Sorgenfreier Spass mit Drohnen
4 min

Sorgenfreier Spass mit Drohnen

Die Luftaufnahmen sind fantastisch: Berge, Seen, Städte – alles in bester Qualität, gestochen scharf und hochaufgelöst. Was vor zehn Jahren noch mit grossem technischem Aufwand und horrenden Kosten verbunden war, kann heute jeder Hobbyfilmer mit Hilfe einer Drohne selbst drehen und im Internet veröffentlichen. Doch wie stehts mit den Regeln fürs Fliegen und Filmen?

Schon günstige Drohnen ab rund 200 Franken sind heute mit einer Kamera ausgestattet. Wer um die 1000 Franken investiert, fotografiert hochauflösend und filmt in 4K. Das alles bequem über die Smartphone-Steuerung. Kein Wunder, steigt der Absatz von Fotodrohnen laufend.

Aber: Wer ein solches Fluggerät benutzt, muss sich über die Rechtslage im Klaren sein. Gerade bei Luftaufnahmen bewegt sich der Hobbypilot unter Umständen rechtlich auf dünnem Eis. Geregelt ist die Nutzung von Drohnen einerseits im Datenschutzgesetz (Filmaufnahmen und Fotografie) und andererseits in den rechtlichen Rahmenbedingungen für die Zivilluftfahrt (Flugbestimmungen).

Brauche ich eine Bewilligung für die Drohne?

Derzeit sind die Gesetzesbestimmungen recht locker. Für die typischen Hobbydrohnen ist in der Schweiz keine Bewilligung nötig. Allerdings ist für 2020 eine Registrierungspflicht geplant. Das nimmt den Drohnen die Anonymität und soll dazu beitragen, gefährliche Flugmanöver zu verhindern. Wie dieses Registrierungsverfahren genau abläuft, ist noch nicht festgelegt.

Bereits heute bewilligungspflichtig sind Drohnen, die über 30 Kilogramm wiegen. Die Gefahr, die von schweren Drohnen ausgeht, lässt sich eindrücklich an einem Vorfall illustrieren, der sich im Dezember 2015 am Weltcup-Slalom in Madonna di Campiglio ereignete. Damals verfehlte eine abstürzende Fernsehdrohne Marcel Hirscher nur knapp und zerschellte unter Getöse auf der Piste.

Die schwere Kamera-Drohne zerschellt direkt hinter Marcel Hirscher. Video: Youtube/Maximilian Pruckner

Ebenfalls eine Bewilligung brauchen Drohnenflüge über Menschenmengen. «Menschenmenge» definiert das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) mit «mehrere Dutzend Menschen oder mehr auf engem Raum». Kann der Drohnenpilot zu seinem Fluggerät nicht ständig direkten Augenkontakt haben, braucht er eine Bewilligung. Der Einsatz von Videobrillen oder Feldstechern zählt ausdrücklich nicht als direkter Blickkontakt. In diesem Fall braucht es einen zweiten Piloten, der das Fluggerät überwacht und jederzeit eingreifen kann.

Eine nützliche Anlaufstelle gerade für Neo-Piloten ist der schweizerische Verband ziviler Drohnen. Er bietet unter anderem einen Verhaltenscodex für einen sicheren Drohnenflug und ein freiwilliges Drohnenregister.

Wo darf ich mit der Drohne fliegen?

Für Drohnenflüge gibt es zumindest eine sehr klare Restriktion: Im Umkreis von fünf Kilometern um eine Flugpiste ist der Einsatz generell verboten. Das gilt auch für Kleinflugplätze, etwa von Segelflugzeugen.
Grössere Flughäfen wie Zürich, Bern und Genf besitzen zusätzlich eine Kontrollzone. Sie erweitert den Verbotsbereich und erlaubt Flughöhen bis maximal 150 Meter. Diese Kontrollzonen decken zudem praktisch die ganzen Stadtgebiete grösserer Schweizer Städte ab. Eine genaue Übersicht liefert die Drohnenkarte von Swisstopo. Sie ist eine wichtige Anlaufstelle vor jedem Flug.

Die wichtigsten Regeln zum Drohnenflug

  • Für Drohnen ab 500 g ist eine Haftpflichtversicherung
  • Drohnen von über 30 kg benötigen eine Bewilligung.
  • Fliegen über Menschenmengen ist verboten.
  • Der Pilot muss immer Blickkontakt zur Drohne
  • In fünf Kilometern Umkreis um Flughäfen herrscht Flugverbot.
  • Sind Personen auf den Aufnahmen erkennbar, braucht es eine Erlaubnis.
  • Das Überfliegen von Privatgrundstücken sollte in einer Höhe erfolgen, aus der keine Personen erkennbar sind.

Einige Drohnenhersteller wie Marktführer DJI haben verbotene Gebiete zudem direkt in ihre Fluggeräte eingebaut. Mit diesem Geofencing stoppt die Drohne, wenn sie auf einen solchen virtuellen «Zaun» stösst. Die Verbotszonen können weitergehen als die schweizerische Gesetzgebung, wie ein Drohnenpilot in der «Aargauer Zeitung» berichtet.

Was darf ich fotografieren?

Sobald mit der Drohne gefilmt oder fotografiert wird, kommt das Datenschutzgesetz zum Zug. Grundsätzlich gilt: Niemand darf ohne seine Einwilligung fotografiert oder gefilmt werden, sofern er oder sie auf der Aufnahme erkennbar ist. Nicht abschliessend gesetzlich geregelt ist das Überfliegen von Privatgrundstücken. Die Drohne muss so hoch fliegen, dass keine Personen auf den Aufnahmen erkennbar sind.

Die rechtlichen Bestimmungen gelten auch, wenn beispielsweise ein Makler Luftaufnahmen von einer Immobilie macht, die er zum Verkauf ausschreiben möchte. Gefilmte Personen müssen auch ausdrücklich darüber informiert werden, wenn die Bilder irgendwo gespeichert oder gar veröffentlicht werden. Die gespeicherten Daten müssen gemäss dem Datenschutzgesetz vor fremden Zugriffen angemessen geschützt werden.

Die rechtlichen Grundlagen zu Drohnenaufnahmen erläutert die Website des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten ausführlich.

Worauf muss ich beim Streaming achten?

All diese Gesetze einzuhalten, ist mit einem Live-Stream – also einer Direktübertragung – ins Internet fast unmöglich. Lediglich Streams aus grosser Höhe garantieren, dass keine Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Dessen sind sich vermutlich viele Drohnenpiloten gar nicht bewusst.

Wann brauche ich eine Versicherung für die Drohne?

Wer eine Drohne mit einem Gewicht von über 500 Gramm betreibt, muss zwingend eine Haftpflichtversicherung im Umfang von mindestens einer Million Franken abgeschlossen haben. Dieses Gewicht dürften die meisten Kameradrohnen erreichen.

Auch mit einem gezielten Fussball-Kick lässt sich eine nervige Drohne abschiessen. Video: Youtube/KOR Creative

 

Aktualisierte Version eines Artikels vom März 2018.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

11 Kommentare zu “Sorgenfreier Spass mit Drohnen

  1. Ich lasse ständig Drohnen fliegen, du es meistens um Burgen, Kirchen und Landschaften aufzunehmen. Die Zuschauer spalten sich meistens in zwei Gruppen. Die die es gut finden und Interesse zeigen und die Anderen welche voreingenommen sind.

    1. So ist es leider, wobei ich sagen muss, dass es viiiel mehr positive feedbacks gibt als negative und einige es halt je nach Ort kritisch sehen, meistens da wo ich fliege jedoch nicht. Das kann ich so auch verstehen. Würde ein Copter vor meinem Zimmer fliegen fände ich das auch nicht ganz so toll. Leider meinen viele, wir haben die besten Kameras mit 50000mm auf unseren Coptern. Da sind leider auch die Medien schuld! In realität erkennt man ab mehreren Metern höhe eine Person nicht mehr eindeutig

  2. dieser 5km kreis um flugplätze is kompletter schwachsinn !

    demnach dürfen in der stadt luzern keine drohnen in die luft !

    1. Kein Schwachsinn, realität bzw. Gesetz. Nur: Halten sich alle an die Geschwindigkeitsforschrigten auf den Strassen? Genau und so ist es auch bei allem anderen. Jeder der ohne Bewilligung fliegt (die man übrigens kriegen kann vom Flugplatz) riskiert eine Anzeige mit saftiger Strafe wenn der Flugplatzchef dies mitkriegt

  3. Guten Tag ich finde es eine frechheit das ein Drohnenpilot dazernd fast jeden Tag über unser garten fliegt übers Pool wo kinder baden und Fotos macht oder Filmt
    Sowas sollte verboten werden den sowas ist Belästigung

    1. Guten Tag Frau Hildenbrand
      Können Sie den Piloten ausfindig machen? Ich empfehle Ihnen, das Gespräch zu suchen. Nach geltender Gesetzeslage ist das wohl ein Verstoss gegen die Privatsphäre. Sie müssen keine Aufnahmen in Ihrem Garten dulden.
      Freundliche Grüsse aus der Redaktion des Swisscom Magazins
      Andreas Heer

  4. Ich habe eine Frage: ich habe eine Drohne gekauft und wusste bereits diese Infos bis auf die Privatsphäre denn, dass keine Menschen gefilmt werden sollte war zwar klar aber die Frage lautet: darf ich auf einem Bauer-Feld auf dem Lande die Drohne zum lernen fliegen testen ohne den Bauern zu fragen ? In der Umgebung wo ich wohne herscht eine Drohnenangst und das wusste ich nicht. Alle die ich bis jetzt angefragt habe, lehnen es ab.. heisst das das ich die Drohne nie fliegen darf ?

    1. Guten Tag Herr Litschi
      Wenn das Feld frei zugänglich ist, sollte das kein Problem sein. Bitte achten Sie aber darauf, dass Sie kein hohes Gras niedertreten oder Saat (ist aktuell weniger ein Problem ;-). Ich lasse die Drohne in solchen Gebieten jeweils von einem Feldweg aus fliegen.
      Freundliche Grüsse aus der Redaktion
      Andreas Heer

  5. Schade wird nicht auf die Seite des BAZL und die Drohnenkarte bei Swisstopo verwiesen dafür Halbwahrheiten verbreitet wie dass das Überfliegen von Privatgrundstücken verboten sei. Das stimmt schlicht nicht, es ist ein bisher undefinierter Rechtsbegriff, dass der Eigentümer sich Rechte an der Luft über dem Grundstück hat soweit es seinen Interessen dient. Anwälte aus Basel haben die Höhe dazu, mal auf ca 20-30m AGL festgelegt. Es ist daher nicht verboten, sonst bitte die Quelle dafür nennen.

    1. Hallo Rolf
      Danke für die Präzisierung. Das Überfliegen von Privatgrundstücken ist rechtlich tatsächlich nicht klar geregelt. Ich habe den Artikel entsprechend angepasst.
      Freundliche Grüsse aus der Redaktion
      Andreas Heer

Jetzt lesen