Mit dem Smartphone auf Pilzsuche
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Mit dem Smartphone auf Pilzsuche

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Beat Rüdt (Text), Bernhard Rüdt (Fotos), 13. Oktober 2015

Im Grunde genommen ist Pilzesammeln denkbar einfach. Man geht in einen Wald und hält Ausschau nach Pilzen. Ist man fündig geworden, untersucht man den Pilz; wenn er essbar ist, nimmt man ihn in einem Körbchen mit nach Hause. 

Das Problem: Viele Pilzarten sehen sich sehr ähnlich und sind nur von Experten zu unterscheiden. Dass dies eine reale Gefahr ist, zeigen die rund 450 Pilzvergiftungen, die Tox Info Suisse jedes Jahr registriert

 

Die Vorbereitung

Bevor wir in den Wald aufbrechen, haben wir uns deshalb ein paar Pilzsammler-Apps angeschaut, mit denen man Pilze einfach und schnell bestimmen kann. Überzeugt hat uns Myco Pro, eine App, mit der man Schritt für Schritt Merkmale der Pilze erfassen kann, bis man als Resultat (hoffentlich) den richtigen Pilz gefunden hat und erfährt, ob er essbar ist oder nicht.

Von A wie «Abblätternder Stäubling» bis Z wie «Zottiger Birkenmilchling» enthält die App Informationen zu 311 Pilzen. Sämtliche Bilder und Beschreibungen stammen aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Die Leistung der App-Entwickler ist denn auch nicht das Zusammentragen der Informationen, sondern die einfache Art, wie man einen gefundenen Pilz bestimmen kann. 

Als weitere Ausrüstungsgegenstände nehmen wir ein Körbchen – Pilze brauchen viel Luft und sollen nie in Plastiksäcken transportiert werden –, ein Messer, eine Lupe und ein Säckchen für Pilze, die wir als nicht geniessbar einstufen und später einem Profi vorlegen möchten. Mit dabei haben wir auch Schreibzeug für allfällige Notizen. 

Auf Pilzsuche

Als Suchgebiet empfiehlt uns ein Pilzexperte jeden beliebigen Wald. In der Stadt Bern verweist er uns in den Bremgartenwald. Mehr wird nicht verraten – wer die besten Pilzsammelplätze kennt, behält sie in der Regel für sich. 

Innerhalb von 31 Sekunden haben wir den Pilz identifiziert.

Wir machen uns also auf und dringen auf immer kleineren Wegen ins Gehölz ein. In der ersten halben Stunde entdecken wir keinen einzigen Pilz. Dann plötzlich an einem Baumstrunk der erste Fund. Nur: Das Exemplar lässt sich mit der App nicht bestimmen, wir lassen es stehen. 

Gleich daneben aber finden wir einen weiteren Pilz. Innerhalb von 31 Sekunden haben wir den Pilz (hoffentlich richtig) identifiziert.


Dann geht es rasch vorwärts: Innerhalb der nächsten zwei Stunden entdecken wir insgesamt zehn verschiedene Pilzarten.

Drei sind essbar, zwei sind nicht geniessbar, einer ist tödlich.

Sechs davon können wir mit der App identifizieren: Drei sind essbar, zwei sind nicht geniessbar, einer ist tödlich. Die geniessbaren legen wir in unseren Sammelkorb; von den ungeniessbaren und dem giftigen je einen in ein separates Säckchen, denn wir wollen später in der Pilzkontrolle noch wissen, ob die App uns zum korrekten Resultat geführt hat.

Die Pilzauswahl löst beim Kontrolleur Bedauern aus.
Vertrauen ist gut, (Pilz-) Kontrolle ist besser

Am Nachmittag kommt dann die Stunde der Wahrheit: Wir legen die gesammelten Pilze auf dem Polizeiinspektorat der Stadt Bern einem Pilzkontrolleur vor (hier finden Sie eine Pilzkontrollstelle in Ihrer Nähe).

Wichtig bei der Bestimmung: der Geruch.

Die erste Reaktion des Pilzkontrolleurs: ein mitleidiger Blick. Man sehe schon an der Auswahl, dass wohl nicht gerade viel Essbares im Wald gewachsen sei – was ihn nicht verwundere nach dem heissen und trockenen Sommer. Das zeigen auch die wenigen bisher durchgeführten Kontrollen.

Der Rest ist schnell erzählt: Kein einziger Pilz konnte richtig bestimmt werden. Hätten wir die Pilze ohne die Profi-Kontrolle genossen, hätten wir uns nicht vergiftet, aber wir hätten auch keinen einzigen Speisepilz in der Pfanne gehabt.

Wie reagiert der Pilz, wenn man ihn ritzt?

Wenn man dem Pilzkontrolleur zuschaut, sieht man auch sofort, was eine App – und damit ist nicht nur die getestete gemeint – nicht leisten kann. Merkmale wie Hutform, Farbe oder Lamellen machen nur einen kleinen Teil der Pilzbestimmung aus. Geruch spielt eine wichtige Rolle, die Reaktion auf Berührung und Schnitt und nicht zuletzt die über Jahre erworbene Erfahrung. 

Aus dem Pilzsösschen wird also vorerst nichts. Aber eins ist klar: Sobald die Bedingungen für die Pilzsuche besser sind, nehmen wir einen zweiten Anlauf.

Über den Autor

Beat Rüdt ist Journalist und lebt in Bern. Er befasst sich mit digitalen Entwicklungen und visuellen Darstellungsformen. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

 

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