Familie H. gemeinsam im Wohnzimmer.
5 min

Medien und Geschwister – nicht bei allen gleich

Familie H. nimmt uns mit in ihren Alltag und zeigt, wie sie die Medienerziehung bei unterschiedlich alten Geschwistern meistern.

Familie H. hat klare Regeln, die für alle drei Kinder zwischen 9 und 15 gelten. Die wichtigste lautet: um 20 Uhr sind die Handys an einem fixen Ort platziert – im Flugmodus. Lars (15) hat das ein-, zweimal nicht so genau genommen und musste drauf ganz aufs Handy verzichten. Das konsequente Handeln erzielte die gewollte Wirkung: Pünktlich liegen die Handys an ihrem Platz. Die Sanktionen bei Lars haben bei allen Kindern gewirkt.

Was für eine Medienfamilie sind Sie?

In Familien gehts manchmal stürmisch zu und her. Etwa wenn Teenager neben sich stehen oder sich alle über Mediennutzung zoffen. Hier helfen klare Werte, Ziele und Regeln. Erstellen Sie für Ihre Familie Ihr Medienleitbild.

«Erklär mir das!»

Ayla hilft Elin einen Song, den sie besonders mag, auf ihren iPod zu laden.
Ayla hilft Elin einen Song, den sie besonders mag, auf ihren iPod zu laden.

Überhaupt: Lars ist für seine Schwestern ein Vorbild. Und Ayla (13) wendet sich bei Fragen denn auch an ihren grossen Bruder. Von ihm hat sie gelernt, wie digitale Medien genau funktionieren. Und nun, da ihr Bruder für ein Jahr im Schüleraustausch in Australien ist, ist sie die Grosse zu Hause. Und unterstützt ihre kleine Schwester Elin. Diese liebt Musik und gefällt ihr ein Song besonders gut, will sie ihn immer wieder hören. Sie zeigt ihr, wie das funktioniert und worauf sie achten muss. So wie ihr älterer Bruder Lars das auch ihr beigebracht hat.

Tipps: Wenn Geschwister sich untereinander helfen

Bis 12 Jahre

  • Jüngere Kinder lassen sich von älteren Geschwistern meist gerne Dinge erklären. Trotzdem sollten sie die Wahl haben. Erlauben Sie Ihrem Kind, dass es sich ins eigene Zimmer oder ins Freie zurückziehen darf. Auch Kinder möchten mal in Ruhe gelassen werden und selber entscheiden.
  • Lassen Sie auch mal das jüngere Kind dem älteren oder den Eltern etwas erklären. Oder lernen Sie als Eltern gemeinsam mit dem jüngsten Kind, wie man etwa Musik herunterlädt.

Ab 12 Jahren

  • Ältere Kinder lassen sich oft nicht mehr alles von grösseren Geschwistern erklären. Unterstützen Sie Ihre Kinder beim Selbstständigwerden, indem auch Sie zulassen, dass sich die Rollen Ihrer Kinder verändern.
  • Lassen Sie Ihren Teenager seine Fertigkeiten selber entwickeln. Indem Sie ihn etwa bitten, herauszufinden, woran man manipulierte Bilder erkennt. Etwa nach einer Recherche auf der Website zu 24 Manipulationstypen. Danach soll es bearbeitete Bilder suchen, Ihnen diese präsentieren und die Bearbeitung beschreiben.

«Ich will auch»

Mutter und Töchter diskutieren über die Sendung, die heute im Fernsehn geschaut werden darf.
Mutter und Töchter diskutieren über die Sendung, die heute im Fernsehn geschaut werden darf.

Elin, das Nesthäkchen, ist vif und möchte manchmal auch wie die Grossen. Da bleiben die Eltern Corinne (45) und Lukas (45) achtsam, denn sie wissen: Jedes Kind ist einzigartig; es ist wichtig, auch das Jüngste nicht zu überfordern, nur weil die älteren Geschwister schon vorgespurt haben. Und man dazu neigt, den Jüngeren zu viel durchgehen zu lassen. Aber Elin versuchts natürlich immer wieder. Etwa beim Autofahren. Denn Ayla und Lars besitzen seit der Oberstufe ein Handy. Bei Autofahrten vertreiben sie sich damit manchmal die Zeit, wenn die Fahrt dauert. Elin will dann auch. Und da sie noch kein eigenes Smartphone besitzt, möchte sie jeweils das Handy ihrer Mutter benutzen.

Auch beim Fernsehen gelten nicht für alle dieselben Regeln. Abwechslungsweise darf jedes Kind mal eine Sendung auswählen. Und der Vater oder die Mutter schaut dann mit dem einen Kind im Fernsehzimmer die ausgewählte Sendung. Manchmal findet dann die kleine Elin: Ich will auch. Wenn sie zu jung für die Sendung ist, bleiben die Eltern aber konsequent.

Tipps zum Medienkonsum von unterschiedlich alten Kindern

Bis 12 Jahre

  • Vergleichen Sie Ihre Kinder nicht untereinander, beobachten Sie jedes Kind für sich: Leiten Sie daraus die Argumente ab, um zu erklären, wieso etwas erlaubt ist oder nicht. Stehen Sie konsequent zu Ihrem Entscheid.
  • Beobachten Sie jedes Kind für sich: Leiten Sie daraus die Argumente ab, um zu erklären, wieso etwas erlaubt ist oder nicht.
  • Achten Sie auf die Altersbeschränkung von Filmen und Sendungen und erklären Sie Ihren Kindern, dass sie zu ihrem Schutz ist: FSK-Altersfreigabe, etwa bei allen Swisscom TV-Mietfilmen.

Ab 12 Jahren

  • Lassen Sie jedes Kind seine Sicht der Dinge schildern – die Situation und wie es sich fühlt. Entwickeln Sie nun gemeinsam Lösungen.
  • Hören Sie Ihren Kindern dabei gut zu. Das heisst: Nehmen Sie Anteil, nehmen Sie sich Zeit und halten Sie sich mit Ihrer Sichtweise zurück.
  • Fehlt die Altersfreigabe? Bitten Sie Ihre Kinder, die Alterseinstufung für Kinofilme oder Videos zu konsultieren.

«Das weiss ich schon»

Die Familie diskutiert am Tisch immer wieder über digitale Ereignisse.
Die Familie diskutiert am Tisch immer wieder über digitale Ereignisse.

Lukas und die Kinder bringen ab und zu Geschichten zu digitalen Ereignissen an den Familientisch – aus der Presse, vom Hörensagen oder aus der Schule. Diese Themen besprechen sie jeweils in der ganzen Familie und die Eltern fragen genau nach, auch wenn die Kinder denken, sie kennen etwas aus dem Effeff. Denn die Eltern sind überzeugt: Zur Medienkompetenz gehört auch, Inhalte kritisch zu analysieren und Konsequenzen zu erkennen. Corinne und Lukas wissen: Hier sind sie ihren Kindern voraus. Denn sie besitzen Lebenserfahrung und können Folgen besser abschätzen.

Tipps zum Austusch über digitale Themen in der Familie

Bis 12 Jahre

  • Halten Sie regelmässig einen Familienrat zum Umgang mit digitalen Medien ab – einmal pro Monat etwa. Alle Familienmitglieder können und sollen teilnehmen. Besprechen Sie Ihre brennenden Medienthemen, fällen Sie gemeinsame Entscheide, die allen gerecht werden und halten Sie diese fest. Wichtig ist: Jede Stimme wiegt gleich viel; der Vorsitz geht reihum und stellt sicher, dass jedes Familienmitglied ein Thema einbringen kann.

Ab 12 Jahren

  • Lassen Sie Ihre Kinder aktuelle Themen einbringen. Wie haben sie von diesen erfahren? Ist es ein brennendes Thema an der Schule?
  • Erklären Sie ab und zu einen Tag zu einem «verkehrten Tag». Das heisst: Ihre Kinder übernehmen Ihre Aufgaben und umgekehrt – möglichst vollständig, also auch inklusive Medienregime. So sieht jeder den Familienbetrieb mit den Augen des anderen. Das erhöht das Verständnis und belebt.

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