Artificial Intelligence sorgt für besser Smartphone-Fotos.
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Wenn der Assistent in der Smartphone-Kamera sitzt

Mindestens zwei Kameras und kräftige Software-Unterstützung bis hin zu künstlicher Intelligenz: Spitzen-Smartphones schiessen Bilder, wie sie vor kurzem nur mit Profikameras möglich waren. Und mit unseren Tipps gelingen Ihnen bei allen Lichtverhältnissen scharfe Aufnahmen.

Wer von einem dreijährigen Smartphone auf ein aktuelles Spitzenmodell wechselt, erlebt beim Fotografieren sein blaues Wunder. Nicht nur besitzen Apple iPhone X, Samsung Galaxy S9 zwei und das Huawei P20 Pro sogar drei Kameras auf der Rückseite. Die Kamera-App hilft auch kräftig mit, die Resultate zu verbessern. So erinnern aktuelle Smartphone-Aufnahmen eher an diejenigen einer teuren Spiegelreflexkamera als an die Ergebnisse der kompakten Knipser.

Künstliche Intelligenz als Auslöser

Nehmen wir das Huawei-Spitzenmodell P20 Pro sowie eine Person als Motiv. Beim sanften Druck auf den digitalen Auslöser schiesst das Smartphone mindestens drei Bilder. Die Schwarzweiss-Kamera verbessert den Kontrast des Bildes, und die Kombination aus Haupt- und Zoomkamera sorgt für einen Bokeh-ähnlichen Effekt: Der Hintergrund erscheint unscharf, was die fotografierte Person besser zur Geltung kommen lässt. Mit rein fotografischen Mitteln lässt sich eine solche Tiefenunschärfe nur mit einer Spiegelreflex- oder Systemkamera und offener Blende erzeugen. Bei Smartphones ersetzt dagegen die Software das handwerkliche Geschick des Fotografen.

Smartphone-Foto: Bokeh-Effekt mit Tiefenunschärfe
Tiefenunschärfe in der Porträt-Fotografie: Hier für einmal der Fotograf Boris Baldinger als Motiv.

Am weitesten geht Huawei, das dem P20 Pro sogar einen speziellen Zusatzprozessor spendiert hat. Er dient der Bildverbesserung mittels künstlicher Intelligenz. So erkennt die Kamera-App laut Hersteller rund 50 verschiedene Motive. Bei Sonnenuntergängen, Pflanzen und Essen funktioniert das so weit einwandfrei. Eine Katze von einem Hund zu unterscheiden, fiel dem Smartphone allerdings schwer.

In der Praxis hat das keinen Einfluss. Je nach Motiv bearbeitet die künstliche Intelligenz das Foto. So hellt sie etwa die Umgebung bei einem Sonnenuntergang auf. Das führt zu erstaunlich klaren Bildern, die allerdings etwas unrealistisch wirken.

Noch etwas mehr aus Ihren Smartphone-Fotos holen Sie mit diesen Tipps heraus.

Tipp 1: Mit dem Stativ verwackelte Aufnahmen verhindern

Optische Bildstabilisatoren und intelligente Software können zwar Verwacklungen minimieren. Doch bei Langzeitaufnahmen oder schlechten Lichtverhältnissen sorgt nur ein Stativ für scharfe Aufnahmen.

Smartphone-Fotografie: Stativ als Tipp
Mit einem Stativ gelingen unverwackelte Aufnahmen und Langzeitbelichtungen.

Ideal sind dabei kleine Smartphone-Stative wie der GorillaPod. Dank seiner flexiblen Beine lässt er sich auch auf unebenen Oberflächen gut ausrichten oder um einen Ast wickeln, was ganz neue Perspektiven erlaubt. Solche kompakten Stative finden Sie im Elektronik-Fachhandel.

Tipp 2: Kopfhörer als Fernauslöser verwenden

Wenn Sie das Smartphone auf einem Stativ oder einer anderen Haltung etwas entfernt von Ihnen aufstellen, kommen Sie wahrscheinlich mit dem Finger nicht mehr an den Auslöser heran. Dann hängen Sie einfach die Kopfhörer ans Smartphone und schiessen die Fotos mit den Lautstärketasten. Ein weiterer Vorteil: Da Sie beim Abdrücken das Smartphone nicht berühren, wird die Aufnahme nicht verwackelt.

Smartphone: Foto per Lautstärketasten am Kopfhörer schiessen.
Die Lautstärketasten der Kopfhörer sind praktisch als Fernauslöser bei der Smartphone-Fotografie.

Das funktioniert allerdings nur mit Kabelkopfhörern, die an den Audio-Eingang oder wie beim P20 Pro über die USB-Schnittstelle eingesteckt werden. Mit Bluetooth-Kopfhörern wie beispielsweise Apples AirPods funktioniert der Fernauslöser leider nicht.

Tipp 3: Langzeitbelichtung oder etwas Kitsch darf sein

Autolichter und Bäche erzeugen interessante Effekte, wenn Sie mit Langzeitbelichtung arbeiten. Leicht kitschige Naturaufnahmen mit mystischen Gewässern erhalten Sie, wenn Sie die Szene mit einer Belichtungszeit von ein bis zwei Sekunden aufnehmen – experimentieren Sie ruhig mit den Zeiten. Stativ und Kopfhörer sind hierbei nützliche Helfer.

Auf Android-Smartphones können Sie die Belichtungszeit über den Pro-Modus der Kamera-App einstellen. Wischen Sie in der Kamera-App nach links, um zu den Einstellungen zu gelangen, und aktivieren Sie den Pro-Modus. Stellen Sie die Belichtungszeit ein, und lassen Sie sich vom Resultat überraschen. Eventuell müssen Sie den ISO-Wert (Lichtempfindlichkeit) nach unten korrigieren, damit die Aufnahmen nicht überbelichtet werden. Die besten Resultate erzielen Sie in einer dunklen Umgebung.

Mit dem iPhone ist das Vorgehen anders: Aktivieren Sie in der Kamera-App die «Live»-Option und schiessen Sie ein Foto. Dabei nimmt die Kamera mehrere Bilder auf. Nun wechseln Sie in die Photos-App und wischen auf dem Bild nach oben. Unter den Effekten können Sie nun die Langzeitbelichtung auswählen. Das funktioniert ab iPhone 6s und iOS 11.

Für Langzeitbelichtungen mit einstellbarer Belichtungszeit benötigen Sie auf dem iPhone eine App wie die Slow Shutter Cam (2 Franken).

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