Wissen ist das bessere Glauben
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Wissen ist das bessere Glauben

Fake-News-Quiz

Können Sie zwischen Fake und Fakt unterscheiden? Testen Sie es in unserem Fake-News-Quiz.

Wahrheit oder Lüge?

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Luk von Bergen (Text), 2. November 2017

You are fake news», tönt der verärgerte ältere Herr an einer Pressekonferenz in Richtung versammelter Journalisten. Er sagt es überzeugt und mit Nachdruck, das Video davon geht um die Welt.

Trump sagt zu CNN: «You are fake news». VideoYoutube/USAToday

 

Ja, eines hat Donald Trump während seiner noch kurzen Amtszeit als US-Präsident bereits erreicht: Er hat den Begriff «Fake News» zwar nicht erfunden, aber den globalen Wortschatz damit erweitert, die Wortkombination in die aktuellste Version des Dudens gemeisselt – und damit eine Art geflügeltes Wort geschaffen. Seit Trump gilt im Büro, auf der Baustelle oder dem Pausenplatz: Fake News ist alles, was man nicht glauben will oder kann. Aber: Die Ente war vor Donald da. Die Zeitungsente nämlich. Falschmeldungen, bewusst oder unbewusst verbreitet, oft unterhaltsam und auf jeden Fall schlecht oder gar nicht recherchiert. Mittels Medien transportiert oder von Mund zu Mund. Seit es Menschen und damit das Medium der Sprache gibt.

Irgendwas bleibt immer hängen

Fake News 2.0 sind allerdings mehr als nette Geschichten, die irgendwie ein bisschen falsch oder skurril sind. Es handelt sich dabei laut Wikipedia-Definition um manipulativ verbreitete, vorgetäuschte Fehlinformationen, die sich überwiegend im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken, verbreiten.

Fake News verbreiten sich oftmals über Social-Media-Kanäle wie beispielsweise Facebook.

Geliked, kommentiert, geteilt – schon sind Schäden angerichtet, Verschwörungstheorien angeheizt. Der Konsument wird von den Urhebern instrumentalisiert, um zweifelhafte Botschaften, Videos oder Bilder weiterzuverbreiten und so Stimmung wofür auch immer zu machen. Bei Bildern ist der Effekt besonders gross, da sie eine gewisse Beweiskraft ausstrahlen und vom Gehirn leicht aufgenommen werden. Manipulierte Bilder erkennt der Laie beispielsweise an fehlenden oder falschen Schattenwürfen, an «unnatürlichen Mustern und Wiederholungen – wie an unnatürlichen Farben», sagt Jens Kriese, deutscher Experte für digitale Bildforensik, im Interview mit dem ARD-Faktenfinder.

Oft werden solche Fakes noch von unkritischen Journalisten übernommen und der mittlerweile kaum mehr überblickbaren globalen Nachrichtensuppe beigemischt. Diese Dynamik sorgt dafür, dass Falschmeldungen digital und in Windeseile um die Erdkugel zischen, überall ihre Spuren hinterlassen und von Betroffenen kaum mehr zu entschärfen sind. Regierungen werden abgesetzt, Firmen gehen pleite, Köpfe rollen.

Haarsträubender Hokuspokus

Auch der sogenannte Hoax breitet sich nach dem gleichen digitalen Prinzip aus. Das Wort soll vom Zauberspruch Hokuspokus abstammen, es steht umgangssprachlich für Scherz, Schabernack oder Schwindel. Was allerdings an falschen Meldungen über Flüchtlinge, die in Deutschland Pferde stehlen und verspeisen, scherzhaft sein soll, bleibt rätselhaft. Internetportale wie hoaxmap.org greifen solche Gerüchte auf und verlinken diese mit Medienberichten, die diese Storys entschärfen.

Häufige Hoax-Opfer sind internationale Superstars. Adele, Keanu Reeves oder Tiger Woods: kaum ein Topstar, der beispielsweise via Twitter nicht schon mal für tot erklärt wurde, sich zu diesem Zeitpunkt aber bester Gesundheit erfreute. Schabernack.

Auch die sogenannten Urban Legends funktionieren ähnlich, richten aber weniger Schaden an und unterhalten bestenfalls. Moderne Märchen, Mythen, Sagen. Oder kennen Sie die Legende zweier Knaben im Primarschulalter, die auf einer Schulreise im Tierpark einen Pinguin geklaut haben? Ein Kollege von mir kennt den Coiffeur des Vaters des einen Jungen. Damit wird Pinguin-Gate zum FOAF, zur Friend-of-a-Friend-Story. Da muss doch was dran sein, oder?

Was soll man da noch glauben?

Wer sich im Netz informiert, sollte dabei vorsichtig vorgehen und sich weniger von Emotionen leiten lassen, sondern ständig hinterfragen, ob das Gesehene oder Gelesene wirklich wahr sein kann.

Einige Kniffe und Tricks entlarven das digital Aufgetischte nämlich relativ schnell als Jux oder gar als hetzerische, manipulative Propaganda. Wie Sie dabei vorgehen können, erfahren Sie in der Checkliste.

Im «Fake-News-Quiz» zwischen Fakt und Fake zu unterscheiden, sollte für Sie danach kein Problem mehr sein. Hier geht’s zum Quiz.

 

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2 Kommentare zu “Wissen ist das bessere Glauben

  1. Ganz so einfach, wie Im Artikel beschrieben ist, ist das Erkennen von Fake-News nicht. Nicht alle Urban Legends, „Verschwörungstheorien“ sind wirklich solche, etc. In den Staaten würden andere Dinge als Fakes gesehen, als in Russland oder China, oder wiederum in gewissen lateinamerikanischen Ländern. Wir leben wieder einmal in einer Epoche einer entfesselten staatlichen Propaganda, ähnlich wie in den 1930er Jahren. Da müssen wir noch froh sein, wenn es keinen grösseren miltärischen Konflikt gibt.

    1. @andré. Dank Ihnen. Sehe ich genauso. Was mich am meisten stört, dass es sich bei vielen Nachrichten um „opinion pieces“ handelt. Bei reinen Nachrichtenmeldungen erwarte ich die Fakten. Irgendwie sollte man den Faktenteil von der Meinung des jeweilgen Journalisten und dessen Überzeugungen trennen. Das gilt nicht für eine Zeitung, deren Ausrichtung allen bekannt ist. Lese ich z.B. den Guardian, so weiss ich woran ich bin. Im deutschsprachigen Raum ist das nicht mehr überall garantiert. Beste Grüsse P.S. Der Autor den Sie angeben ist für den deutschsprachigen Mainstream natürlich auch ein Fake-Produzent oder Verschwörungstheoretiker*

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