«Wir leben komfortabel ohne Stromanschluss»
6 min

«Wir leben komfortabel ohne Stromanschluss»

Energy Challenge 2017

Alte Heizungen verbrauchen sehr viel Energie. Bei einem Neubau oder Heizungsersatz lohnt es sich, z.B. auf ein Wärmepumpen-System-Modul (WP-S-M) zu setzen. Diese brauchen weniger Energie und lassen sich bequem per Handy steuern. Wir rufen Sie, Ihre Familie und Freunde auf, Energie smart zu nutzen.Machen Sie mit bei der ENERGY CHALLENGE 2017!

Virtueller Rundgang

Machen Sie einem virtuellen Rundgang durch das energieautarke Haus in Brütten.

Energieeffiziente Geräte

Im energieautarken Haus werden energieeffiziente Swisscom-Geräte verwendet. Die TV-Box von Swisscom verbraucht wenig Strom, weil sie Sendungen nicht lokal auf einer Festplatte, sondern in der Cloud speichert.

TV und Internet

Das solarbetriebene Haus wurde von Swisscom mit Glasfaser erschlossen. Als Router wird die Swisscom Internet-Box eingesetzt.

Smart Home

Intelligente Beleuchtung, Sicherheit, Unterhaltung: Swisscom Smart Home Services informiert über die Möglichkeiten, das eigene Heim smart zu machen.

Felix Raymann (Text), Nicolas Y. Aebi (Fotos), 19. Oktober 2016

Ob für Lampen, Backofen oder Fernseher: Der Strom, der im energieautarken Haus verbraucht wird, wird ausschliesslich durch Sonnenenergie erzeugt. Das Mehrfamilienhaus ist weder ans Stromnetz noch an eine Gasleitung angeschlossen und besitzt keinen Öltank. Die Bewohner verfügen auch über kein Cheminée. Dafür gibt es auf dem Dach und an den Fassaden jede Menge Photovoltaikelemente, mit denen die acht bewohnten Wohnungen und die Musterwohnung mit Strom versorgt werden.

Vor rund fünf Monaten sind die ersten Mieter eingezogen. Wie lebt es sich in einem völlig energieautarken Haus? Muss man aufs Staubsaugen verzichten, wenn der Himmel bedeckt ist? Befürchtet man, dass im Winter zu wenig Strom zur Verfügung steht? Die Bewohnerinnen und Bewohner erzählen.

Sensibilisiert für den Energieverbrauch

Die Dösseggers wurden in einem Casting als Bewohner des energieautarken Hauses ausgewählt.

Die Familie Dössegger wohnt seit Mai 2016 im energieautarken Haus. Wie zwei andere Mietparteien sind die Dösseggers durch ein Casting als zukünftige Mieter ausgewählt worden. Warum genau sie ausgewählt wurden, weiss Benjamin Dössegger nicht. Ein Öko-Fundi muss man jedenfalls nicht sein, wenn man hier wohnt, doch «seit wir hier leben, achten wir mehr auf unseren Energieverbrauch, und wir nutzen energieeffiziente Geräte», sagt er. Der neue Fernseher hat das Energielabel A+, und fürs Licht sorgen LED-Lampen. «Aber sonst leben wir hier nicht anders als in einem ganz gewöhnlichen Haus.»

«Wir sind stärker für unseren Energieverbrauch sensibilisiert, seit wir hier wohnen.»Benjamin Dössegger

In jeder Wohnung ist ein Tablet an der Wand installiert, das anzeigt, wie viel Prozent des täglichen, wöchentlichen und monatlichen Energiebudgets in der Wohnung verbraucht werden. «Unser Stromverbrauch lag bisher etwa bei 50 bis 60 Prozent des Budgets. Aber im Winter werden die Zahlen wahrscheinlich höher liegen», sagt Ehefrau Rhode Dössegger. Man kann auch mehr als 100 Prozent verbrauchen, muss dafür aber bezahlen.

In jeder Wohnung zeigt ein Tablet an der Wand, wie viel Energie verbraucht wird.

Ein Blick auf das Tablet an der Wand zeigt, dass am Montag nur 30 Prozent verbraucht wurden, am Dienstag aber rund 75 Prozent. Wie kommt ein so grosser Unterschied zustande? «Am Montag haben wir auswärts gegessen, wir haben also nicht gekocht und waren längere Zeit ausser Haus. Am Dienstag hingegen war Waschtag, es liefen Waschmaschine und Tumbler.»

Alle Geräte und Anlagen im Haus sind besonders energieeffizient. Der technikbegeisterte Benjamin Dössegger zeigt sein Lieblingsgerät in der Wohnung: Joulia, die Wärmetauscher-Dusche: «Joulia gewinnt aus dem verbrauchten Duschwasser Wärme, mit der das frische Kaltwasser aufgewärmt wird. Das ist genial!» Doch auch der Lift hat es ihm angetan: «Der funktioniert mit Energierückspeisung.» Den Besuchern sagt er zum Abschied: «Nehmen Sie nach unten ruhig den Lift, das speist ein wenig Strom ins System.»

Verhalten ändern und energieeffiziente Geräte nutzen

Bei den Nachbarn Daniel Marty und Astrid Schwitter schauen wir als Erstes auf das Tablet an der Wand: Die Energieanzeige weist auf einen Verbrauch von weniger als 50 Prozent hin. Wohnen hier die besonders Energiesparsamen? «Wir arbeiten tagsüber, sind nicht so viel zuhause und kochen sicher viel weniger als die Familien im Haus», sagt Daniel Marty, der gerade am Kleiderbügeln ist – allerdings mit einem alten, wohl sehr ineffizienten Bügeleisen.

«Ich habe beim Duschen nur 12 Liter Wasser verbraucht, und wie viel du?»Astrid Schwitter

Am Wochenende allerdings dürften die 100 Prozent für einmal überschritten werden. «Da kommen etwa 20 Gäste, und wir werden backen», sagt Marty. Auch er sagt, dass man, ohne es zu merken, viel stärker auf seinen Stromverbrauch achtet, wenn man jederzeit die Verbrauchszahlen kontrollieren kann.

Als Bewohner des energieautarken Hauses gehört Daniel Marty zu den ersten in Brütten, die das Glasfasernetz nutzen können. Den Bewohnern stehen Internet, TV und Telefon von Swisscom sowie ein WLAN und diverse LAN-Anschlüsse in allen Zimmern zur Verfügung.

Ansonsten gebe es kaum Unterschiede, wie man im Haus ohne Stromanschluss lebt. Gibt es vielleicht einen hausinternen Wettstreit, wer am wenigsten Strom verbraucht? «Nein», sagt Marty, «wir wissen voneinander nicht, wer wie viel verbraucht. Aber zwischen meiner Partnerin und mir kommt es schon mal zum Duschwasser-Contest, wenn sie mir sagt: ‹Ich habe nur 12 Liter Wasser verbraucht, und wie viel du?›.»

«Insgesamt dürfte der Stromverbrauch bei allen Bewohnern relativ tief sein. Unser Energiebudget liegt zurzeit bei 2200 kWh. In einer normalen 4½-Zimmer-Wohnung werden durchschnittlich etwa 4400 kWh verbraucht», sagt Marty.

Doch die energieeffizienten Geräte seien nicht der alleinige Grund für diesen tiefen Wert. «Wichtiger dürfte sich das Verhalten der Bewohner auf den Stromverbrauch auswirken», sagt Marty. Damit ist ein sparsamer Umgang gemeint, und nicht, dass man mit einem Velo im Wohnzimmer Strom erzeugt, wie dies schon von Besuchern vermutet worden ist. So gross wird die Stromknappheit wohl nie. «Schliesslich reichen der Langzeitspeicher unter dem Haus und ein bisschen Sonne locker für einen ganzen Winter.»

Leben ohne Einschränkungen

«Wir achten zwar, seit wir hier wohnen, stärker auf den Stromverbrauch, aber einschränken müssen wir uns keineswegs», sagt Lukas Baltensperger, der zusammen mit seiner Frau Rahel und den beiden Söhnen Noel und Elia im energieautarken Haus wohnt. Energieeffizient zu leben, werde einem hier leichtgemacht, sagt Rahel Baltensperger. «Im Haus sind nur Topgeräte installiert, die zu den obersten Energieklassen gehören.»

Auch die elektrische Zahnbürste wird mit Sonnenenergie aufgeladen. Lukas Baltensperger mit Sohn Noel.

Damit ist es selbst für die vierköpfige Familie möglich, in den meisten Fällen die 100-Prozent-Marke nicht zu überschreiten. Wohlgemerkt auch dann, wenn man sich ganz normal verhält. «Durch die Anzeigen des Strom- und Wasserverbrauchs wird man aber schon motiviert, etwas sparsamer zu leben. Beispielsweise hängen wir eher mal die Wäsche auf, statt den Tumbler zu benutzen», sagt Rahel Baltensperger.

«Hier können wir die Fenster nicht kippen. Man kann nur stosslüften, was viel effizienter ist, als stundenlang ein Fenster ein wenig offen zu lassen.»Rahel Baltensperger

Die Baltenspergers wohnen erst seit Ende September im energieautarken Haus. «Zuvor wohnten wir ganz in der Nähe in einem alten Riegelhaus aus dem Jahr 1780. Da hatten wir nur begrenzte Möglichkeiten, unseren Energieverbrauch zu optimieren», sagt Rahel Baltensperger.

Doch sonst unterscheide sich das Leben im modernen Solarhaus kaum. «Unsere neue, energieeffiziente Waschmaschine läuft vielleicht doppelt so lange wie eine ältere Maschine, doch sonst gibt es keine Unterschiede.» Wirklich keine? Doch: «Hier können wir die Fenster nicht kippen. Man kann nur stosslüften, was viel effizienter ist, als stundenlang ein Fenster ein wenig offen zu lassen.»

Das energieautarke Haus

Beim ersten energieautarken Mehrfamilienhaus handelt es sich um ein Projekt der Umwelt Arena Spreitenbach, das gemeinsam mit Ausstellungspartnern realisiert worden ist. Die Ausstellung «Energieautarkes Mehrfamilienhaus» in der Umwelt Arena Spreitenbach (www.umweltarena.ch) mit einem Grossmodell zeigt den Aufbau des Hauses und präsentiert dessen technische Lösungen. Themenführungen durch die Ausstellung mit Fokus auf das Projekt «Energieautarkes Mehrfamilienhaus» sind buchbar über fuehrungen@umweltarena.ch oder Tel. 056 418 13 10.

 

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6 Kommentare zu “«Wir leben komfortabel ohne Stromanschluss»

    1. @ Walser Jürg: 6’000 Watt ist heute tatsächlich der schweizer Durchschnitt. Allerdings ist das nicht nur der Strom- und Heizverbrauch im Haus, sondern inkl. Transport und Konsum. D.h. darin sind auch die Auto/Zug Kilometer eingerechnet, die Sie jährlich fahren. Und auch die Energie, welche es braucht, um all Ihre Konsumgüter (Essen, Kleider, Möbel, Elektronik usw.) herzustellen und zu transportieren.

  1. Tolle Story.
    Gerne mehr davon.
    Mich würde aber durchaus auch noch die Kostenseite interessieren. Wieviel und wo muss ein Bauherr mehr investieren um ein solch autarkes Mehrfamilienhaus zu realisieren!?
    Sind es bloss 10%, also durchaus für viele zu realisieren oder sind es 100% die mehr zu investieren sind!?

    1. Lieber Demain,
      die Baukosten betrugen CHF 5,3 Mio plus 800‘000.- Diese Mehrkosten von rund 15 % können durch die Miete amortisiert werden. Für den Mieter bleibt die Miete ortsüblich, da er keine Energienebenkosten zahlen muss.
      Diese Zahlen sind allerdings exkl. Elektrolyseur, Wasserstoffspeicher und Brennstoffzelle, da diesForschungs- und Entwicklungskosten sind! Die Wirtschaftlichkeit des Wasserstoff-Systems ist so heute noch nicht gegeben. Lieber Gruss, Swisscom

  2. Hi, ich hoffe, dass noch jemand diesen Alten Beitrag bearbeitet.
    Ich frage mich nämlich, wie Mieter für mehr als 100% Energieverbrauch (wie Rhode Dössegger sagt) bezahlen können.
    Wenn es keinen Stromanschluss gibt, der mehr Energie als vorgesehen zuführen kann, woher kaufen die Mieter dann den Strom?

    1. Hallo Matthes, die 100% beziehen sich nicht auf die vom Haus produzierte Energie, sondern auf ein Kontingent, das jede Partei beziehen kann. Das Haus speichert ja zu den Zeiten, in denen weniger gebraucht wird. Wenn jetzt also mehr gebraucht wird, können die Parteien das aus dem Speicher beziehen. Müssen dann aber dafür extra zahlen. Es handelt sich dabei also eher um einen Anreiz innerhalb der 100% zu bleiben. Lieber Gruss, Laura – für die Redaktion

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