Verzweifelte Eltern wehren sich gegen Fussballsucht
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Verzweifelte Eltern wehren sich gegen Fussballsucht

Kein Spiel ist beliebter als «Fortnite»….äh….«Fussball». Immer häufiger melden sich besorgte Eltern zu Wort.  Kolumnist Michael In Albon hat mit einem besorgten Vater gesprochen.

Meist zweimal wöchentlich Training auf dem Fussballplatz, dazwischen immer wieder Gekicke auf der Quartierstrasse mit anderen Kindern. Und auch die Wochenenden sind hin, wenn das Kind richtig gut in diesem Sport ist und regelmässig Turniere spielt. A. Ängstlich* hat über den Fussball-Wahn seines Sohnes gesprochen.

Michael In Albon: Herr Ängstlich, Ihr Sohn ist 13 Jahre alt und spielt seit nunmehr fünf Jahren regelmässig Fussball. Wie hat ihn das verändert?

Vater: Fundamental. Für ihn gibt es nichts anderes mehr. Wie bei diesen online Games schaut er sich Letsplay-Videos von anderen grossen Mannschaften an. Stundenlang. Die News in den Zeitungen und im Fernsehen verschlingt er regelrecht. Was mir aber Sorgen bereitet: Er kann nicht mehr mit Kritik umgehen, ist unausgeglichen und explodiert sehr schnell.

Michael In Albon: Kritik? Wie?

Vater: Ja, letztes Mal habe ich gesagt, dass die Young Boys auch nur mit Wasser kochen würden und dass andere Mannschaften auch gute Spieler hätten… Da wurde er laut und betete die Namen aller grossen YB-Spieler herunter. Er zitierte minutenlang irgendwelche Spiel-Statistiken und am Ende wurde er sogar ausfällig und sagte zu mir, ich hätte keine Ahnung vom Spiel. Sowas tut weh.

Michael In Albon: Denken Sie, dass Ihr Sohn fussballsüchtig ist?

Vater: Ja, ganz klar. Die Zeit, die er dafür aufwendet, ist enorm. Die Schulleistung leidet schon. Und wenn er mal nicht tschutten kann, wird er ganz fahrig und wackelt nervös auf dem Sofa rum. Ich finde es bedenklich.

Michael In Albon: Sie selber haben nie Fussball gespielt?

Vater: Ja, doch schon. Aber nur ganz wenig. Und ich war nie richtig gut, habe den Ball nur ab und zu mal getroffen. Die Kinder heutzutage sind auch viel reaktionsschneller als wir damals. Und unsere Rasenplätze waren auch nicht so schnell, wie die heutigen.

Michael In Albon: Bei aller Kritik an diesem Hobby: Kann ihr Sohn beim Fussball spielen auch etwas fürs Leben lernen?

Vater: Ja, ok. Er ist dort in einer Gruppe und alle haben dasselbe Ziel: Sie wollen gewinnen. Also Teamgeist hat er schon entwickelt. Und ja, er lernt dort auch, mit Fehlschlägen umzugehen, denn manchmal verliert seine Mannschaft auch. Ich weiss es nicht, aber ich denke, er ist körperlich auch ziemlich fit. Aber sonst….

Michael In Albon: Wo werden Sie sich Hilfe holen?

Vater: Nun, es gibt ja in vielen Gemeinden so Gaming-Vereine, wo sich die Jugendlichen treffen und zusammen Computerspiele spielen. Und eSports hatten ja am Anfang auch das Image-Problem, dass viele Spieler süchtig genannt wurden, weil sie intensiv gespielt haben. Ich denke, sie verstehen meine Sorgen am besten, bei ihnen werde ich mal anklopfen.

Michael In Albon: Und die Schule bietet keine Unterstützung an?

Vater: Ja, doch schon. Aber unsere heutigen Lehrpersonen haben irgendwie auch keine Ahnung vom Fussball spielen und wurden auch nie richtig ausgebildet. Sie sind – wie ich- heillos überfordert.

Michael In Albon: Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie viel Kraft in dieser Situation und hoffe, dass sich alles zum Guten wendet. Danke für Ihre Offenheit.

* Name der Redaktion bekannt, das Interview ist ein fiktives Gespräch

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2 Kommentare zu “Verzweifelte Eltern wehren sich gegen Fussballsucht

  1. Super Artikel. Lasst eure Kinder ruhig so viel zocken wie sie wollen. Es ist wichtig, dass diese Erfahrungen von Sieg und Niederlage anonym vor einem Bildschirm gemacht werden können, und nicht von Angesicht zu Angesicht.

  2. Das ist der schlimmste, dämlichste und schlechteste Artikel den ich seit langem gelesen habe. Dieser Vater soll sich doch freuen dass sein Sohn etwas sinnvolles in seiner Freizeit macht und nicht nur rumhängt. Der Sport und die Freunde dort könnten den Jungen in seiner Pubertät und Jugendzeit von manch schlimmem bewahren (Drogen, Alkohol….). Fussball macht nicht süchtig. Die Kinder sind heutzutage einfach zu viel am rumsitzen (Schule, PS, TV…).
    Und bezüglich Schulnoten kann man ja Regeln aufstellen (unser Sohn darf nicht ins Training wenn die Hausaufgaben nicht gemacht sind oder nicht gründlich gemacht sind… mussten es aber noch nie umsetzen, da er sie meistens sowieso gleich nach dem Mittagessen erledigt).

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