Smart heizen und dabei sparen
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Smart heizen und dabei sparen

Swisscom Energy Solutions

Machen Sie mit beim grössten Stromspeichernetzwerk der Schweiz. Weitere Informationen gibt es bei Swisscom tiko power.

Urs Binder (Text), 14. Oktober 2016

Der Strom kommt aus der Steckdose. Klingt einfach, ist es aber nicht: Unser Stromnetz ist ein ziemlich komplexes Geflecht von Verbrauchern und Stromerzeugern – Kraftwerke, Solar- und Windenergieanlagen, andere erneuerbare Energiequellen, in Batterien gespeicherte elektrische Energie sowie aus dem Ausland eingekaufter Strom. Damit das Netz stabil funktioniert, müssen Erzeugung und Verbrauch immer im Gleichgewicht sein. Schon bei geringen Abweichungen gerät die Netzfrequenz aus dem Takt, und das kann sowohl den Generatoren als auch den angeschlossenen Verbrauchern massiv schaden.

Regelenergie gleicht aus

Schwankungen im Stromnetz entstehen zum Beispiel beim Ausfall eines Kraftwerks oder wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt und die Solaranlage weniger Leistung bringt. Gerade die erneuerbaren Energien zeichnen sich durch starke Leistungsunterschiede im Tagesverlauf aus.

Wenn der Verbrauch zu hoch ist, wird entweder die Produktion gesteigert oder der Verbrauch dort gesenkt, wo es möglich ist.

Für den Ausgleich sorgt die so genannte Regelenergie: Wenn der Verbrauch zu hoch ist, wird entweder die Produktion gesteigert oder der Verbrauch dort gesenkt, wo es möglich ist – man spricht von positiver Regelenergie. Umgekehrt gleicht die negative Regelenergie ein Zuviel an Produktion aus. Für die Einhaltung des Gleichgewichts ist die nationale Netzgesellschaft Swissgrid zuständig. Sie bezieht die Regelenergie von verschiedenen Anbietern.

 

Ein Speichernetzwerk aus Heizungen

Swisscom Energy Solutions hat eine Plattform entwickelt, um elektrische Geräte in einem Netzwerk zu verbinden und diese je nach Bedarf ein- oder auszuschalten. Die erste Anwendung dieser Plattform heisst tiko power, ein Speichernetzwerk aus Elektroheizungen, das Regelenergie durch Steuerung des Verbrauchs liefert: Wenn Swissgrid Regelenergie anfordert, verschiebt tiko den Heizzyklus einzelner Teilnehmer gezielt. So wird eine Heizung zum Beispiel etwas später gestartet, um den Verbrauch zum momentanen Zeitpunkt zu reduzieren. Am Wohnkomfort ändert sich dadurch nichts.

Die Teilnehmer bestimmen ihren Komfortlevel per Smartphone-App,  und wann tiko power die Heizung steuern darf.

Der Steuerungsalgorithmus betrachtet alle angeschlossenen Teilnehmer und berücksichtigt verschiedene Faktoren. Etwa, wann eine bestimmte Heizung zuletzt aktiviert war, wie lange sie laufen muss, um das Haus warm zu halten, oder ob sie gerade durch eine Rundsteuerung blockiert war und nun nicht schon wieder abgeschaltet werden sollte. Und selbstverständlich können die Teilnehmer mit Hilfe einer Smartphone-App ihren Komfortlevel einstellen. Daraus ergibt sich dann, wann tiko power die Heizung automatisch steuern darf.

Dieses «Demand-Side Management» ist mit Grossverbrauchern aus der Industrie seit Langem gang und gäbe. Die Swisscom Energy Solutions mit ihrem Produkt tiko power ist europaweit einer der ersten Anbieter, die dafür Haushalte einsetzen. Aktuell nehmen schweizweit über 6500 Heizungsbesitzer teil. tiko power ist damit das grösste Stromspeichernetzwerk der Schweiz mit einer Gesamtleistung, die einem Wasserkraftwerk gleichkommt.

Mit der App lässt sich das System steuern und der Stromverbrauch ablesen.

Wieso teilnehmen?

Es ist sicher ein gutes Gefühl, mit der Heizung zur Stabilität des Stromnetzes beizutragen. Aber die Teilnahme im Speichernetzwerk bringt auch ganz konkrete Vorteile. Mit der App lässt sich die Heizung punktgenau steuern – zum Beispiel bei Abwesenheiten reduziert betreiben und die Temperatur wieder auf Komfortniveau anheben.

Teilnehmen kann jeder, der über eine eigene Elektroheizung verfügt.

So lassen sich zu den reduzierten Betriebszeiten bis zu 60 Prozent an Heizenergie sparen. Ausserdem überwacht tiko power den Status der Heizung laufend und gibt bei Störungen eine Alarmmeldung aus – das verschafft Sicherheit und ermöglicht es, rasch auf Probleme zu reagieren.

Teilnehmen kann jeder, der über eine eigene Elektroheizung verfügt. Das können Direktheizungen, Nachtspeicher, Wärmepumpen sowie Elektroboiler sein. Für jedes Gerät, das gesteuert werden soll, muss im Verteilerkasten eine so genannte K-Box installiert werden. Die K-Box kommuniziert über die hausinternen Stromleitungen mit einer M-Box, die per Mobilfunk oder über das Modem mit der tiko verbunden ist. Die Installation übernimmt ein professioneller Partner von tiko zum All-inclusive-Preis von 100 Franken, dazu kommt eine Teilnahmegebühr von 49 Franken.


Mit tiko mountains bietet Swisscom Energy Solutions eine erweiterte Variante der Heizungssteuerung. Video: Swisscom

tiko mountains für Bergbahnen

Bergbahnen haben viel elektrisch beheizte Infrastruktur: Bergrestaurants, Billettverkaufsstellen, Tal- und Bergstationen, WC-Häuschen etc. Oft sind dort Direktheizungen installiert, die aus logistischen Gründen zum Saisonbeginn ein- und erst am Ende der Heizperiode wieder ausgeschaltet werden. Eine ziemliche Energieverschwendung, wenn etwa nachts das WC auf 2500 Metern Höhe geheizt wird, obwohl es dann garantiert niemand nutzt.

Mit tiko mountains bietet Swisscom Energy Solutions eine erweiterte Variante der Heizungssteuerung mit zusätzlichem Temperaturfühler an. Die Bergbahnbetreiber können zum Beispiel pro Stunde einstellen, auf wie viel Grad geheizt werden soll. Denn als Grossverbraucher sind sie, je nach Kanton, gesetzlich dazu verpflichtet, nachweisbar jedes Jahr 2 Prozent Energie zu sparen. Dazu muss die Heizung temperaturgesteuert regelbar sein.

Ebenfalls integriert ist ein ausgeklügeltes Lastmanagement. So kann etwa definiert werden, dass während des energieaufwändigen Einsatzes der Schneekanonen die Leistung der Heizung im Restaurant reduziert wird. So lassen sich kostspielige Lastspitzen eliminieren. Die Bergbahnen von Zermatt, Davos, St. Moritz und Scuol profitieren bereits von tiko mountains und sparen so zwischen 40 und 60 Prozent Heizenergie.

 

 

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6 Kommentare zu “Smart heizen und dabei sparen

  1. Das ist heute schon eine wirklich coole Sache. Das geschickte Brechen von Lastspitzen und Verlagern in Zeiten eines tiefen Bedarfs ist sehr sinnvoll.
    Der Ansatz einer gleichmässigen Energieerzeugung und -nutzung wird damit unterstützt.
    Ich frage mich in wie weit die Daten auch für eine bedarfsgerechte Energieerzeugung genutzt werden und ob an Stelle von „Powerline“ und Mobilfunknetz nicht rasch LoRaNet treten könnte.

  2. Die Schweizer Elektroheizungen fressen rund 6-9 % des Stromkonsums ! Elektroheizungen wurden seinerzeit wegen der überschüssigen nächtlichen Bandenergie der AKWs gepusht. Mit dem baldigen Wegfall der AKWs geht auch diese Begründung verloren. Elektroheizungen sind, mit wenigen begründeten Ausnahmen, ein absolutes no-go auf dem Weg zu einer verantwortbaren Energiepolitik. Auch für die Regelenergie sind sie überflüssig: Die Schweiz hat dank der Wasserkraft die höchste Regelenergie-Kapazität in ganz Europa !
    Es gibt nur eines: Möglichst bald ersetzen. Elektroheizung und „smart“ ist ein völliger Widerspruch. Smartgrid als Vorwand für den Erhalt von E-Heizungen vorzuschieben, ist ein Missbrauch einer guten Idee.
    Noch ein Vergleich: Mit allen Mitteln wird versucht, die Erhöhung der Grimselstaumauer durchzudrücken, gegen die Verfassung. Die Strommenge, welche dank einer höheren Mauer zusätzlich für den Winterbedarf zurückbehalten werden könnte, entspricht dem Verbrauch von 6% der Elektroheizungen. Das heisst, wenn jede 16. E-Heizung ersetzt wird, ist eine Mauererhöhung bereits kompensiert ! smart sein heisst überlegen, vergleichen und dann handeln.

    1. Auch wir haben eine Terrassenwohnung von 1982 mit Elektrobodenheizung. Wenn das nicht mehr gestattet würde, müsste man Radiatoren und eine andere Wärmeerzeugung erstellen. Die Kosten wären gigantisch und der teure Juramarmorsteinboden eiskalt.
      Diese Heizanlage wurde beim Hausbau vorgezogen. Speicher ist der Boden allein. Herrlich warm im Fussbereich.
      Klar, neu nicht mehr dem Trend entsprechend.

    2. Es geht bei tiko nicht nur um reine, klassische Elektroheizungen, von dem her gesehen ist der Leadtext und auch obenstehender Kommentar irreführend. Auch alle Wärmepumpen und insbesondere auch Erdwärme-Heizungen können mit tiko optimiert werden. Deshalb ist hier smart keineswegs ein Widerspruch, machen Wärmepumpen und Erdwärmeheizungen ökologisch gesehen doch sehr viel Sinn.

  3. Ja die Bezeichnung Elektro Heizung ist unglücklich gewählt. Nun aber zur Sache . . .
    Ich besitze eine PV Anlage (10’000 Wh) eine Wärmepumpenheizung mit Erdsonde sowie eine Wasseraufbereitung mittels Wärmepumpe (Luft-Wasser) Alles läuft sehr wirtschaftlich ausser dass wir in den Nachtstunden im N-Tarif heizen und dann gibt ja bekanntlich die PV Anlage nichts her!
    Deshalb bin ich an einer Lösung wie im Artikel beschrieben sehr interessiert. Die Preise und die Lebensdauer der TESLA Speicher Batterien (und Event. der Firma TESLA) hielten mich bis anhin von einer Installation ab. Das Swisscom-Tiko Projekt ist sicher eine gute Sache die ich gerne in meine Überlegungen zur Optimierung meiner Hausinstallationen einbeziehen möchte! Nähere Angaben/Abklärung wäre wünschenswert. Besten Dank für mehr Information

    1. Lieber Henry, vielen Dank für deinen Kommentar. Auf der Seite von Tiko (https://tiko.ch/) findest du weiterführende Informationen. Bitte melde dich, falls wir dir bei einer konkreten Frage weiterhelfen können. Liebe Grüsse, Swisscom.

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