Schulen verbieten WhatsApp – 4 sichere Messenger-Dienste
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Schulen verbieten WhatsApp – 4 sichere Messenger-Dienste

WhatsApp ist das meistgenutzte Chat-Tool der Schweiz. Einige Schulen jedoch kommunizieren aus Datenschutzgründen nicht mehr über das Facebook-Programm. Wir stellen vier Alternativen vor.

Schüler besprechen ihre Hausaufgaben über den Klassenchat, Lehrer und Lehrerinnen organisieren die Schulreise oder den Waldmorgen über WhatsApp-Chat-Gruppen. Nicht so die Lehrkräfte an Winterthurer Schulen. Dort ist der Messenger, der zu Facebook gehört, seit Frühjahr 2019 verboten. Auf der Homepage der Stadt Winterthur wurde ein Merkblatt zur digitalen Kommunikation in Schulen hochgeladen. Darin steht: «WhatsApp ist nicht datenschutzkonform, da das ganze Adressbuch mit amerikanischen Servern synchronisiert wird. Zusätzlich beträgt das Mindestalter für die Nutzung 16 Jahre. WhatsApp ist daher für die Schule nicht zulässig.» Ein Winterthurer Klassenlehrer informierte seine Schüler daraufhin wie folgt: «Ich werde auf allen bisherigen Kanälen ausser WhatsApp, dafür aber auf wire.com für euch erreichbar sein. Ab sofort erhaltet ihr keine WhatsApp Nachrichten mehr von mir.»

Alternativen sind gefragt. Inzwischen gibt es einige Nachzügler, die ebenso nutzerfreundlich sind wie WhatsApp, die jedoch die Daten ihrer Nutzer nachweislich schützen. Für den Chat unter besten Freunden, in der Familie oder in der Schulklasse schenken Sie Ihr Vertrauen besser einem Messenger-Dienst, der die Anforderungen an den Datenschutz erfüllt.

Dr. Ronny Standtke, Dozent für Informatik an der Hochschule für Technik der Fachhochschule Nordwestschweiz, empfiehlt vier sichere Alternativen zu WhatsApp:

1. Signal

  • Gratis für iPhone und Android
  • Datensparsam
  • Gutes Feature-Set
  • Alle Nachrichten und Gespräche End-zu-End-verschlüsselt
  • Open Source: von unabhängiger Stelle überprüft

Nachteile:

  • Handy-Nummer muss bei der Registrierung angegeben werden

www.signal.org

2. Riot

  • Gratis für iPhone und Android
  • Gutes Feature-Set
  • Open Source: von unabhängiger Stelle überprüft
  • Aktive Weiterentwicklung

Nachteile:

  • Begrenzte Verbreitung
  • End-zu-End-Verschlüsselung muss selbst aktiviert werden

www.riot.im

3. Wire

  • Gratis für Privatgebrauch (iPhone und Android)
  • Open Source: von unabhängiger Stelle geprüft
  • Alle Nachrichten und Gespräche End-zu-End-verschlüsselt
  • Daten werden nicht auf dem Server gespeichert
  • Hohe Qualität von Video-Anrufen

Nachteil:

  • Lokales Backup nicht verschlüsselt (nur Android)

www.wire.com

4. Threema

  • Swiss Made
  • Gutes Feature-Set
  • Keine Handy-Nummer für Registrierung notwendig
  • Garantierte Privatsphäre: Daten werden nicht auf Servern von Threema gespeichert
  • Nachrichten, Dateien und Telefongespräche durch End-to-End-Verschlüsselung gesichert

Nachteile:

  • App kostet CHF 3.00 (Bildungseinrichtungen erhalten Rabatt)

www.threema.ch

Das sollten Sie über WhatsApp wissen:

WhatsApp gehört Facebook.

2014 hat Facebook den weltweit meistgenutzten Messenger-Dienst gekauft und so Millionen von persönlichen Daten wie E-Mail-Adressen und Telefonnummern gesammelt. Das Mindestalter für Nutzer liegt aktuell bei 16 Jahren.

Facebook hat Zugang zum Adressbuch der WhatsApp-Nutzer.

Mit dem Akzeptieren der allgemeinen Geschäftsbedingungen stellen Sie Facebook die Adressen und Telefonnummern aus Ihrem Verzeichnis zur Verfügung – ohne das Wissen und Einverständnis deren Besitzer.

Sicherheit ist nicht überprüfbar.

Nachrichten zwischen WhatsApp-Nutzern sind nach Angaben des Unternehmens durch eine End-zu-End-Verschlüsselung gesichert. Dies lässt sich jedoch nicht von unabhängigen Experten überprüfen, da der Dienst eine Closed Source nutzt (Quellcode ist nicht frei zugänglich).

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9 Kommentare zu “Schulen verbieten WhatsApp – 4 sichere Messenger-Dienste

  1. Ich bin erstaunt, wie Skype immer wieder vergessen wird. Ist auf vielen Plattformen verfügbar und auch schon auf vielen Geräten vorinstalliert und bietet auch End-zu-End Verschlüssung an.

    1. Lieber Herr Hunziker

      Vielen Dank für Ihr Feedback! Skype ist deswegen nicht unter den obigen Empfehlungen, weil für die Nutzung ein Konto eingerichtet werden muss und weil in Bezug auf das Tool von Microsoft Bedenken bezüglich Sicherheit und Nutzung der Daten bestehen. Von daher stellt es keine wirklich bessere Alternative zu WhatsApp für Schüler dar.

      Beste Grüsse aus der Redaktion
      Tessa Meier

  2. Dass Wire „Swiss Made“ ist, wäre mir neu. Die Entwicklung läuft in Berlin, die Server stehen irgendwo in der Cloud (Irland?), der „Firmensitz“ in Zug ist vermutlich ein Briefkasten. Die Firma behauptet auf ihrer Website übrigens auch nirgens, dass sie „Swiss Made“ ist, lediglich der Firmenname suggeriert das. Geschickt.

  3. Zwei Korrekturen:
    1. Wire ist nicht Swiss Made. Die Entwicklung findet in Berlin statt, die Server sind bei Amazon in Irland (Quelle: https://bellevue.nzz.ch/auto-gadgets/alternativen-zu-whatsapp-sechs-messenger-apps-im-test-ld.1478532)
    2. Threema wurde kürzlich von unabhängiger Stelle überprüft und die Verschlüsselung und andere Protokolle sind Open Source (Quelle: https://www.heise.de/security/meldung/Messenger-Threema-uebersteht-Sicherheitspruefung-fast-ohne-Vorkommnisse-4357878.html und https://github.com/threema-ch)
    Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihren Artikel entsprechend berichtigen könnten.

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