Handschrift und Handschrifterkennung OneNote Stift
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Wenn Handschrift besser ankommt

Handgeschriebene Notizen bleiben besser im Gedächtnis haften. Doch digital lassen sich die Notizen besser und gut geordnet ablegen. Ein paar Tipps, wie Sie dank Smartphone, Touchscreen und digitalem Stift die Vorteile der beiden Welten kombinieren.

Wann haben Sie das letzte Mal von Hand geschrieben? Längst haben wir uns angewöhnt, im Geschäftsalltag nur noch am Computer zu schreiben, allenfalls noch auf dem Smartphone oder Tablet. Die Handschrift bleibt der Ferienpostkarte (auch dafür gäbe es Apps) oder einem persönlichen Brief vorbehalten. Doch damit nutzen wir die Vorteile der Handschrift zu wenig. Denn für Notizen an Sitzungen, Referaten oder in der Weiterbildung wären Notizblock und Stift die bessere Wahl als die Tastatur. Unbestritten lassen sich Notizen heutzutage besser digital organisieren, beispielsweise mit Evernote oder Microsoft OneNote. Das ist jedoch kein Widerspruch, weil die digitale und die analoge Welt bei Notizen ganz gut zusammenpassen.

Fokussiert von Hand schreiben

Wenn wir von Hand Notizen festhalten, fokussieren wir uns besser auf den Inhalt. Das heisst, wir müssen in Sekundenbruchteilen entscheiden, ob eine Information wichtig ist oder nicht und demzufolge festgehalten oder verworfen wird. Nebeneffekt dieses Entscheidungsprozesses ist, dass wir die Information besser in unserem Gedächtnis speichern. Schreiben beeinflusst also das Denken.

An einem Referat hat Clive Thompson, Journalist beim «New York Times Magazine», über ein wissenschaftliches Experiment berichtet, das genau diesen Effekt untersuchte: Während einer Rede musste die eine Hälfte des Publikums Notizen von Hand aufschreiben, während die andere Hälfte Notizen via Tastatur eintippte. Das Resultat war eindeutig. Die Handschreiber hatten nicht nur das Referat besser verstanden, sondern auch die präzisieren Notizen gemacht.

Handschriftliche Notizen haben zudem einen weiteren Vorteil: Text, Skizzen, Post-its und dergleichen lassen sich beliebig kombinieren. So lassen sich Zusammenhänge illustrieren oder Abläufe aufzeigen. Das gelingt am Computer oder Tablet nicht ohne spezialisierte Apps.

Vom Papier auf den Bildschirm

Doch wie gelangen diese handschriftlichen Notizen nun auf den Computer oder das Smartphone? Dafür gibt es zwei Vorgehensweisen:

  • Sie erfassen Notizen mit einem speziellen Stift direkt auf einem Tablet oder Notebook mit Touchscreen.
  • Sie digitalisieren die Notizen mithilfe der Smartphone-Kamera.

Notizen digitalisieren

Handgeschriebene Notizen auf Papier, Flipchart oder Whiteboard können Sie mit der Smartphone-Kamera und einer geeigneten App «scannen», also fotografieren und begradigen. Es erstaunt kaum, dass sowohl die Evernote-App als auch der OneNote-Begleiter Office Lens diese Aufgaben beherrschen. Beide können einzelne Blätter, Seiten aus einem Notizbuch oder Whiteboards und Flipcharts abfotografieren, den Hintergrund wegschneiden und das Resultat begradigen sowie in ein besser lesbares Schwarzweissbild konvertieren.

Diese Methode ist recht ausgereift und eignet sich besonders dann, wenn der Text der Notiz nicht weiterbearbeitet werden soll. Die digitale Aufzeichnung des handschriftlichen Eintrags liegt als Bild vor, kann aber in Evernote oder OneNote verschlagwortet werden.

Handschriftliche Notizen auf dem Bildschirm schreiben

Tablets und Notebooks mit Touchscreen eignen sich ebenfalls, um von Hand Notizen und Skizzen zu erstellen. Voraussetzung ist, dass das Gerät die Bedienung per Stift unterstützt. Das gilt beispielsweise für Microsofts Surface oder das iPad Pro von Apple.

Das Schreiben mit Stift hat den Vorteil, dass die Notizen anschliessend nicht mehr digitalisiert werden müssen und sich direkt digital weiterverwenden lassen. Die Notiz liegt anschliessend üblicherweise als Bild oder PDF vor und kann in eine Notizbuch-Anwendung importiert werden.

Skizzenblock-Anwendung für Stifteingabe unter Windows 10
Die «Whiteboard»-Anwendung von Microsoft im Einsatz mit einem Stift. Bild: Microsoft

Mit «Whiteboard» hat Microsoft kürzlich eine Anwendung für Windows 10 als Vorabversion vorgestellt, die als digitaler Skizzenblock dient und auf Deutsch auch so heisst. Die Kribbel-Software klinkt sich in den Windows-Ink-Arbeitsbereich (Windows Ink nennt sich die Stift-Unterstützung von Windows 10) ein und erlaubt das gemeinsame Erarbeiten von Skizzen und Entwürfen. Voraussetzung hierzu ist ein beliebiges Office-365-Abo.

Das Schreiben auf dem Bildschirm mit einem Stift ist etwas gewöhnungsbedürftig und hängt von Gerät und Stift ab. Vor dem Kauf lohnt es sich deshalb, die Stift-Bedienung auszuprobieren.

Handschrifterkennung noch wenig fingerfertig

Mittlerweile gibt es Anwendungen und Apps, die bei Stifteingabe eine direkte Handschrifterkennung bieten. Fürs iPad bietet sich beispielsweise GoodNotes an (8 Franken). Unter Windows beherrscht OneNote ebenfalls Handschrifterkennung.

Texterkennung mit OneNote

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Microsoft OneNote kann per Stift geschriebene Handschrift erkennen.

OneNote kann Handschrift via Stifteingabe in bearbeitbaren Text umwandeln:
1. Mit der Maus Rechteck über gewünschten Textbereich ziehen, um Text zu markieren.
2. Rechtsklick auf den markierten Bereich und aus dem Aufklappmenü «Freihand in Text» wählen.

Ein Selbstversuch mit einem Bamboo-Smart-Stift von Wacom hat gemischte Resultate ergeben. Eine einigermassen schöne Schrift ist Voraussetzung zur erfolgreichen Erkennung, und das Schreibtempo liegt wesentlich tiefer als bei Papier. Das hängt auch damit zusammen, dass die Buchstaben beim Schreiben auf dem Touchscreen meist grösser ausfallen. Vom Traum, mit dem Stift auf dem Computer zu schreiben und wie von «Geisterhand» Druckbuchstaben zu erhalten, sind die heutigen Systeme nur schon aufgrund der Fehlerquote bei der Erkennung noch weit entfernt.

Die Handschrifterkennung von Evernote beschränkt sich darauf, einzelne Wörter aus Bildern zu entziffern. Diese werden dann dem Index hinzugefügt, wodurch handschriftliche Notizen durchsuchbar werden. Das kann funktionieren, muss aber nicht.

 

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