So schützen Sie den Computer vor Viren und Malware wie Bots, Ransomware und Cryptojacking.
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So schützen Sie Ihren PC vor Viren

Arbeitet ihr Computer plötzlich langsam oder zeigt sonst ein ungewohntes Verhalten? Dann sind Sie vielleicht Opfer eines Cyberangriffs geworden. Denn die Internet-Kriminellen nutzen immer raffiniertere Methoden für ihre Attacken. Mit diesen fünf Tipps schützen Sie PC und Notebook vor Viren und anderen Bedrohungen.

Sind bei Ihrem Notebook plötzlich die Lüfter angegangen, als Sie eine Webseite besucht haben? Dann könnte es sein, dass ihr Rechner im Hintergrund heimlich Kryptowährung erzeugt – im Fachjargon «schürfen» genannt. Der Gewinn dieses sogenannten Cryptomining (siehe Box) geht aber nicht an Sie, sondern an Cyberkriminelle, dessen Schürfprogramm ungefragt auf ihrem Notebook läuft. Gemäss dem Internet Security Threat Report 2018 von Symantec ist die Zahl der kriminellen Schürfer in den letzten Monaten geradezu explodiert.

Cryptomining und Cryptojacking

Bei Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum werden Transaktionen (das Bezahlen) mittels kryptografischer Verfahren verifiziert. Dieser Prüfprozess verlangt viel Rechenleistung und erfolgt auf mehreren Computern gleichzeitig. Wer die Prüfung am schnellsten abschliesst, erhält als Belohnung einen kleinen Anteil an der Kryptowährung. Dieses «Schürfen» heisst Cryptomining und wird heute aufgrund des Ressourcenverbrauchs vor allem in spezialisierten Rechenzentren betrieben.

Das Schürfen an sich ist weder kriminell noch verboten. Doch Cyberkriminelle bauen auf Webseiten Skripte (kleine Programme) ein fürs Cryptomining. Besucht jemand eine solche Seite, wird das Skript ausgeführt und der Computer hilft dem Cyberkriminellen, das Kryptokonto aufzufüllen – natürlich ohne Ihre Einwilligung. Weil Cyberkriminelle dafür fremde Computerleistung quasi entführen, hat sich fürs missbräuchliche Schürfen der Begriff «Cryptojacking» etabliert.

Ein direkter Schaden entsteht dabei nicht. Aber weil der Rechner stark ausgelastet wird, verlangsamen sich andere Programme, der Stromverbrauch steigt und auch der Datenverkehr über die Internet-Verbindung. Das kann dazu führen, dass für die eigentlichen Aufgaben zu wenig Leistung zur Verfügung steht und allenfalls die Stromrechnung steigt. Das ist insbesondere der Fall, wenn das ungewollte Schürfen auf den Servern des Unternehmens geschieht.

Um Cryptominer im Browser auszuschalten, genügt es, den Browser zu beenden.

Cryptomining richtet zwar keinen direkten Schaden an, lastet aber Computer und Internet-Verbindung stark aus. Dadurch kann es etwa passieren, dass das Backup scheitert und allenfalls wichtige Dokumente nicht gesichert werden können. Vielleicht gelingt es nicht mehr, die Projektarbeit online zu speichern oder eine Sicherung davon anzufertigen. Ihre mehrstündige Arbeit könnte zunichte gemacht werden. Oder, der Akku ihres Notebooks wird so schnell geleert, dass Sie sich dringend auf die Suche nach einem Stromanschluss machen müssen. Cryptomining kann im schlimmsten Fall also zu Datenverlust führen.

Die gute Nachricht dabei: Die Zahl der klassischen Malware-Angriffe, die sich über Sicherheitslücken auf den Computer schmuggeln, stagniert. Weil dieser Ansatz schwieriger geworden ist, müssen sich Benutzer aber auf neue und unerwartete Angriffe einstellen, wie etwa Cryptominer. Das Thema Computerschutz bleibt also aktuell.

Die folgenden Tipps helfen, den Rechner nach bestmöglichem Wissen vor Angriffen zu schützen. Denn einen absoluten Schutz vor Malware und Ransomware gibt es nicht.

1. Erstellen Sie regelmässige Backups

Sichern Sie Ihre Daten regelmässig. Die Sicherung selbst sollte «offline» erfolgen, das heisst, nicht permanent über den Windows Explorer zugänglich sein. Wenn Sie fürs Backup eine externe Festplatte verwenden, trennen Sie sie nach der Sicherung vom Computer. Ansonsten besteht das Risiko, dass Malware auch die gesicherten Daten befällt.

Weil Online-Speicher normalerweise ebenfalls für Viren und Ransomware erreichbar sind, sollten Sie für ein Cloud-Backup einen dedizierten Backup-Anbieter wählen. Achten Sie darauf, dass die Daten bereits auf dem Rechner verschlüsselt werden und nur nach erfolgreicher Authentifizierung über die Backup-Software zugänglich sind.

2. Der beste Schutz vor Viren: Halten Sie System und Software aktuell

Schädlinge nisten sich meist über Sicherheitslücken auf dem Computer ein. Sorgen Sie deshalb dafür, dass Windows respektive macOS, Antiviren-Software und Anwendungen stets auf dem neusten Stand sind. Nutzen Sie hierfür die automatische Update-Funktion. Aktualisierte Software ist insbesondere bei den gängigen Einfalltoren für Malware nötig, also dem Webbrowser, Java, dem Adobe Reader und dem Flash-Plugin. Dieses können Sie getrost deaktivieren, entsprechende Anleitungen finden Sie für die gängigen Browser wie Google Chrome im Web.

Wenn Sie eigene oder gemietete Server betreiben, beispielsweise für Ihre Website, sollten Sie System und Software auch dort aktuell halten.

3. Nutzen Sie Antiviren-Software und Firewall

Eine Antiviren-Software kann in vielen Fällen Malware erkennen und blockieren. Sie können den mit aktuellen Windows-Versionen mitgelieferten Windows Defender oder ein kostenpflichtiges Produkt verwenden. Wichtig ist, dass die Definitionen stets aktuell sind.

Zudem sollten Sie eine «Personal Firewall» einsetzen, die den ausgehenden Netzwerkverkehr kontrolliert und so Malware allenfalls blockieren kann. Auch hier können Sie entweder auf die hauseigene Windows-Firewall setzen oder auf das Produkt eines Drittanbieters. Wenn Sie inOne KMU office nutzen, erhalten Sie mit Swisscom Internet Security kostenlos ein umfassendes Schutzpaket, das neben Desktop-PCs und Notebooks auch Smartphones und Tablets absichert.

Vor Cryptominern können Sie sich mit einem Browser-Plug-in schützen wie dem Mining Blocker. Ausführliche technische Informationen dazu finden Sie im Blog von Günter Born.

4. Öffnen Sie keine verdächtigen Mails und Anhänge

Selbst ein E-Mail, das vorgeblich von einem bekannten Absender stammt, kann Viren enthalten oder als Phishing-Mail die Zugangsdaten zum Online-Banking erschnüffeln. Derzeit wieder aktiv ist der Bankentrojaner «Retefe». Er tarnt sich als Anhang in einem Mail, das angeblich von einem bekannten Schweizer Unternehmen stammt.

Wenn Sie unsicher sind, ob der Link oder ein Attachment echt ist, gehen Sie wie folgt vor:

  • Fahren Sie mit der Maus im Mailprogramm ohne zu klicken über den Namen des Absenders im «Von»-Feld. Die meisten Mailprogramme zeigen dabei die E-Mail-Adresse des Absenders an. Diese kann zwar gefälscht sein. Aber wenn sich Ihre Bank über ein Google-Konto bei Ihnen meldet, sollte Ihnen das mehr als merkwürdig vorkommen.
  • Kopieren Sie den Link im Mail in den Windows-Editor oder in TextEdit auf dem Mac. Wenn Ihnen die Adresse (URL) verdächtig vorkommt, löschen Sie das Mail. Doch Vorsicht: Manchmal nutzen Cyberkriminelle Sonderzeichen aus einer anderen Sprache, die denjenigen unseres Alphabets stark ähneln oder gar nicht zu unterscheidȩn sind – ist Ihnen das merkwürdige letzte «e» in «unterscheiden» aufgefallen?
  • Speichern Sie den Anhang auf dem Computer und scannen ihn mit der Antiviren-Software.
  • Im Zweifelsfall und wenn Ihnen der Absender des Mails bekannt ist, fragen Sie nach.

5. Blocken Sie verdächtige Support-Anrufe ab

Eine beliebte Masche, die auch in der Schweiz verbreitet ist: Ein meist englischsprechender Betrüger meldet sich telefonisch und gibt sich als Support-Mitarbeiter von Microsoft aus. Ziel ist es, an Zugangsdaten oder Kreditkarteninformationen zu gelangen.

Spätestens dann, wenn der Anrufer nach einem Passwort fragt, können Sie von einem falschen Support-Anruf ausgehen. Weder ein IT-Dienstleister noch Ihre Bank wird Sie jemals nach Ihrem Passwort fragen. Und selbst wenn das manchmal sogar wünschenswert wäre, wird Microsoft Sie nie wegen eines Problems auf Ihrem Computer anrufen. Beenden Sie also das Gespräch.


Mit diesen 5 Tipps schützen Sie Ihren Computer vor Viren, Bots, Ransomware und anderer Malware.

Die Melde- und Analysestelle Informationssicherung des Bundes (MELANI) bietet ein umfangreiches Merkblatt an mit Massnahmen, die die IT-Sicherheit in KMU erhöhen helfen.

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2 Kommentare zu “So schützen Sie Ihren PC vor Viren

    1. Guten Tag Herr Motzer
      Für eine detaillierte Antwort müsste ich mehr Informationen zu Ihrem Problem haben. Nutzen Sie eine andere Antiviren-Software? Vielleicht hilft Ihnen dies weiter:
      – Öffnen Sie die Einstellungen unter Windows 10 und suchen Sie nach „Defender“
      – Vielleicht hilft diese (ziemlich technische) Hilfeseite von Microsoft: https://answers.microsoft.com/de-de/windows/forum/windows_10-security-winpc/windows-defender-l%C3%A4sst-sich-nicht-mehr/9deed5f6-362d-4d14-ae8b-2d705157ea1f

      Freundliche Grüsse aus der Magazin-Redaktion
      Andreas Heer

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