Die Fotografin Ursula Markus in ihrer Wohnung
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«Ich werde weiterfotografieren, solange ich kann»

Die Schweizer Fotografin Ursula Markus redet nicht gerne über sich. Die 78-Jährige lässt lieber Bilder für sich sprechen. Wie sie sich als Frau in einer Männerwelt behauptete. Und warum sie seit 60 Jahren vorwiegend Menschen am Rande der Gesellschaft fotografiert.

Auf der Höhe des Sex-Kinos an der Langstrasse geht es in die Rolandstrasse. Hier wohnt die Fotografin Ursula Markus seit fast dreissig Jahren. Ein endloses Treppenhaus führt ins Dachgeschoss; ihre Wohnung ist vermutlich eine ausgebaute Mansarde. Das Herbstlicht scheint durch die Dachfenster, die Einrichtung zeugt von vielen Reisen.

Die Fotografin Ursula Markus in ihrer Wohnung an der Rolandstrasse.

«Ich musste mich viel rechtfertigen, warum ich hier lebe. In meinem Fotobuch ‹Langstrasse› versuchte ich zu zeigen, warum es sich so lohnt, hier zu wohnen. Ich habe einfach weniger Fernweh hier», sagt Ursula Markus und lacht.  

Ablehnung der Kunstgewerbeschule

«Ich wollte schon früh eine eigene Fotokamera. Doch mein Vater wollte mir keine kaufen, weil er ahnte, dass ich aufhören würde zu zeichnen. Mit 19 habe ich dann meine erste Kamera erhalten und natürlich sofort aufgehört mit dem Zeichnen», sagt Markus mit einem verschmitzten Lächeln. Sie ist eine Frau mit einem starken Willen. Als sie an der Kunstgewerbeschule die Aufnahmeprüfung für die Fotoklasse absolvierte, meinte der damalige Leiter der Studiengangs: «Sie sind total unbegabt, geben Sie es auf.» Darauf Ursula Markus: «Das sagen Sie, dann mache ich das auf einem anderen Weg.» 

Ursula Markus bewarb sich bei einer Werbeagentur, die stellten sie zuerst als Sekretärin ein, weil der Fotograf dachte, das sei kein Beruf für Frauen. «Er wollte mir sogar beweisen, dass es nichts für mich ist und liess mich monatelang nur die schwere Ausrüstung tragen und in der Dunkelkammer sitzen.» Nach einem Jahr hatte sie genug, realisierte zwei Fotoreportagen und konnte diese auf Anhieb bei einem Magazin platzieren. «Das war mein Durchbruch», sagt sie.   

Scheidung als Kreativturbo

Als ihre fotografisch interessanteste Phase bezeichnet Ursula Markus die Zeit nach 1989, also nach ihrer Scheidung. Vorher kam immer die Familie an erster Stelle. Ihre Kinder waren inzwischen junge Erwachsene und sie war frei. Zu ihren wichtigsten Arbeiten gehören Reportagen über die Zürcher Langstrasse, rumänische Strassenkinder, Transmenschen und Flüchtlinge. 

«Ich habe bei meiner Arbeit viele schlimme Dinge gesehen, aber wenn du auf das Menschliche fokussierst, verliert es seinen Schrecken. Ich wollte immer meine Helden zeigen. Und das sind nicht bekannte Persönlichkeiten, sondern ganz normale Menschen», sagt Ursula Markus sehr bestimmt.

Später kamen Themen dazu, mit denen sie persönlich in Berührung kam: Mit Transmenschen durch eine Freundin oder mit Alzheimer durch ihre Mutter, die an der Krankheit litt. So entstanden teilweise sehr intime Bilder von Menschen am Rand der Gesellschaft. «Der Respekt vor den Menschen war mir immer sehr wichtig. Und ja, viele sagen, ich habe eine rosarote Brille auf. Aber mich interessierten immer besondere Menschen.» 

Digitalisierung – von Fluch zu Segen  

Ursula Markus liebt die analoge Schwarz-Weiss-Fotografie, doch 2005 musste sie auf digitale Fotografie umstellen. Schnell schätzte sie die Vorteile des Digitalen: es war keine Dunkelkammer mehr nötig, sie konnte jederzeit die Arbeit unterbrechen, und das Aufnehmen der Bilder war viel weniger aufwändig. Und sie konnte den Leuten die Bilder unmittelbar zeigen, das schaffte Vertrauen. 

«Heute musst du als professionelle Fotografin technisch hochbegabt sein. Da könnte ich nicht mehr mithalten. Ich habe mich nie weitergebildet, ich mache einfach, wie ich es immer gemacht habe. Vielleicht ist das auch eine Frage des Alters.» Ausser ihre Tochter meint, das müsse sie nun also doch noch lernen. «Ob es ultrascharf und perfekt ausgeleuchtet ist, interessiert mich nicht. Mich interessiert nur der Ausdruck des Bildes.» 

«Dank den guten Kameras in Smartphones kann heute Jeder Fotos machen, das finde ich wunderbar», so Ursula Markus. «Dafür habe ich keine Aufträge mehr von Familien beispielsweise, die Aufnahmen machen sie nun alle selber.» Ursula Markus arbeitet noch immer produktiv, für langjährige Kunden beispielsweise oder für das Solinetz Zürich. Heute ist es für sie normal, Fotos über Clouddienste zu teilen. So kann sie auch grosse Dateien schnell übermitteln. «Das ist extrem praktisch, obwohl ich nicht verstehe, wie das funktioniert.»  

myCloud: Onlinespeicher für Fotos, Videos und Dateien

Bringen Sie die Fotos mit myCloud einfach auf einen Ablageort. Organisieren Sie Ihre Fotos in Alben und teilen Sie diese ganz einfach mit Freunden und Familie Dank dem automatischen Backup werden Ihre Handyfotos und -videos laufend im Hintergrund gesichert. 

Umfrage: Wie teilen Sie Fotos?

Auf die Frage, wie es weitergeht meint Ursula Markus wie selbstverständlich: «Ich werde weiterfotografieren, solange ich kann. Sobald eine Demonstration oder Zürifest ist, nehme ich meine Kamera und fotografiere, dann hat nämlich niemand ein Problem damit. Zudem warten nächstes Jahr noch grössere Projekte auf mich.» 

Ursula Markus kam 1941 in Kolumbien zur Welt und ist in Trinidad, im Iran und in der Schweiz aufgewachsen. Ihr Vater war der Geologe Augusto Gansser. Sie ist die älteste von sechs Kindern, lebte zwei Jahre in Israel, fünf Jahre in Australien und ist seit 1972 in der Schweiz. Die Mutter zweier Töchter arbeitet als freischaffende Fotoreporterin für zahlreiche Zeitschriften und Zeitungen und hat mehrere Fotobücher veröffentlicht. 1991 erhielt sie ein «Honorable Mention des World Press Photo Award» und im Januar 2019 den «Lifetime Award der Swiss Photo Academy».

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