Wie das Internet Schule und Weiterbildung virtualisiert
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Vom Schulfernsehen zum virtuellen Klassenzimmer

Die Digitalisierung erweitert die Möglichkeiten zur Wissensvermittlung in Schule und Weiterbildung. Das «virtuelle Klassenzimmer» ist keine unerreichbare Utopie mehr. Dabei ist die Idee des ortsunabhängigen Lernens keineswegs neu.

Digitalisierung und Internet erweitern das Klassenzimmer auf die ganze Welt. Mit E-Learning erreicht die Schule noch so entfernte Winkel, unabhängig von Zeit und Distanz. Doch so neu ist das gar nicht. Denn seit Jahrzehnten werden Unterrichtslektionen und Präsentationen medial übertragen – unter anderem in dünn besiedelte Gegenden, wo weite Wege zur Schule, zur Uni oder zum Abendkurs vom Lernen abhalten können.

Fernsehen bildet

Ab den 1970er-Jahren unterrichtete man Schülerinnen und Schüler in Kanada, den USA oder Australien mittels sogenanntem Distance Learning übers Fernsehen. Die Schülerinnen und Schüler nahmen zuhause via TV-Lektionen am Unterricht teil – wenn auch nur als Empfänger, also ohne direkte Kommunikation mit den Lehrpersonen. Damit die Lernenden beim Distance Learning nicht vor dem Bildschirm vereinsamen, und auch um Lernkontrollen zu erbringen, besuchten die Jugendlichen daneben auch regelmässig die Schule. Dieser gemischte Unterricht – er wird auch als «Blended Learning» (gemischtes Lernen) bezeichnet – bewährte sich auch bei späteren Fernunterrichtsmethoden, wie etwa beim E-Learning.

Nicht als Ersatz, sondern vielmehr als Ergänzung des herkömmlichen Unterrichts gibt es auch im deutschsprachigen Raum Schulfunksendungen. Das Schweizer Fernsehen feiert gerade das 50-Jahr-Jubiläum des Schulfernsehens, das heute «SRF mySchool» heisst.

Universität ohne Hörsäle

Das Konzept «Zuhause lernen statt im Unterricht» verfolgen auch die Fernuniversitäten. Bei FernUni Schweiz etwa werden berufsbegleitende Kurse angeboten und auch ganze Studiengänge (Bachelor oder Master). Ein weltweit bekanntes Beispiel einer solchen Institution ist die Fernuniversität Hagen, die «erste und einzige staatliche Fernuniversität Deutschlands». Ganz ohne Präsenzunterricht lernt man dabei im Heimstudium. Faktisch ist sie mit über 70’000 Studierenden die grösste Universität Deutschlands. Zwar bewährt sich das Konzept dieser Hochschule seit Jahren, doch sind die Abbrecherquoten von bis zu 70 Prozent viel höher als an regulären Universitäten.

E-Learning: überall verfügbare Bildung

Mit dem Internet sind die Möglichkeiten des Lernens aus Distanz geradezu explodiert. Damit war die Kommunikation nicht mehr einseitig auf die Vermittlung von der Institution zu den Lernenden beschränkt. Nun konnten alle Beteiligten miteinander kommunizieren, Informationen und Dokumente austauschen und in Echtzeit oder zeitversetzt lernen und an Lektionen teilnehmen.

So vielfältig die Möglichkeiten sind, so schwierig ist es auch, E-Learning in Schule und Studium zu etablieren. Bei den meisten Anwendungen handelte es sich bis anhin um Pilotprojekte. So machte man zwar bereits 2006 in der bündnerischen Surselva Gehversuche mit internetgestütztem Distance Learning, um unter anderem die Abwanderung zu stoppen. Schüler in Sedrun und Rueun wurden vernetzt und konnten im Klassenzimmer an Web-Lektionen teilnehmen. Zudem ersetzte ein sogenanntes Smartboard die Wandtafel, sodass die SchülerInnen sämtliche darauf geschriebenen Inhalte digital zur Verfügung hatten. Eine breite Anwendung erlangten digital übertragene Schulstunden hierzulande jedoch bisher nicht.

Vom Schulfernsehen zur Videokonferenz

Egal, ob mit Schulfernsehen, Lehrfilmen oder YouTube-Lektionen: Mit der unidirektionalen Vermittlung von Wissen blieben Interaktion und Kommunikation auf der Strecke. Diese wichtigen Interaktionen können bei neuen virtuellen Lernkonzepten mit Video- und Live-Chats fast so genutzt werden, wie wenn sich Lehrer und Lernende im gleichen Schulzimmer befinden. Wenn diese Art der Wissensvermittlung und die Kommunikation ohne Hindernisse funktioniert, dann ist das «virtuelle Klassenzimmer» Realität.

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