen du?

T2: M2

*Grinse-Smiley*, *Zwinker-Smiley*, *Augenroll-Smiley*.

Wollen wir am Nachmittag jetzt was machen?

T1: Klaro.

T2: Wann und wo?

T1: Ehm, wart rasch. Kennst du schon das neuste Video von ____ (hier einen Namen eines beliebigen YouTube-Stars einfügen)?

T2: Krass, das hat schon fast 500 000 Aufrufe in nur 12 Stunden.

T1: Ja, ich will mir die Haare auch so färben wie sie.

T2: Sieht voll stylish aus. Hast du gesehen, Nadja aus der 7g hat sie auch so gefärbt.

T1: Ja, voll Scheisse. Ihr steht das voll nicht.

T2: Also in einer Stunde?

T1: Hast du das neuste Bild von Emilia auf Insta schon gesehen?

T2: Ja, voll bearbeitet. Ich könnte schon in einer halben Stunde.

T1: Muss noch das Zimmer aufräumen, sonst motzt meine Mutter wieder rum.

… 1 Stunde und 35 Minuten später

T2: Also es wird wohl doch etwas knapp, muss noch Hausaufgaben machen, wir können ja nachher noch skypen.

T1: Ok. BB

T2: BB. HDL

Termine abmachen, Probleme diskutieren, Lösungen suchen: Via Mail und WhatsApp ist das extrem mühsam, anstrengend und dauert in den meisten Fällen unendlich lange. Nicht nur unter Teenies, sondern auch unter uns Erwachsenen.

Schnell fliegen zwanzig oder mehr Nachrichten hin und her, um ein lumpiges Datum zu vereinbaren!

Irgendwie hat sich das überall so ein bisschen eingeschlichen: Schnell eine Mail oder eine Nachricht schicken, und nicht selten fliegen dann zwanzig oder mehr Nachrichten zwischen Absender und Empfänger hin und her. Und das nur, um EIN kleines Problemchen zu lösen oder EIN lumpiges Datum zu vereinbaren. Ganz oft wird der gestartete Nachrichtenstrom auch unterbrochen – manchmal sogar für Stunden. Dann nämlich, wenn jemand an einer Sitzung, beim Einkaufen oder im Auto unterwegs ist oder die Kinder in den Kindergarten bringen muss.

Ganz besonders umständlich ist das Hin-und-her-Gemaile und-Gechatte, wenn mehr als 2 Personen involviert sind.

Dann muss man warten, und weil man ja den Grund für die lange Pause nicht kennt, fragt man sich: «Oh. Was ist denn los, warum meldet der sich nicht mehr? Hab ich etwas Falsches geschrieben? Ist der vielleicht eingeschlafen? Wurde er entführt? Oder noch schlimmer: Hat er sein Handy verloren?»

Ganz besonders umständlich ist das Hin-und-her-Gemaile und -Gechatte, wenn mehr als zwei Personen involviert sind. Da bekommt man zig Nachrichten im CC, von denen man meistens eh nur die Hälfte versteht, und wird über Dinge informiert, die man eigentlich gar nicht wissen möchte oder die einen überhaupt nicht betreffen.

635 Meldungen später waren alle sauer, genervt und beleidigt.

Ja, und dann gibt’s da noch die Gruppenchats, in denen oft zehn oder noch mehr Leute mitschreiben.

Kürzlich hatte unsere Tochter einen Volleyballmatch, und es fehlten für diesen Tag Spielerinnen. Der Gruppenchat wurde um 09:45 gestartet, und um 17:51, 635 Meldungen später, gab es immer noch keine Lösung.

Alle waren sauer, genervt und beleidigt. Bis sich dann irgendwann mal eine Mutter ins Geschehen einmischte: «Hey. So was kann man doch nicht in einem Chat besprechen. Die Betroffenen sollen das doch einfach zusammen klären. Ich hab euch einen guten Tipp:

Ruft doch einander einfach rasch an

 

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