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Zu jung fürs Game?

Lediglich ein Drittel der Schweizer Jugendlichen hält sich bei Computergames an die Altersempfehlungen von PEGI. Für Eltern ein Grund zur Sorge? Wir haben bei Mela Kocher, Senior Researcher in der Fachrichtung Game Design an der Zürcher Hochschule der Künste, nachgefragt.

Mario Wittenwiler (Text), zVg (Fotos), 28. März 2018

PEGI steht für «Pan European Game Information». Die erste europaweite Alterseinstufung wurde bereits im Jahr 2003 eingeführt und kennzeichnet Computerspiele mit einer Altersempfehlung sowie einer Inhaltsbeurteilung. Das System gilt sowohl in der Schweiz als auch in Europa – mit Ausnahme von Deutschland, wo die Einstufung nach USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) gilt.

Die Empfehlungen dienen dem Jugendschutz und wird von Herstellern und Händlern unterstützt. Nun hält sich aber gemäss der James-Studie lediglich ein Drittel der Jugendlichen an die Altersfreigaben. Wie die Resultate einzuschätzen sind und was es für Eltern bedeutet, sagt Dr. Mela Kocher. Sie unterrichtet «Game Design» an der Zürcher Hochschule der Künste und entwickelte unter anderem das Urban Game LucyZH, welches internationalen Studierenden die Stadt Zürich näher bringt.

Frau Kocher, überrascht es Sie, dass sich nur ein Drittel an die PEGI-Altersempfehlung hält?

Nicht wirklich. Denn «Verbotene Medien» zu rezipieren stellt ein Reiz da. Das war auch in früheren Generationen der Fall.

Wie verlässlich ist PEGI?

PEGI ist eine solide inhaltliche und formale Orientierung, mit der man sich einen ersten Überblick verschafft. Die Alterskategorien sowie die offen kommunizierten Bewertungskriterien sind sehr übersichtlich. In den Einstufungsprozess sind sowohl Spielentwickler als auch die PEGI-Mitarbeitende involviert. Eltern sollten sich aber zusätzlich auch in Fachzeitschriften, Recherchen im Internet sowie durch Gespräche mit Fachleuten informieren.

Geben Eltern dem Druck der Kinder zu rasch nach? Oder liegt das Problem bei den Händlern?

Händler informieren in der Regel gerne über Inhalte zu den Spielen. Sie sind aber per Gesetz nicht dazu verpflichtet, PEGI einzuhalten. Letztendlich liegt die Verantwortung bei den Erziehungsberechtigten. Zudem gibt es bei den Altersempfehlungen eine Grauzone. Es gibt Zehnjährige, die durchaus schon die Reife besitzen, ein Spiel ab 12 Jahren zu spielen.

Als Eltern sollten Sie sich vorab informieren: Probieren Sie ein Game selbst aus oder schauen Sie zumindest ein Video dazu. Auf YouTube findet man fast zu jedem Game zusammenfassende Kommentare –sogenannte «Let’s Plays».Mela Kocher, Senior Researcher in der Fachrichtung Game Design

Wie kommen die Kids sonst noch an Games, für die sie eigentlich zu jung sind?

Meinen Beobachtungen zufolge vor allem durch ältere Geschwister, die im selben Haushalt gamen. Und bei Kollegen, welche diese Games zu Hause spielen dürfen.

Welchen Handlungsbedarf sehen Sie?

Kontrolle nützt nur bedingt. Am wichtigsten sind Gespräche: Finden Sie heraus, was für Ihre Kids die Faszination actionhaltiger Spiele ausmacht. Bringen Sie in Erfahrung, welche Games sie auswärtig spielen. Erklären Sie Ihnen, wieso sie für ein bestimmtes Game besser ein paar Jahre warten. Und: Spielen Sie gemeinsam! So erfahren Sie, welche Themen die Games behandeln und wie die Kinder konkret spielen – in der Regel geht es nicht alleine ums «Ballern»: Gefragt sind Geschicklichkeit und Taktik.

Tipps für den richtigen Umgang

  • Zeigen Sie Interesse! Jugendliche suchen Bestätigung: Beim Gamen demonstrieren sie ihr Können.
  • Spielen Sie ein Game gemeinsam.
  • Vor dem Kauf: Überprüfen Sie die Altersfreigabe und sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber – jedes Kind entwickelt sich unterschiedlich.
  • Bieten Sie Alternativen an. Inputs für altersgerechte Games finden Sie beispielsweise auf der Website BuPP.
«Spielen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern!» Mela Kocher, Game Designerin.»
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