Wie aus einem Drama ein Thriller mit Happy End wurde
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Wie aus einem Drama ein Thriller mit Happy End wurde

Die kleine Gemeinde Seehof im Berner Jura ist Drehort für den Schweizer Krimi «Von Fischen und Menschen». Bis vor Kurzem hatte Seehof keinen Mobilfunkempfang. Warum vor allem die Filmtechniker ohne Netz aufgeschmissen sind und wie es doch noch zum Happy End kam.

Bereits frühmorgens herrscht emsiges Treiben in Seehof, einer kleinen Gemeinde im Berner Jura, eine gute halbe Autostunde von Delémont entfernt. Wo gerade mal 63 Personen leben, hat sich die Einwohnerzahl auf einen Schlag um eine rund 40-köpfige Filmcrew vergrössert. Sechs Wochen lang wird hier das Drama «Von Fischen und Menschen» (Dschoint Ventschr Filmproduktion AG, Zürich) gedreht, welches im September 2020 in die Kinos kommt und später bei SRF und auf Swisscom TV zu sehen sein wird.

Zum Autor

Yannick Hug ist Mediamatiker im 4. Lehrjahr bei Swisscom. Durch den mediennahen Beruf hat er einen engen Bezug zum Filmschaffen und er konnte bereits verschiedene Videoproduktionen vom Drehbuch über das Filmen bis hin zum Schnitt begleiten. Als sich ihm die Chance für diesen Artikel bot, war er sofort Feuer und Flamme.

Die Stimmung am Filmset ist aufgeräumt und entspannt, trotz langer und anstrengender Drehtage. Dass dem so ist, hat nicht zuletzt auch mit Swisscom zu tun. Diese hat auf Anfrage der Filmproduktion den für April 2020 geplanten Netzausbau in Seehof um acht Monate vorgezogen und so ein geordnetes Arbeiten überhaupt erst möglich gemacht. «Als es jedoch drei Tage vor dem Drehstart hiess, die Antenne könne wegen ausstehenden Materiallieferungen doch nicht rechtzeitig in Betrieb genommen werden, war ich erst mal konsterniert», sagt Produktionsleiter Beni Lehmann. «Nicht auszudenken, was für einen Mehraufwand wir hätten betreiben müssen, sechs Wochen ohne Netz», sinniert Lehmann weiter.

Nächster Ort mit Empfang ist 15 Minuten entfernt

Für die unmittelbaren Dreharbeiten ist ein Funkloch zwar weniger problematisch. Auf dem Filmset wird nach wie vor mit Walkie-talkies kommuniziert. Aber für die Kommunikation nach Aussen ist ein funktionierendes Netz unverzichtbar geworden. Viele Crew-Mitglieder sind permanent auf und am Draht, im Production Office laufen sämtliche Fäden zusammen. Da ist Empfang entscheidend. Nicht nur für Gespräche, auch für die Datenübertragung ist das Netz eminent wichtig. So wird heutzutage beispielsweise das sogenannte Call Sheet, der tägliche Drehplan mit sämtlichen relevanten Informationen und Anweisungen, auch per WhatsApp verschickt.

Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, hat die Filmproduktion vorsorgen müssen und einen Set-Runner als Kurier optioniert. Seine Aufgabe hätte nur darin bestanden, im Stundentakt die Informationen vom Filmset zur Aussenwelt, sprich in’s Gebiet mit Empfang und wieder retour zu übermitteln. Dafür hätte er einmal pro Stunde ins 15 Minuten entfernte Crémines fahren müssen, dort Daten, verpasste Gespräche und Informationen sammeln und wieder zurück nach Seehof ans Set fahren müssen. Vor Ort wären die Informationen dann mündlich oder über Funk verteilt worden. «Es ist total selbstverständlich geworden, dass man zum Arbeiten immer und überall Netz hat. Was es bedeutet, wenn man mal keines hat, wird einem erst richtig bewusst, wenn man plötzlich – wie wir – mit einer solchen Situation konfrontiert wird», so Lehmann weiter.

Früher ging es auch analog

Andererseits wurden früher ja auch schon Filme gedreht. Die erfahrene Regie-Assistentin Marianne Eggenberger gab im Zuge des Wartens eine Anekdote aus ihrer Anfangszeit beim Film zum besten: Die Crew brauchte einen Streifenwagen der Polizei, aus dramaturgischen Gründen musste es ein BMW sein. Diese Autos gab es nur in Bayern, gedreht wurde jedoch in Norddeutschland. Also musste sie am Vorabend eine Viertelstunde zur nächsten Telefonkabine laufen und versuchen einen solchen zu organisieren, was letztlich glückte. Nach dem Telefon sind die Polizisten losgefahren und waren am nächsten Morgen pünktlich am vereinbarten Ort. Ganz ohne Live-Standort und Updates via Smartphone.

Seehof – wir sind verbunden

Buchstäblich in letzter Sekunde hat sich auch in Seehof alles zum Guten gewendet. Eine 20-köpfige Taskforce, bestehend aus Mitarbeitenden von Swisscom und Cablex, hat das schier Unmögliche möglich gemacht. In nur drei Tagen wurden Arbeiten erledigt, die im normalen Arbeitsprozess rund zwei Monate beanspruchen. Um das Ziel zu erreichen und kostbare Zeit zu sparen, wurde Vieles vorerst nur provisorisch angelegt, anders wäre der Zeitplan unrealistisch gewesen. «In diesen letzten Tagen kam ich mir vor wie in einem Thriller», so Lehmann. «Ich stand in regelmässigen Austausch mit der Leitstelle von Swisscom und habe bis zuletzt gebangt, gehofft und gezittert. Die Erleichterung war dann entsprechend gross, als es am 8. August um Punkt 13 Uhr 15 hiess: Seehof – we are connected».

Das Swisscom Netz

Aus Verbundenheit zur ganzen Schweiz verbindet Swisscom auch kleine Gemeinden wie Seehof mit der Welt. Hier profitieren Sie seit Kurzem von Highspeed Internet mit bis zu 500 Mbit/s. Im 2019 ist das Swisscom-Netz im Connect-Test einmal mehr als bestes Netz ausgezeichnet und mit dem Prädikat «Überragend» bewertet worden.
Hier geht’s zum besten Netz

Ein bisschen differenzierter beurteilt Regisseurin Stefanie Klemm die Situation: «Während der Dreharbeiten ist mein Smartphone immer ausgeschaltet, damit ich mich voll und ganz dem Acting und dem Film widmen kann. Unmittelbar hätte ich also keine direkten Auswirkungen gehabt. Nach getaner Arbeit bin aber auch ich froh, wenn ich wieder Verbindung zu meinen Freunden und zur Familie aufnehmen kann.»

Froh über eine solche Verbindung ist auch das halbe Dutzend Filmtechniker, die anders als der Grossteil der Crew nicht in Delémont übernachten, sondern während des Drehs in einer Ferienwohnung in Seehof wohnen. Ohne diese Verbindung hätten auch sie sich jeweils ins Auto setzen müssen, wenn sie abends mit ihren Liebsten kommunizieren wollten.

Krimi ohne Happyend

Unterdessen ist es Mittag geworden in Seehof und von der Regie-Assistenz schallt es in die Runde: «Ruhe am Set, wir drehen. U…nd Action». Sofort begeben sich alle auf ihre Position. An einem Tisch sitzen die Hauptdarstellerin, Sarah Spale, bekannt aus der SRF-Serie Wilder und Matthias Britschgi, der unter anderem bei der Schweizer Filmkomödie ‚Achtung, fertig, WK!‘ mitgewirkt hat. Zusammen mit einem Polizisten, gespielt von Philippe Schuler schauen sie gebannt auf ein Überwachungsvideo. Nach einem kurzen Dialog steht Matthias auf und lässt sich auf ein Matte fallen…

Sarah Spale ist Judith, die durchsetzungsstarke, alleinerziehende Mutter der 6-jährigen Milla und führt eine kleine Fischfarm in der idyllischen Abgeschiedenheit des Juras. Zwischen ihr und Gabriel, dem ehemals drogenabhängigen neuen Mitarbeiter, baut sich ein vertrauensvolles Verhältnis auf, das bald über eine berufliche Zusammenarbeit hinausgeht. Das Glück währt jedoch nicht lange. Judith und Milla geraten in einen Überfall. Das kleine Mädchen erleidet lebensgefährliche Verletzungen, denen es schliesslich erliegt. Judiths Trauer ist ebenso gross wie ihre Wut auf den Täter, der unbekannt entkommen konnte. Verzweifelt und trostbedürftig klammert sie sich an Gabriel und drängt ihn dazu, gemeinsam den Schuldigen zu suchen – ohne zu ahnen, dass er mit drin steckt.

«Und cut. Alles auf Anfang. Wir drehen die Szene nochmals» hören wir Stefanie Klemm rufen. Dies wiederholt sich noch einige Male, immer wieder werden kleinste Details angepasst. Und während ich gespannt auf den nächsten Take warte, denke ich so für mich: «Irgendwie schade, dass es im Film nicht auch zu einem Happy End kommen wird».

Swisscom unterstützt das Filmschaffen in der Schweiz

Swisscom ist eng mit der Schweiz und den hier lebenden Menschen verbunden. Deshalb engagieren wir uns in kulturellen Bereichen und unterstützen unter anderem das Schweizer Filmschaffen. So sind wir sowohl Hauptsponsorin der Solothurner Filmtage und seit 23 Jahren des Locarno Film Festival.

Von der Grossleinwand in die gute Stube: mit Swisscom TV bringen wir den Schweizer Film direkt zu Ihnen nach Hause. Im Teleclub on demand-Katalog finden Sie aktuell 180 Schweizer Filme, die nur darauf warten, Sie zu unterhalten.

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3 Kommentare zu “Wie aus einem Drama ein Thriller mit Happy End wurde

  1. Habe ich richtig gelesen? Erwachsene Filmprofis können nicht zwei drei Tage ohne Verbindung nach Haus auf dem Set sein? Ein Armutszeugnis. Weit haben wir es gebracht mit unseren technischen Abhängigkeiten . . . Aber natürlich soll das ja u.A. auch die unbestreitbare Leistung der Swisscom unterstreichen. War interessant zu lesenI

    1. Sie scheinen den Artikel nicht richtig gelsen zu haben. Ein Armutszeugnis. Weit haben wir es gebracht ohne die Fähigkeit einen Artikel lesen zu können.

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