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Replay sei Dank!

Erinnert ihr euch noch, wie das vor ein paar Jahren war, als man sich ab und zu noch auf den Film um 20.15 Uhr freute?…

Kathrin Buholzer

Für Storys beobachtet die Journalistin, Betreiberin der Elternseite elternplanet.ch und Mutter von 2 Kindern unsere alltäglichen Überforderungen im Umgang mit den neuen Medien und den digitalen Möglichkeiten.Der Autorin auf Youtube folgen

Kathrin Buholzer, 21. Januar 2016

Erinnert ihr euch noch, wie das vor ein paar Jahren war, als man sich ab und zu noch auf den Film um 20.15 Uhr freute? Als man manchmal sogar das «Zu Bett geh»-Ritual der Kids extra frühzeitig startete, damit man dann gemütlich und vor allem pünktlich vor der Glotze liegen konnte? Oder so dachte man sich das zumindest …

Dann hatte das Kind aber Durchfall, noch dreimal Durst, das Plüschtier verloren oder war einfach nicht müde. Bye-bye 20.15-Uhr-Spielfilm. Wer nicht in weiser Voraussicht den Lieblingsfilm programmierte, der hatte eben Pech, verpasste die Hälfte oder merkte beim Einschalten, dass der Film nicht aufgenommen wurde. Oft war auch das Samstagabendprogramm dermassen schlecht, dass man sich am liebsten einen Film vom Vorabend angeschaut hätte.

Das Projekt «Ich möchte gerne in Ruhe mal einen ganzen Film schauen» scheiterte regelmässig.

Wenn’s dann ausnahmsweise mal klappte und man gemütlich auf dem Sofa lag, rief entweder die beste Freundin an (und mit der quatscht man ja meistens nicht unter zwei Stunden), oder das Kind kam ins Wohnzimmer und hatte Ohrenschmerzen oder wollte den Zahn zeigen, den es gerade rausgerissen hatte. Das Projekt «Ich möchte gerne in Ruhe mal einen ganzen Film schauen» scheiterte also regelmässig.

Manchmal versprach man den Kindern auch hoch und heilig, dass sie ihre Lieblingsserie oder die Gute-Nacht-Geschichte ganz bestimmt am Abend anschauen dürfen. Dann vergass man entweder sein Versprechen, oder man verschätzte sich auf dem Nachhauseweg mal wieder mit der Zeit. Fazit: die Serie schon vorbei – das Kind untröstlich.

Und deshalb muss ich schon sagen: Ja, es gibt sie, die Erfindungen, die zwar nicht absolut lebensnotwendig sind, für die ich aber trotzdem sehr dankbar bin. Ganz besonders, seitdem wir Kinder haben. Die Replay-Funktion, mit der man die Startzeit seines Programms selbst bestimmen kann, gehört genau in diese Kategorie. Ganz gemütlich die Kinder ins Bett bringen, ohne ständig auf die Uhr zu gucken und zu denken: «Ach, nööö. Ich werde den Serienstart schon wieder verpassen.» Einfach rasch «Pause» drücken, noch ein bisschen Schoggi aus dem Kühlschrank holen, ohne nachher ständig den Mann zu fragen: «Was ist grad passiert?», «Was hat sie gesagt?», «Warum ist der jetzt tot?»

Sätze wie «Jetzt macht mal ein bisschen vorwärts, sonst fängt eure Sendung ohne euch an» funktionieren nicht mehr.

Die Serie für die Kids erst dann starten, wenn die Hausaufgaben erledigt sind, und dazu auch noch gleich die überdrehten und viel zu lauten Werbespots überspringen: Replay sei Dank. Den schnulzigen Filmschluss einfach nochmal anschauen oder die langatmigen Singszenen in den Bollywood-Movies schnell überspringen, alles kein Problem mehr. Dafür funktionieren Sätze wie «Jetzt macht mal ein bisschen vorwärts, sonst fängt eure Sendung dann ohne euch an» nicht mehr. Die Kids haben es logischerweise auch längst gecheckt: «Jetzt mach doch keinen Stress, wir gucken dann mit Replay.»

 

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