Programmieren ist ein Kinderspiel
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Programmieren ist ein Kinderspiel

Wie können Eltern Kinder unterstützen, die sich fürs Programmieren interessieren? Wir öffnen die Tür zu einer Welt aus Programmbausteinen – und vor allem zur guten Stube, wo die Zoé einen Lerncomputer zusammenbaut.

Konzentriert sitzt Zoé auf dem Sofa, den Schraubenzieher in der Hand. Die 13-Jährige schraubt gerade die letzte Seitenwand des «Piper» fest. Seit über einer Stunde ist sie dran, den kompakten Lerncomputer mit Balsaholzgehäuse zusammenzubauen. Die Zutaten: ein Raspberry Pi mitsamt kompaktem Bildschirm, Battery Pack, Maus, Lautsprecher, Joystick und jeder Menge Kabel – und eben ein Balsaholzgehäuse.

Eine Stunde später, nachdem auch das Battery Pack aufgeladen ist, startet der Piper zum ersten Mal und begrüsst Zoé mit einer an Minecraft angelehnten Benutzeroberfläche. Das ist gewollt. Denn mit dem Minirechner wird Zoé später nicht nur den Joystick programmieren, um Minecraft zu spielen. Sie wird auch die mitgelieferten LEDs so anschliessen, dass sie bei bestimmten Aktionen im Spiel aufleuchten.

Die Sekschülerin ist mit Eifer dabei – freiwillig und in der Freizeit. Sie interessiert sich für Informatik und fürs Programmieren. Dass spätestens beim Einstieg in eine «richtige» Programmiersprache wie Python Englischkenntnisse gefragt sind, kommentiert sie achselzuckend: «Egal.» Eine gute Voraussetzung, um die Forderung zu erfüllen, dass Kinder und Jugendliche programmieren lernen sollten. Das Verständnis, wie Computer funktionieren, sei Grundvoraussetzung, um in einer immer digitaleren Welt zu bestehen, so das wichtigste Argument für diese Forderung. Zahlreiche Programmierbaukästen und eigentliche Lernhardware wie der Piper stehen zur Verfügung. Doch was halten eigentlich die Jugendlichen selbst davon?

Scratch – Programmieren von Grund auf

«From scratch» bedeutet so viel wie «von Grund auf». Und dort setzt auch die in der Ausbildung häufig eingesetzte und kostenlos nutzbare Programmierumgebung Scratch an.

Zoé findet Scratch cool. Auf die Frage, was es brauchen würde, damit sie mit Scratch programmieren würde, ist ihre Antwort klar: «Zeit.» Wenn Sie sich als Eltern ein Bild davon machen möchten, was damit gemeint ist, starten Sie doch einfach ein kleines Projekt mit Scratch, am besten gleich zusammen mit Ihren Kindern!

Programmierangebote für Kinder und Jugendliche:

 

    • Scratch, das an der Tech-Universität MIT (Massachusetts Institute of Technology) entwickelte System, führt Programmiereinsteiger in die Grundlagen der Programmierung ein. Hauptaufgabe aller Scratch-Programme: auf einem Spielfeld Figuren zu bewegen und interagieren zu lassen. Vorgefertigte Blöcke ersparen die Tipparbeit, alle Anweisungen lassen sich sofort und gefahrlos ausprobieren. Voraussetzungen sind ein Webbrowser mit (leider) Flash und eine Internetverbindung.
    • Code.org, eine Plattform, die die Begeisterung für Informatik fördern möchte, bietet thematische Computerkurse für den Einstieg. Unter Anleitung von und mit Figuren aus dem «Star Wars»-Universum bauen Jugendliche hier beispielsweise ihre eigene Galaxie. Der Ansatz ist mit demjenigen von Scratch identisch. Mit Hilfe von Anweisungsblöcken erledigen Figuren wie der putzige Kugelroboter BB-8 die gestellten Aufgaben.
    • Echte Roboter, beispielsweise aus Lego Mindstorms, kann dagegen Open Roberta ansteuern. Roberta ist eine Initiative des deutschen Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme, um die Begeisterung für MINT-Fächer zu fördern. MINT steht dabei für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Nach einem ähnlichen Konzept wie bei Scratch oder Code.org können Kinder und Jugendliche hier Robotersteuerungen programmieren. Eigene Hardware ist dabei keine Voraussetzung, sämtliche Schritte lassen sich am Computer simulieren. Doch mit echter Hardware macht es sicher mehr Spass.

 

  • Kaum eine Jugendliche oder ein Jugendlicher ab etwa zehn Jahren kennt Minecraft nicht. Das virtuelle Klötzchenbauen erfreut sich ungebrochener Beliebtheit und regt die Phantasie an. Oder sie spazieren durch ein aus 83 Milliarden Blöcken zusammengebautes England. Das wirklich Faszinierende an Minecraft ist aber, dass es sich per Programmiersprache steuern lässt – das gilt nur für die Originalversion, nicht aber für die Windows 10 Edition, die Sie im Microsoft Store finden. Wie das mit Python geht, zeigt Lehrer und IT-Trainer Tobias Hübner auf «Start Coding» mittels YouTube-Videos.

Das Interesse am Programmieren pflegen

Interesse, Zeit und grundlegende Englischkenntnisse sind die idealen Bauteile, aus denen sich die Begeisterung fürs Programmieren zusammensetzt. So wie Zoé dürfte es manchem Kind oder Jugendlichen gehen: Die Materie fasziniert sowieso, vom Smartphone-Game zu den ersten Programmierschritten ist der Weg kurz. Unterstützung durch die Eltern zuhause respektive Lehrerinnen und Lehrer in der Schule ist dabei sicher hilfreich. Aber nicht zwingend. «Ich habe ein Spiel gesehen, das jemand in der Freizeit programmiert hat. So etwas möchte ich auch machen», erklärt Zoé ihre Motivation. Das Angebot, sie dabei zu unterstützen, stösst auf wenig Begeisterung. Der «Trick» für Eltern in dieser Situation: immer mal wieder nachfragen und Interesse zeigen – und das Kind loben.

Trotzdem ist der Piper mittlerweile in einer Ecke des Teenie-Zimmers gelandet. Es ist aber nicht etwa so, dass Zoé das Programmieren «verleidet» wäre. Bloss die Möglichkeiten des Lerncomputers sind ihr zu beschränkt. Sie hat sich nun deshalb einen richtigen Computer gekauft. Darauf will sie Scratch ausprobieren, doch nicht nur. Das Notebook dient auch fürs Unterhaltungsprogramm. Und das ist gut so. Denn Kinder und Jugendliche müssen auch nicht jede freie Minute mit Programmieren verbringen.

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