Was sind Kryptowährungen wie Bitcoin, und was ist Blockchain?

Finanzwesen 2.0

Bitcoins, Kryptowährungen und Blockchains

Bitcoin und Blockchain sind in aller Munde. Sieben Fragen und Antworten rund um die Kryptofinanztechnik bringen Licht in den Begriffsdschungel.

Als Kryptowährung ist Bitcoin nur selten in Münzenform anzutreffen. Bild: shutterstock.com/123dartist

 

Was ist Bitcoin?

Eigentlich müsste man fragen: «Was sind Kryptowährungen?». Es gibt nämlich mittlerweile eine ganze Reihe digitaler Währungen, die ähnlich funktionieren. Bitcoin war die erste Kryptowährung und ist bis heute die meistgenutzte mit der grössten Marktkapitalisierung.

Wie Euro, Dollar oder Schweizer Franken stehen auch Kryptowährungen für Vermögenswerte. Bitcoin & Co. gibt es aber, von experimentellen Ausnahmen abgesehen, nicht als Noten und Münzen – bei Kryptowährungen spielt sich alles, von der Herausgabe über die Aufbewahrung bis zum Zahlungsverkehr, ausschliesslich in der digitalen Sphäre ab. Für die nötige Sicherheit und das Vertrauen, ohne das keine Währung auskommt, sorgen kryptographische Verfahren, also die Verschlüsselung der Inhalte und eine Echtheitsprüfung des Urhebers.

 

Was ist eine Blockchain?

Kryptowährungen kommen ohne zentrale Ausgabestelle aus. Eine «Bitcoin-Notenbank» gibt es nicht. Wichtige Währungseigenschaften wie die Garantie, dass ein bestimmter Vermögenswert nur einmal existiert und nicht gefälscht werden kann, gewährleistet ein Konsensmechanismus in Form einer verteilten Datenbank: Alle Transaktionen werden in einem öffentlich zugänglichen, verteilt geführten Kontobuch («distributed ledger») erfasst. Dazu ist eine Validierung durch die Teilnehmer nötig. Dieser Konsens wird automatisch durch kryptographische Berechnungen erzielt.

Einmal eingetragen, können die Daten nicht mehr geändert oder gelöscht werden. Weil die Transaktionsdaten chronologisch in einer ständig wachsenden, verketteten Folge von Blöcken abgelegt sind, spricht man von einer Blockchain. Die Blockchain ist die nahezu perfekte Form eines nicht manipulierbaren Kontobuchs.

Auch bei der Übertragung von Vermögenswerten zwischen Teilnehmern braucht es keine zwischengeschaltete, als vertrauenswürdig anerkannte Instanz: Kryptowährungen wie Bitcoin funktionieren dank des kryptographischen Konsensprozesses «trustless» ohne Intermediäre.

 

Und was ist der Unterschied?

Ganz einfach: Bitcoin ist die Währung, Blockchain die Plattform, auf der die Währung basiert. Die meisten Kryptowährungen arbeiten mit dieser Kombination. Es ist aber möglich, Blockchain-ähnliche Techniken mit einer zentralen Kontrollinstanz zu kombinieren oder die Nutzung auf einen eingeschränkten Teilnehmerkreis zu beschränken. Dann spricht man von staatlich unterstützten oder von einem Finanzinstitut ausgegebenen Kryptowährungen beziehungsweise von privaten Blockchains.

 

Was hat man davon, mit Bitcoins zu zahlen?

Bisher eher wenig. Der Konsensprozess braucht viel Rechenleistung und ist damit ziemlich langsam. Aktuell kann die weltweite Bitcoin-Blockchain um die 7 Transaktionen pro Sekunde bewältigen. Kreditkartenunternehmen verarbeiten in der gleichen Zeit bis zu 50’000 Transaktionen und mehr. Ausserdem liegen die Gesamtkosten für eine Bitcoin-Transaktion in der globalen Blockchain für Energie, Rechenleistung und Kommunikation bei rund 10 Dollar.

Auch wenn Bitcoins in diversen Online-Stores und Ladengeschäften als Zahlungsmittel akzeptiert werden: Für den alltäglichen Zahlungsverkehr mit kleinen Beträgen eignen sich Bitcoins überhaupt nicht. Ganz im Gegensatz dazu die Überweisung und Aufbewahrung grösserer Vermögenswerte: Auch die «langsame» Bitcoin-Transaktion ist immer noch um Dimensionen schneller als beispielsweise ein interkontinentaler Geldtransfer, den die involvierten Finanzinstitute womöglich händisch bestätigen müssen.

Zudem sind alle Transaktionen in der Blockchain öffentlich einsehbar. Das verträgt sich schlecht mit dem Bedürfnis von Einzelpersonen und Unternehmen nach Privatsphäre. Bitcoin ist aber nur das allererste Beispiel einer Kryptowährung. Im Moment entsteht ein ganzes Ökosystem von Kryptofinanzsystemen, die sich gegenseitig ergänzen und unterschiedliche Geschäftsmodelle bedienen können.

 

Ist es sicher, Kryptowährungen zu nutzen?

Kryptofinanztechnik ersetzt das Vertrauen in die Strukturen und Prozesse von Banken durch das Vertrauen in Algorithmen, die mit klar definierten Verfahren arbeiten. So entstehen vom Prinzip her die sichersten Transaktionssysteme, die überhaupt möglich sind. Allerdings steht die Technik noch in den Kinderschuhen. Es wird Verbesserungen geben, vor allem auch bei der Benutzerfreundlichkeit – die aktuellen Bitcoin-Wallets stellen nicht gerade den Höhepunkt der User Experience dar.

 

Was lässt sich ausser Währungen sonst noch mit einer Blockchain umsetzen?

Transaktionen mit Vermögenswerten sind bloss die erste, und sicher nicht die effizienteste und innovativste Anwendung der Blockchain-Technik. Die Haupteigenschaften einer Blockchain sind Sicherheit, Robustheit und Unveränderbarkeit. Sie eignet sich damit ideal zur Verarbeitung und Ablage von Verträgen und ähnlichen Dokumenten wie zum Beispiel Grundbucheinträgen oder Echtheitszertifikaten für Diamanten. Mit Blockchain-Technik können viele Abläufe vereinfacht und beschleunigt werden, die auf Konsens angewiesen sind und öffentlich nachprüfbar sein müssen.

 

Wie profitiert ein KMU von Kryptofinanztechnik, heute und in Zukunft?

Wenn für das Geschäftsmodell die Ausgabe, Aufbewahrung oder Weitergabe von Vermögenswerten oder entsprechenden Titeln wichtig sind, kann die Kryptofinanztechnik zur Sicherheit und Kosteneinsparung beitragen, vor allem auch im internationalen Geschäftsverkehr. Und auch wer sein Geschäft für die vierte industrielle Revolution und das Internet der Dinge fit machen will, tut gut daran, sich bei Experten über Kryptofinanztechniken zu erkundigen.

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