Wie in den Ferien mit den Kindern mit dem Smartphone umgehen?
3 min

«Nummu no füüf Minüte»

Ach, was freuen wir uns alle auf die Sommerferien! Sonne, Strand und – «wart schnäll, nummu no füüf Minüte». Wenn der Hund mit in die Ferien darf, dann das Smartphone doch sicher auch! Und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, obigen Satz das eine oder andere Mal zu hören.

Wenn Kinder einen Bildschirm vor sich haben, tauchen sie ab. Je nach Alter hält die Konzentration stundenlang. Games, Hörbücher, Videoclips der geliebten Musikband, später dann Kommunikations-Tools wie Chat oder Social-Media-Plattformen. In dieser Phase verschwindet die Umgebung. Selbst dann, wenn sie – wie in den Ferien – nicht nur schön, sondern auch neu und beeindruckend ist. Hat man in dem Moment gerade keinen Bildschirm vor sich, kann man das gar nicht verstehen, und die Stimme wird mitunter laut und lauter. Vom Rücksitz aus oder unter dem Sonnenschirm hervor heisst es dann «nummu no füüf Minüte».

Dann müssen halt alternative Ideen her, denn klar ist: Man tut sich den Gotthard nicht an, um auf der anderen Seite wieder nur in einen Bildschirm zu gucken. Die MIKE-Studie zeigt auf, dass Kinder im Primarschulalter immer noch am liebsten draussen und mit Freunden spielen. Papa und Mama können mit der Bereitschaft, mal Quatsch im Kindersinne zu machen, die Rolle der Freunde durchaus übernehmen. Wir Väter müssen uns aber bewusst sein: Unser Hero-Status verblasst mit jedem Jahr. Und bald schon heisst es: «Papa, das isch voll peino.» (Basiert auf einer wahren Begebenheit.) Bis dahin können wir aber immer noch zu einem Wald-Erkundungsabenteuer mit Sackmesser und landesspezifischer Bratwurst aufrufen. Oder einen Sandburgen-Wettbewerb ausrufen (und gewinnen). Mütter haben faszinierende Talente, die Kids zu integrieren. Sei’s beim Zelt aufstellen, beim Kochen nach landestypischer Art oder bei der Auswahl eines T-Shirt mit Aussagekraft.

«Nutzen Sie Ihren Hero-Status als Eltern»

Aber bleiben wir realistisch. Das Smartphone ist da. Bleibt da. Wieso also nicht das Smartphone in die Familie integrieren? Wie wär’s damit: Nina ist acht und kriegt die Aufgabe, heute alle Ferienfotos zu schiessen. Sie muss also darauf achten, alle wichtigen Momente zu erkennen, sie zu inszenieren und schliesslich abzudrücken. Nebeneffekt: Endlich mal Ferienfotos, auf denen beide Eltern drauf sind. Oder Noé, sechs, wird zum Chef-Navigator und führt die Familie sicher vom Hafen zum Museum und weiter zum Glacé-Stand. Laurianne ist zwölf. Ihre Aufgabe ist es, ein Restaurant zu suchen, das nicht zu teuer ist (Mama), einen schönen Ausblick hat (Mama), ein nettes Ambiente bietet (Mama), einen Fernseher mit WM-Kanal hat (Papa) und Pommes mit Ketchup auf der Karte (Noé).

Die Rolle der Eltern ist die der Vorbilder. Solange man noch eines ist, sei allen Müttern und Vätern geraten: Nutzen Sie diese Positionierung schamlos aus! So, wie Sie mit Handy und Smartphone umgehen, so tun es Ihnen Ihre Kinder nach. Nutzen Sie also die Gelegenheit der Frei-Zeit in den Ferien und lassen Sie von Gewohnheiten ab wie Zeitunglesen am Frühstückstisch, drei Mal täglich Facebook checken und eifrig an diversen Nachbar-Chats mitmachen. Organisieren Sie die Ferientage familienorientiert, nicht bildschirmzentriert.

Ich wünsche Ihnen und uns schöne Ferien. Und falls Sie diese Tipps bei der ersten Autobahnraststätte vergessen haben: Hier ein Ohrwurm zum Download.


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Jetzt lesen