Medienleitbild – was macht unsere Familie aus?
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Medienleitbild – was macht unsere Familie aus?

In Familien geht’s manchmal stürmisch zu und her. Etwa wenn Teenager neben sich stehen oder sich alle über Mediennutzung zoffen. Hier helfen klare Werte, Ziele und Regeln. Erstellen Sie für Ihre Familie Ihr Medienleitbild.

In einem Leitbild halten Vereine, Organisationen und Unternehmen ihre Ziele und Haltungen schriftlich fest. Wir finden: Die Familie, unsere wichtigste Organisationsform, sollte das genauso halten. Auch wenn das auf den ersten Blick nach Entzauberung des alltäglichen Chaos aussieht. Trotzdem macht es auf den zweiten Blick Sinn. Denn wer in einvernehmlichen Momenten gemeinsame Ziele und Regeln definiert, kommt sicher durch stürmische Zeiten – wenn etwa Teenager in der Pubertät neben sich stehen, wenn Schule oder Arbeitgeber Stress verbreiten.

So erstellen Sie ein Medienleitbild für Ihre Familie

Legen Sie einen Termin fest, an dem Sie sich als Familie zusammensetzen. An einem verregneten Wochenende zum Beispiel. Zunächst beantwortet nun jeder für sich einige oder alle der folgenden Fragen:

  • Welche Medien nutzen wir als Familie?
  • Wie geht unsere Familie mit Medien um?
  • Was verstehen wir unter einer gesunden Balance zwischen on- und offline?
  • Wie wollen wir miteinander und mit unseren Mitmenschen kommunizieren?
  • Wie organisieren wir unser Familienleben?
  • Welche Werte, Traditionen, Rituale oder Regeln sind uns wichtig?
  • Was bedeutet für uns ein massvoller Umgang mit Medien?
  • Wer sind unsere Vorbilder punkto Mediennutzung, denen wir nacheifern wollen?
  • Wie wollen wir in der Familie voneinander lernen, auch was Medien betrifft?
  • Was ist für uns eine gute Beziehung zwischen Eltern und Kindern? Und was bedeutet das für den Umgang mit Medien?
  • Was ist für uns eine gute Beziehung unter Geschwistern?
  • Was macht uns als Familie zufrieden?

Die Form, wie Sie Ihre Antworten festhalten, ist frei: Stichworte, Zeichnungen, Skizzen, Bilder, Musik. Auch kleine Kinder können mitmachen und selber Antworten beisteuern oder auch einfach zuhören, nachfragen und kommentieren. Hat jeder für sich die Fragen beantwortet, stellen Sie sich Ihre Antworten vor. Freuen Sie sich auf unterschiedliche Sichtweisen und urteilen Sie nicht.

Spielregeln

  1. Ernsthaft und achtsam
    In den ersten Minuten fühlt sich die Diskussion vielleicht etwas seltsam. Gehen Sie respektvoll miteinander um, lassen Sie alle zu Wort kommen, lassen Sie keine Ablenkungen zu, lachen Sie niemanden aus. Spass haben sollen Sie aber schon. So kann wunderbar eine offene Atmosphäre entstehen.
  2. Weder bewerten noch lösen
    Hören Sie zu, was jeder zu berichten hat. Werten Sie nicht, lassen Sie die Antworten wirken. Nachfragen ist natürlich erlaubt. Aber zerreden Sie Antworten nicht und bringen Sie nicht gleich Lösungen. In der ersten Phase geht es darum, alle Perspektiven zu sammeln und zum Weiterdenken anzuregen.
  3. Festhalten und ordnen
    Ein Familienmitglied hält das Gesagte fest. Danach beginnt die Arbeit: Fassen Sie verwandte Punkte zusammen und bringen Sie sie in eine Reihenfolge – von ganz wichtig bis weniger wichtig. Die Diskussionen können anstrengend sein, aber letztendlich bereichernd. Sollten Sie an einem Punkt nicht weiterkommen, ist das nicht schlimm. Vertagen Sie die Diskussion.
  4. Fertigstellen
    Kurz und knapp überzeugt. Was fängt Ihre Haltung am besten ein und gefällt allen? Einigen Sie sich auf einen Satz, einen Slogan, ein Zitat oder eine Stichwortsammlung. Finden Sie ein Symbol, ein Bild oder eine Melodie. Sie haben die Wahl – es ist Ihr ganz persönliches Familien-Medienleitbild.
  5. Dranbleiben
    Ein Medienleitbild ist immer eine Momentaufnahme. Setzen Sie sich regelmässig zusammen und prüfen Sie, ob Sie das Medienleitbild Ihrer Familie anpassen sollten. Oder reicht eine neue Interpretation?

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